§ 2 Das Insolvenzverfahren / 3. Nachtragsverteilung (§ 203 InsO)
 

Rz. 256

Nicht selten kommt es vor, dass noch Vermögenswerte vorhanden sind, die bei der Schlussverteilung noch nicht berücksichtigt werden konnten. Diese können im Wege einer Nachtragsverteilung gem. § 203 InsO auch nach der Schlussverteilung und selbst noch nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens verteilt werden.

a) Voraussetzungen und Verfahren der Nachtragsverteilung

 

Rz. 257

Die Nachtragsverteilung erfolgt auf Antrag des Insolvenzverwalters, eines Insolvenzgläubigers oder von Amts wegen, § 203 Abs. 1 InsO. Das Gericht ordnet die Nachtragsverteilung durch Beschluss an, unabhängig davon, ob die Nachtragsverteilung im Schlusstermin ausdrücklich oder stillschweigend vorgehalten worden ist.

Das Gesetz nennt in § 203 InsO drei Fallgruppen, in denen eine Nachtragsverteilung erfolgen kann:

frei werdende, bislang zurückbehaltene Beträge, § 201 Abs. 1 Nr. 1 InsO,
aus der Masse gezahlte, an diese zurückfließende Beträge, § 201 Abs. 1 Nr. 2 InsO,
sowie nachträglich ermittelte Gegenstände der Masse, § 203 Abs. 1 Nr. 3 InsO.

Die Entscheidung über die Anordnung der Nachtragsverteilung liegt nach § 203 Abs. 3 InsO im Ermessen des Gerichts, das eine Kosten/Nutzen-Analyse vorzunehmen hat. Es kann von der Anordnung der Nachtragsverteilung absehen und den zur Verfügung stehenden Betrag oder den ermittelten Gegenstand dem Schuldner überlassen, wenn dies mit Rücksicht auf die Geringfügigkeit des Betrags oder den geringen Wert des Gegenstands und die Kosten einer Nachtragsverteilung angemessen erscheint. Es kann die Anordnung auch davon abhängig machen, dass ein Geldbetrag vorgeschossen wird, der die Kosten der Nachtragsverteilung deckt, § 203 Abs. 3 InsO.

Gegen die Ablehnung einer beantragten Nachtragsverteilung steht dem Antragsteller nach § 204 Abs. 1 InsO die sofortige Beschwerde zu. Gegen die Anordnung der Nachtragsverteilung steht dem Schuldner nach § 204 Abs. 2 Satz 2 InsO die sofortige Beschwerde zu.

b) Insolvenzverwalter und Insolvenzbeschlag bei Nachtragsverteilung

 

Rz. 258

Mit Verfahrensaufhebung sind das Amt des Insolvenzverwalters und der Insolvenzbeschlag grds. beendet; die Verfügungsbefugnis ist an den Schuldner zurückgefallen. Die Verwertung des Gegenstandes und Verteilung des Erlöses im Wege der Nachtragsverteilung setzen deshalb die erneute Bestellung eines Verwalters und Herstellung des Insolvenzbeschlags voraus. Da die Nachtragsverteilung auch als Fortführung der Schlussverteilung verstanden werden kann, ist regelmäßig der vormalige Insolvenzverwalter erneut zu bestellen.

 

Der durch Aufhebung des Insolvenzverfahrens entfallende Insolvenzbeschlag entsteht mit Anordnung der Nachtragsverteilung mit Wirkung ex nunc neu. Hieraus folgt, dass ein nachträglich bekannt gewordener Gegenstand der vormaligen Masse nicht der Nachtragsverteilung unterliegt, wenn der Schuldner zwischenzeitlich über ihn verfügt hat. Allerdings unterliegt in diesem Fall das Surrogat der Nachtragsverteilung, ohne dass es auf eine dingliche Surrugation ankäme. Zieht der Schuldner etwa nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens eine Forderung ein, die zur Masse gehörte, unterliegt der Erlös der Nachtragsverteilung. Weshalb der Verwalter den Gegenstand zuvor nicht verwertet hat, ist dabei unerheblich.

Hat das Gericht hingegen im Schlusstermin hinsichtlich einzelner bereits bekannter, aber noch nicht verwertbarer Vermögensgegenstände die Nachtragsverteilung gem. § 197 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 InsO vorbehalten, erlischt der Insolvenzbeschlag für die betreffenden Gegenstände nicht mit der Verfahrensaufhebung, sondern bleibt bis zur Durchführung der Nachtragsverteilung aufrechterhalten.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge