§ 10 Sanierung / 3. Die Phase nach Veräußerung des Geschäftsbetriebs
 

Rz. 107

Die Veräußerung des Geschäftsbetriebs oder wesentlicher Teile davon beendet jedoch nicht automatisch auch die Arbeit des Insolvenzverwalters. Er hat im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens unter anderem für die Bearbeitung von Aus- und Absonderungsrechten, den Forderungseinzug und die Klärung von bilanzierungs- und steuerrechtlichen Fragen zu sorgen. Dabei ist er regelmäßig auf die Unterstützung durch die ehemaligen Mitarbeiter des schuldnerischen Unternehmens angewiesen, die im Zuge der übertragenden Sanierung nunmehr Arbeitnehmer des Erwerbers geworden sind. Eine solche ggf. erforderliche nachgelagerte Unterstützung der weiteren Abwicklung des Insolvenzverfahrens sollte daher bereits im Kaufvertrag festgehalten werden, insbesondere die Kostentragungslast sollte bereits im Kaufvertrag verteilt werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass alle Verträge des Unternehmens, zu denken ist vornehmlich an Verträge auf Lieferung oder Leistung an Kunden, mit dem alten Unternehmensträger abgeschlossen worden sind. Es bedarf für die Fortführung der Vertragsverhältnisse nach der Übertragung folglich des Einverständnisses eines jeden Vertragspartners, da bei Veräußerung des Unternehmens an die Stelle des insolventen Rechtsträgers der neue Rechtsträger als Vertragspartner tritt. Die Vertragspartner können darin eine Chance sehen, die Verträge anzupassen und die krisenbedingt schlechte Verhandlungsposition des Unternehmens auszunutzen, um bessere Konditionen auszuhandeln.

 

Rz. 108

Ferner wird der Kaufpreis vom Insolvenzverwalter zur Masse vereinnahmt und nach den allgemeinen insolvenzrechtlichen Bestimmungen an die verschiedenen Gläubiger verteilt (Aus- und Absonderungsberechtigte, Masse- und Insolvenzgläubiger, ggf. nachrangige Insolvenzgläubiger). Bereits während der Verhandlungen über den Kaufpreis sollte der Insolvenzverwalter mit den verschiedenen Gläubigern auch über die spätere Allokation der einzelnen Teile des Kaufpreises sprechen.

 

Rz. 109

Im Zuge des Closings übernimmt der Käufer häufig die Geschäftsunterlagen des Unternehmens (vgl. § 36 Abs. 2 InsO) und verpflichtet sich für die Zukunft, sämtliche Unterlagen aufzubewahren und dem Insolvenzverwalter gegebenenfalls Einsicht zu gewähren.

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