§ 15 Unternehmensbewertung ... / I. Allgemeines
 

Rz. 134

Vor allem aus dem angloamerikanischen Raum stammen verschiedene Bewertungsansätze, die im Allgemeinen unter dem Stichwort "Discounted Cash-Flow-(DCF-)Methoden" zusammengefasst werden. Allen diesen Ansätzen ist gemeinsam, dass die entnahmefähigen Überschüsse des Unternehmens (Free Cash-Flow) auf den Bewertungsstichtag abgezinst werden. Hiermit unterscheiden sich die DCF-Methoden im Prinzip nicht von der modernen Ertragswertmethode. Sie präzisieren letztlich nur die Prognose der Einzahlungsüberschüsse sowie des Kalkulationszinses. Innerhalb der DCF-Methoden sind drei wesentliche Strömungen zu unterscheiden:

 

Rz. 135

Einerseits kann nach dem Konzept der direkten Ermittlung des Werts des Eigenkapitals (Equity-Ansatz) der Marktwert des Eigenkapitals, also der Unternehmenswert, durch Abzinsung der um die Fremdkapitalzinsen verminderten Cash Flows berechnet werden (Netto-Methode). Zur Bestimmung des Abzinsungsfaktors wird dabei auf die Eigenkapitalkosten eines verschuldeten Unternehmens abgestellt.

 

Rz. 136

Andererseits existieren aber auch Brutto-Methoden (Entity-Ansätze), bei denen zunächst sämtliche Cash Flows des Unternehmens diskontiert und anschließend aufgeteilt werden.

 

Rz. 137

Bei dem in der US-amerikanischen Bewertungspraxis sehr gebräuchlichen Konzept der gewogenen Kapitalkosten (WACC-Ansatz = Weighted Average Cost of Capital-Ansatz) stellt der Cash Flow diejenigen Zahlungsmittelüberschüsse dar, die Eigen- und Fremdkapitalgebern zur Verfügung stehen und deren Abzinsung mit einem gewogenen Kapitalkostensatz den Gesamtkapitalwert ergibt. Nach Abzug des Marktwerts des Fremdkapitals verbleibt der Marktwert des Eigenkapitals, also der Unternehmenswert.

 

Rz. 138

Bei dem Konzept des angepassten Barwerts (APV-Ansatz = Adjusted Present Value-Ansatz) wird zunächst der Marktwert eines unverschuldeten Unternehmens ermittelt. Dieser wird anschließend um den Werteinfluss der anteiligen Finanzierung mit Fremdkapital korrigiert, so dass sich der Gesamtkapitalwert des Unternehmens ergibt. Dieser wird schließlich um den Marktwert des Fremdkapitals vermindert, um den Marktwert des Eigenkapitals (Unternehmenswert) zu bestimmen.

 

Rz. 139

Grundsätzlich führen die drei genannten Bewertungsverfahren ungeachtet der unterschiedlichen Rechentechnik zu übereinstimmenden Ergebnissen.

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