16.08.2010 | Arbeits- & Sozialrecht

Tücken im Urlaubsrecht: Arbeitgeberwechsel - die wundersame Urlaubsvermehrung?

Beim Thema Urlaub macht Ihnen so schnell keiner was vor? Wir präsentieren Ihnen regelmäßig in loser Folge knifflige Fälle aus dem Arbeitsrecht. Testen Sie sich selber. Die aktuelle Frage behandelt einen Aspekt des Themas "Urlaubsansprüche bei Arbeitgeberwechsel".

Zum 1. August wird ein neuer Mitarbeiter eingestellt. Bei einem lockeren Gespräch über das Thema Urlaubsreisen ergibt sich, dass er während des bisherigen Arbeitsverhältnisses, das am 31. Juli beendet war, in diesem Jahr einige Urlaubsreisen unternommen hat. Sonnengebräunt und mit vielen Urlaubserlebnissen im Gepäck hat er die Stelle bei Ihnen angetreten.

Nun stellt sich die Frage: Wieviel Urlaub muss ihm der neue Arbeitgeber noch gewähren?

 

Nach der Urlaubsbescheinigung fragen

Hier gilt es zunächts, nach der Urlaubsbescheinigung fragen.

§ 6 Abs. 2 BUrlG verpflichtet den alten Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Bescheinigung über den im laufenden Kalenderjahr gewährten oder abgegoltenen Urlaub zu erteilen. Diese Pflicht steht im Zusammenhang mit dem Zweck des § 6 Abs. 1 BUrlG, Doppelansprüche zu vermeiden.

 

Urlaubsanspruch richtig berechnen

Anzurechnen sind durch den alten Arbeitgeber gewährte Urlaubsansprüche, soweit dadurch der Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers erfüllt wurde. Der im alten Arbeitsverhältnis gewährte Urlaub ist vom Urlaubsanspruch im neuen Arbeitsverhältnis abzuziehen.

 

Der Fall: Auf den Überschneidungszeitraum achten

Der erste Arbeitgeber gewährte den vollen Jahresurlaub. Bei Ihnen als zweitem Arbeitgeber entsteht ein Teilurlaubsanspruch in Höhe von 5/12. Der Überschneidungszeitraum sind die Monate von August bis Dezember, denn für diese Zeit hat der Arbeitnehmer sowohl vom ersten Arbeitgeber Urlaub erhalten wie auch von Ihnen zu beanspruchen.

Für den Überschneidungszeitraum muss jetzt ermittelt werden, ob der Arbeitnehmer - und das ist wichtig! - gemessen an der Höhe des Urlaubsanspruchs gegen den neuen Arbeitgeber schon seinen zustehenden Urlaub erhalten hat.

Der Arbeitnehmer hat gegen den ersten Arbeitgeber einen Jahresurlaubsanspruch von 24 Tagen und volle Abgeltung erhalten. Gegen Sie als neuen Arbeitgeber hat er 30 Tage Jahresurlaubsanspruch. Als Teilurlaub stehen ihm für die Zeit von August bis Dezember 5/12 von 30 Tagen = 13 Tage zu.

Für den Überschneidungszeitraum August bis Dezember hat er vom ersten Arbeitgeber den darauf entfallenden Anteil des Jahresurlaubs erhalten, nämlich 5/12 von 24 = 10 Tage.

Gegen den neuen Sie stehen ihm für den Überschneidungszeitraum 13 Tage zu - von denen hat er schon zehn vom ersten Arbeitgeber erhalten, sodass der Anspruch gegen Sie nun noch 13-10 Tage = 3 Tage beträgt.

Das Beispiel zeigt, dass es hierbei zu keiner "Urlaubsvermehrung" zulasten des neuen Arbeitgebers kommt.

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