§ 1 Kapitalisierung – Kapit... / (1) Grundsatz
 

Rz. 100

Zunächst darf sich der unmittelbar Geschädigte aus der zur Verfügung stehenden Summe bedienen.[89] Erst wenn der Direktgeschädigte mit allen ihm noch unmittelbar zustehenden Forderungen befriedigt ist, ist der restliche Betrag unter den Drittleistungsträgern aufzuteilen (siehe § 116 Abs. 2–4 SGB X, § 6 Abs. 3 EFZG, § 67 Abs. 1 S. 2 VVG a.F., § 86 Abs. 1 S. 2 VVG, § 76 Abs. 1 S. 2 BBG, § 87a Nr. 2 S. 2 BBG a.F.; § 81a Abs. 1 S. 3 BVG).[90]

 

Rz. 101

Reicht der Betrag bei mehreren Verletzten nicht vollständig aus, muss ein Verteilungsverfahren er­folgen.

 

Rz. 102

Der Haftpflichtversicherer ist nicht berechtigt, die gesamte von ihm geschuldete Summe bei einem Gericht zu hinterlegen und diesem Gericht dann die Verteilung zu überlassen.

 

Rz. 103

Sobald sich die Überschreitung abzeichnet, ist das Befriedigungsvorrecht des Verletzten zu beachten und von einer Befriedigung nachrangiger Gläubiger abzusehen.[91] Der Verletzte muss sich Zahlungen, die erst nach Erkennen der Überschreitung an Dritte erbracht werden, nicht entgegenhalten lassen.[92] Spätere Zahlungen an die Drittleistungsträger sind nach § 812 BGB (Leistungskondiktion) rückabzuwickeln.[93]

[89] BGH v. 7.11.1978 – VI ZR 86/77 – MDR 1979, 218 = NJW 1979, 271 = VersR 1979, 30; OLG Stuttgart v. 22.2.1978 – 13 U 147/77 – r+s 1980, 19 = VersR 1979, 1051.
[90] Zur Berechnung bei mehreren Verletzten: BGH v. 13.7.1982 – VI ZR 106/80 – VRS 63, 342 (Keine Gesamtgläubigerschaft bei Mehrheit von Sozialversicherern. Jeder SVT kann nur den ihm nach einem Verteilungsplan gemäß § 156 VVG a.F. zustehenden Betrag verlangen.); BGH v. 25.5.1982 – VI ZR 203/80 – BGHZ 84, 151 = DB Beilage 22/1982, 18 = MDR 1982, 842 = NJW 1982, 2321 = r+s 1982, 160 = VersR 1982, 791 = VRS 63, 41 = zfs 1982, 315 (nur Ls.); BGH v. 30.4.1975 – IV ZR 190/73 – DAR 1975, 215 = MDR 1975, 743 = NJW 1975, 1277 = VersR 1975, 558 = VRS 49, 81. Siehe die Berechnungsbeispiele bei Küppersbusch, VersR 1983, 193 (198 ff. zu III. und IV. 1.).
[91] OLG München v. 20.12.2001 – 24 U 15/01 – r+s 2003, 388 = zfs 2003, 176 (BGH hat Revision nicht angenommen, Beschl. v. 14.1.2003 – VI ZR 86/02). Siehe auch BGH v. 25.5.1982 – VI ZR 203/80 – BGHZ 84, 151 = DB Beilage 22/1982, 18 = MDR 1982, 842 = NJW 1982, 2321 = r+s 1982, 160 = VersR 1982, 791 = VRS 63, 41 = zfs 1982, 315.
[92] OLG München v. 20.12.2001 – 24 U 15/01 – r+s 2003, 388 = zfs 2003, 176 (BGH hat Revision nicht angenommen, Beschl. v. 14.1.2003 – VI ZR 86/02).
[93] OLG München v. 20.12.2001 – 24 U 15/01 – r+s 2003, 388 = zfs 2003, 176 (BGH hat Revision nicht angenommen, Beschl. v. 14.1.2003 – VI ZR 86/02). Stiefel/Maier-Jahnke, Kraftfahrtversicherung, 19. Aufl. 2017, § 109 VVG Rn 9 ff.

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