Rz. 103

Bei der Abwicklung von Schadenersatzansprüchen erbringt nicht nur der Schadenersatzverpflichtete wiederholend Leistungen, sondern vielfach auch SVT, SHT sowie weitere Träger von Drittleistungen (beamtenrechtlicher Dienstherr, Arbeitgeber, berufsständischer Versorgung pp.). Auch dieses sind wiederkehrende Leistungen i.S.v. § 197 II BGB, die auch bei unverjährtem Stammrecht einer Verjährungsfrist von 3 Jahren unterliegen.[95] Das gilt unabhängig davon, ob es sich bei dem übergegangenen Anspruch des Geschädigten um einen gesetzlichen oder einen vertraglichen Schadenersatzanspruch handelt.[96]

 

Rz. 104

Die Verjährung von Zinsansprüchen, Renten und sonstigen regelmäßig wiederkehrenden Leistungen richtet sich nach § 197 II BGB.

 

Rz. 105

§ 197 II BGB enthält keine abschließende Enumeration von bestimmten Leistungen, sondern ist allgemein und generell auf regelmäßig anfallende Beträge anzuwenden. Entscheidend ist die regelmäßige Wiederkehr und nicht die Gleichmäßigkeit des Betrags.[97] Der Anspruch muss sich seiner Natur nach auf Leistungen ausrichten, die in zeitlicher regelmäßiger Wiederkehr zu erbringen sind.[98] § 197 BGB gilt ebenso für Ersatz- und Nebenansprüche, die an die Stelle des ursprünglichen Anspruchs getreten sind oder ihn ergänzen. Es muss sich um eine Verbindlichkeit handeln, die nur in den fortlaufenden Leistungen besteht und darin ihre charakteristische Erscheinung hat.[99]

 

Rz. 106

Die Verjährung greift auch für deliktische Ansprüche in Rentenform.[100]

 

Rz. 107

Bei einem Feststellungsurteil über regelmäßig wiederkehrende Leistungen, das ganz allgemein die Ersatzpflicht des Schädigers ausspricht, unterliegen der verkürzten 3-jährigen[101] Frist die nach Eintritt der formellen Rechtskraft fällig werdenden Ansprüche u.a. wegen

Lohn- und Verdienstausfall,[102] und zwar einschließlich der Sozialversicherungsabgaben,
Rückgriff nach § 179 Ia SGB VI,[103]
Unterhaltsschaden,[104]
vermehrter Bedürfnisse (z.B. Pflegekosten[105]),
im Einzelfall auch Heilbehandlungskosten, wenn sie in gewissen regelmäßigen Abständen erbracht werden.[106]
Auch der Regress nach § 119 SGB X unterliegt der kurzen Verjährung. Beiträge i.S.v. § 119 SGB X sind regelmäßig wiederkehrende Leistungen i.S.d. § 197 II BGB und verjähren damit in der kurzen Frist von 3[107] Jahren (§ 195 BGB).[108] Sozialversicherungsbeiträge[109] (als zwingender Bestandteil des Lohnes eines abhängig Beschäftigten) werden notwendigerweise ratierlich (monatlich) abgeführt und nicht als Einmalbeitrag (wie z.B. in der Lebensversicherung möglich).
[95] KG v. 24.9.2007 – 20 U 25/06 – (Es kommt nicht darauf an, ob die Verjährungsfrist des Stammrechtes zu laufen begonnen hat).
[96] KG v. 24.9.2007 – 20 U 25/06 –.
[97] BGH v. 2.11.2005 – VIII ZR 39/04 – BB 2006, 124 = DAR 2006, 93 = NJW 2006, 364 = WM 2006, 347; BGH v. 24.6.2005 – V ZR 350/03 – BGHReport 2005, 1515 = MDR 2006, 85 = NJW 2005, 3146 = WM 2005, 2195; BGH v. 23.9.1958 – I ZR 106/57 – BB 1959, 9 = BGHZ 28, 144 = DB 1959, 55 = MDR 1959, 98 = NJW 1959, 239. Palandt-Ellenberger, § 197 Rn 10 unter Hinweis auf BGH v. 23.9.1958 – I ZR 106/57 – BGHZ 28, 144 = NJW 1959, 239.
[98] BGH v. 18.12.2005 – VI ZR 312/04 – FamRZ 2006, 115 = GesR 2006, 87 = HVBG-Info 2006, 387 = MDR 2006, 502 = NJW 2006, 994 (nur Ls.) = NZV 2006, 75 = r+s 2006, 40 = SP 2006, 191 = VersR 2006, 132 = VRS 110, 161 (Nichtannahmebeschluss zu OLG München v. 18.11.2004 – 24 U 115/04); BGH v. 19.12.2000 – X ZR 128/99 – BGHZ 146, 228 = DB 2001, 864 (nur Ls.) = FamRZ 2001, 409 = JuS 2001, 864 (Anm. Schmidt JuS 2001, 708) = MDR 2001, 743 = NJW 2001, 1063 = WM 2001, 579; BGH v. 23.9.1958 – I ZR 106/57 – BB 1959, 9 = BGHZ 28, 144 = DB 1959, 55 = MDR 1959, 98 = NJW 1959, 239.
[99] BGH v. 18.12.2005 – VI ZR 312/04 – FamRZ 2006, 115 = GesR 2006, 87 = HVBG-Info 2006, 387 = MDR 2006, 502 = NJW 2006, 994 (nur Ls.) = NZV 2006, 75 = r+s 2006, 40 = SP 2006, 191 = VersR 2006, 132 = VRS 110, 161 (Nichtannahmebeschluss zu OLG München v. 18.11.2004 – 24 U 115/04 –); BGH v. 19.12.2000 – X ZR 128/99 – BGHZ 146, 228 = DB 2001, 864 (nur Ls.) = FamRZ 2001, 409 = JuS 2001, 864 (Anm. Schmidt JuS 2001, 708) = MDR 2001, 743 = NJW 2001, 1063 = WM 2001, 579; BGH v. 10.7.1986 – III ZR 133/85 – BB 1986, 1601 = BGHZ 98, 174 = DB 1986, 1867 = JuS 1986, 996 (nur Ls.) (Anm. Emmerich) = MDR 1986, 915 = NJW 1986, 2564 (Anm. Steinmetz) = NJW-RR 1986, 1237 (nur Ls.) = WM 1986, 991.
[100] BGH v. 10.1.2012 – VI ZR 96/11 – DAR 2012, 140 (nur Ls.) = GesR 2012, 155 = jurisPR-VerkR 12/2012, Anm. 1 (Anm. Lang) = MDR 2012, 345 = NJW-Spezial 2012, 138 = NVwZ-RR 2012, 338 = r+s 2012, 154 (Anm. Lemcke r+s 2012, 307) = VersR 2012, 372 = VRS 123, 35 = zfs 2012, 504.
[101] Für Altforderungen ist das Übergangsrecht in Art. 229 § 6 EGBGB noch zu beachten, wonach für Teilzeiträume die Verjährung erst nach 4 Jahren eintritt.
[102] BGH v. 10.1.2012 – VI ZR 96/11 – DAR 2012, 140 (nur Ls.) = GesR 2012, 155 = jurisPR-VerkR 12/2012, Anm. 1 (Anm. Lang) = MDR 2012, 345 = NJW-Spezial 2012, 138 = NVwZ-RR...

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