| Arbeits- & Sozialrecht

Sechs Euro Bruttolohn für gelernte Fachverkäuferin ist sittenwidrig: Tariflohn = Richtwert

Wann ist ein niedriger Stundenlohn noch rechtlich tolerabel, wann unterschreitet er die Grenze zur Sittenwidrigkeit? Das ArbG Leipzig sah diese Grenze bei sechs Euro Stundenlohn.

Gelernten Fachverkäuferin ging vor Gericht

Sechs Euro Stundenlohn waren einer gelernten Fachverkäuferin eines Dessoushändlers in Sachsen zu wenig. Sie verlangte vor Gericht wenigstens zwei Drittel des ortsüblichen Tariflohns. Dieser liegt bei 12,34 EUR.

Ihre Klage hatte Erfolg, denn die Richter erklärten: Ein Stundenlohn von sechs Euro ist sittenwidrig. Die Richter sahen in der niedrigen Entlohnung ein "erhebliches Missverhältnis" zur geleisteten Arbeitbei dem Textil-Einzelhändler (Warenannahme über die Warenpräsentation, die Kundenberatung, die Kasse, Abrechnung, Umtausch und Reklamation bis hin zur Gewährung von Preisnachlässen bei Mängeln).

 

Einzelhandelstarifvertrag sieht 12,34 Euro pro Stunde vor

Der Tariflohn sei als übliche Vergütung anzusehen. Dies gelte auch im konkreten Fall, obwohl der Tarifvertrag aufgrund fehlender Tarifbindung der Arbeitsvertragsparteien keine Anwendung findet. Eine um etwa die Hälfte niedrigere Vergütung sei sittenwidrig, der Vertrag nichtig, so Spiegel ONLINE

Die Arbeitnehmerin erhielt für eine Arbeitszeit von 30 Wochenstunden einen Bruttolohn von 780,00 EUR monatlich erhielt. In ihrer Klage verlangte sie einen Stundenlohn von 8,50 EUR - zwei Drittel des Tariflohns. Dieser steht ihr nun zu.

(ArbG Leipzig, Urteil v. 11.03.2010, 2 Ca 2788/09).

Aktuell

Meistgelesen