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Zu Bedenken ist in jedem Fall, dass gem. § 13b Abs. 1 Nr. 3 S. 1 ErbStG Anteile an Kapitalgesellschaften nur dann zum begünstigten Vermögen gehören, wenn der Erblasser oder Schenker am Nennkapital der betreffenden Gesellschaften zu mehr als 25 Prozent unmittelbar beteiligt war. Bei Familiengesellschaften, bei denen sich die Anteile auf eine größere Anzahl an Familienmitgliedern verteilen, kann diese Zersplitterung rasch zum Verlust der erbschaftsteuerlichen Begünstigung führen. Zwar hat der Gesetzgeber in § 13b Abs. 1 Nr. 3 S. 2 ErbStG eine Lockerung der Mindestbeteiligungsregelung in der Form vorgesehen, dass dem Schenker die Anteile weiterer Gesellschafter zugerechnet werden, mit denen er einen sog. "Poolvertrag"[108] geschlossen hat. Gerade bei stark zersplitterten Anteilen ist aber bereits im Vorfeld dringend abzuklären, ob eine derartige Poolvereinbarung zustande kommt. Bei Streitigkeiten einzelner Familienmitglieder untereinander besteht hier die Gefahr, dass Einzelne die Poolvereinbarung scheitern lassen, oder dass umgekehrt die Mehrheit der Mitglieder einzelne andere von der Vereinbarung ausschließt. Bei mehrstufig aufgebauten Familiengesellschaften ist die Mindestbeteiligungsquote gem. § 13b Abs. 2 Nr. 2 ErbStG auf jeder Beteiligungsebene zu prüfen, da ansonsten Unterbeteiligungen von nicht mehr als 25 % als schädliches Verwaltungsvermögen zählen. Auch nach der Erbschaftsteuerreform ist zudem zu beachten, dass es sich bei der Personengesellschaft, sofern sie nicht gewerblich tätig i.S.d. § 15 Abs. 1 Nr. 1 EStG ist, um eine Personengesellschaft i.S.d. § 15 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 3 oder § 18 Abs. 4 EStG handeln muss.

[108] Ein derartiger Poolvertrag muss die Verpflichtung beinhalten, über die Anteile nur einheitlich zu verfügen und das Stimmrecht einheitlich auszuüben. Vgl. hierzu Weber/Schwind, ZEV 2009, 16.

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