Solidarisches Grundeinkommen

Nach langen Diskussionen startet das rot-rot-grün regierte Berlin in Kürze ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, das Alternativen zu Hartz IV aufzeigen soll. Doch nicht alle sind von dem Modellversuch eines solidarischen Grundeinkommens begeistert.

Im Rahmen des Berliner Modellversuchs eines solidarischen Grundeinkommens finanziert der Staat etwa 1.100 Arbeitslosen sozialversicherungspflichtige Jobs im gemeinnützigen Bereich bei Landesunternehmen, Verwaltung oder sozialen Trägern. Sie arbeiten zum Beispiel als Mobilitätsbegleiter oder Hausmeister, helfen Obdachlosen oder übernehmen unterstützende Tätigkeiten in Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen - mit Aussicht auf eine dauerhafte Beschäftigung.

Solidarisches Grundeinkommen: Ziel des Modellprojektes

Ziel des zunächst auf fünf Jahre ausgelegten Modellprojektes des solidarischen Grundeinkommens sei es, Erwerbslosen Teilhabe durch Arbeit zu ermöglichen, sagte Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) nach dem entsprechenden Senatsbeschluss. Das sei besser, als sie in der Arbeitslosigkeit von einer Weiterbildung zur nächsten kurzfristigen Maßnahme zu schieben.

Solidarisches Grundeinkommen als Chance auf gute Arbeit

Arbeit schaffen statt Arbeitslosigkeit verwalten - so lautet der Grundgedanke des solidarischen Grundeinkommens, den Müller vor etwa eineinhalb Jahren bundesweit ins Spiel gebracht hatte. «Wir geben den arbeitslosen Menschen schnell wieder eine Chance auf gute Arbeit - fair bezahlt, sozialversicherungspflichtig, freiwillig und unbefristet.» Damit unterscheide sich das Projekt grundlegend von bisherigen Arbeitsmarktinstrumenten. «Es ist eine Alternative zu Hartz IV und kann damit ein wichtiger Baustein für ein neues Sozialstaatsmodell sein, an dem wir jetzt arbeiten müssen.»

Solidarisches Grundeinkommen in Berlin ab Juli 2019

Ab Mitte Juli läuft das Modellvorhaben nach dem Beschluss im Senat langsam an. Teilnehmen können Menschen, die bis zu drei Jahre arbeitslos sind, aber keine Vermittlungschance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Ausgesucht werden sie von der Arbeitsagentur, können sich aber auch selbst bewerben. Bezahlt werden sie nach Mindest- oder Tariflohn, können auch Teilzeit arbeiten und werden während ihrer Tätigkeit gecoacht. 50 Arbeitgeber haben Stellen angeboten, darunter die Verkehrsbetriebe, kommunale Wohnungsbaugesellschaften, Senat und Bezirke.

Solidarisches Grundeinkommen vs. Lohnkostenzuschüsse für Unternehmen 

Die veranschlagten Kosten, die zunächst allein das Land Berlin trägt, liegen bei bis zu 35 Millionen Euro jährlich. Eigentlich hatte Müller erreichen wollen, dass 4.000 oder 5.000 Arbeitslose von dem Modellversuch profitieren, auch in anderen Bundesländern. Doch der Bund wollte kein Geld dazugeben. Müllers Parteifreund, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), setzt eher auf Lohnkostenzuschüsse für Unternehmen, die Langzeitarbeitslose einstellen, als auf Müllers Modell. Dennoch will das Land weiter versuchen, für das Vorhaben auch Bundesmittel zu bekommen.

Berliner Wirtschaft sieht Modellprojekt mit Skepsis

Die Industrie- und Handelskammer warnte vor wenigen Tagen vor einer Konkurrenz für private Arbeitgeber. Menschen, die vergleichsweise kurz arbeitslos seien, also die Zielgruppe des solidarischen Grundeinkommens, seien eigentlich gut vermittelbar und damit für Unternehmen sehr interessant. Diese gingen privaten Arbeitgebern nun verloren. Das Projekt dürfe auch nicht zur Folge haben, dass reguläre Jobs auf Kosten der staatlich finanzierten wegfielen.
 

Schlagworte zum Thema:  Grundsicherung, Arbeitslosengeld II, Hartz IV