Rz. 70

Bis zum 31.12.2008 errechnete sich der Anteilswert bei der Kapitalgesellschaft i.d.R. nach dem sog. "Stuttgarter Verfahren". Dieses Verfahren berücksichtigte sowohl den Substanzwert als auch die Ertragsaussichten der Gesellschaft. Bei einer Personengesellschaft blieben die Ertragsaussichten demgegenüber unberücksichtigt. Hielt die Kapitalgesellschaft allerdings insgesamt zu mehr als 75 Prozent Beteiligungsbesitz an Kapitalgesellschaften, gleichgültig wie hoch die jeweilige individuelle Beteiligung ist, entsprach der Steuerwert der Gesellschaft dem Vermögenswert. Bestand das Vermögen der Gesellschaft z.B. ausschließlich aus Aktien börsennotierter AGs, war für den Steuerwert allein der Börsenkurs der Aktien maßgeblich. Daher waren Personengesellschaften aus erbschaftsteuerlichen Gesichtspunkten regelmäßig gegenüber Kapitalgesellschaften zu bevorzugen, wenn der Jahresertrag des Vermögens sehr hoch war. Verwaltete die Gesellschaft dagegen ausschließlich oder überwiegend niedrig verzinsliches Vermögen (z.B. festverzinsliche Wertpapiere, Renten und niedrig verzinsliche Immobilien), wurde dieses Vermögen in einer Kapitalgesellschaft deutlich niedriger bewertet als in einer Personengesellschaft. Diese je nach Gesellschaftsform unterschiedliche Bewertung des Betriebsvermögens wurde wegen der durch das BVerfG festgestellten Unvereinbarkeit mit Art. 3 Abs. 1 GG gestrichen.

 

Rz. 71

Für Erwerbe ab 2009 ist die Bewertung des Betriebsvermögens völlig neu geregelt worden. Wesentliches Bewertungsziel ist, wie sich aus §§ 109, 11 Abs. 2 BewG ergibt, eine Ausrichtung am gemeinen Wert, also am Verkehrswert. Hierdurch ist die Bewertung grundsätzlich rechtsformunabhängig, d.h. Einzelbetriebe, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften werden nach denselben Grundsätzen bewertet.[107] Als eine Möglichkeit zur Ermittlung des Wertes wurde durch den Gesetzgeber das vereinfachte Ertragswertverfahren in den §§ 199203 BewG eingeführt. Somit ist es im Gegensatz zur früheren Rechtslage für die Ermittlung des Steuerwertes unbeachtlich, welche Rechtsform für die Familiengesellschaft gewählt wird. Unterschiede können sich aber an anderen Stellen ergeben.

[107] Eine weitere Folge dieser Änderung der Bewertungsgrundlagen ist eine erhebliche Steigerung des Bemessungsvolumens bei Betriebsvermögen.

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