| Arbeits- & Sozialrecht

Safety First: fristlose Kündigung eines Fluglotsen, der seine Pausen überzieht

In manchen Berufen ist Pünktlichkeit keine Sekundärtugend. So kann einem Fluglotsen fristlos gekündigt werden, wenn er mehrfach nachts seine Pausen deutlich überzieht. Er gefährdet dadurch die Sicherheit des Flugverkehrs und ist nicht mehr vertrauenswürdig genug für diese Arbeit.

Mit der Entscheidung gaben die Richter einem Flugsicherungsunternehmen Recht, das einem Fluglotsen fristlos gekündigt hatte.

 

Verspätung via Video nachgewiesen

Mit Videoaufzeichnungen wurde dem Mann nachgewiesen, dass er im Spätsommer 2009 seine Pausen in vier Nächten um teilweise über eine Stunde überzogen hatte. Seine Zeiten soll er falsch eingetragen haben.

  • Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit eines Fluglotsen sei unabdingbar, vor allem in den Nachtstunden.
  • Die Pflichtverletzung sei so massiv gewesen,
  • dass der Arbeitgeber dem Fluglotsen für die fristlose Kündigung vorher keine Abmahnung habe schicken müssen.

Sicherheit des Luftverkehrs akut gefährdet

Der 35-Jährige habe allein «um seiner Bequemlichkeit zu frönen», seinen Arbeitsplatz übermäßig lange verlassen und damit die Sicherheit des Luftverkehrs akut gefährdet, erklärte das Gericht. Gerade wegen dieser Pflichtverletzung sei es sechs Wochen vorher nachts zu einer gefährlichen Annäherung zweier Flugzeuge auf dem Flughafen Frankfurt am Main gekommen. Davon habe der Fluglotse gewusst.

Vor einem Arbeitsgericht hatte der Mann zuvor erfolgreich gegen seine fristlose Kündigung geklagt. Dagegen legte der Arbeitgeber Berufung ein und siegte nun vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht.

(LAG Frankfurt, Urteil vom 24.11.2010, 8 Sa 492/10).

 

Praxishinweis: Eine Abmahnung ist nur entbehrlich,

  • wenn eine an sich mögliche Verhaltensänderung in der Zukunft nicht zu erwarten ist oder
  • bei schweren Vertragsverletzungen, bei denen dem Arbeitnehmer bewusst sein musste, dass sie zur Kündigung führen, oder
  • wenn durch das Fehlverhalten das Vertrauensverhältnis zwischen den Arbeitsvertragsparteien so erschüttert worden ist, dass es auch durch eine Abmahnung nicht wiederhergestellt werden kann.

Vgl. zum Thema außerordentliche Kündigung auch:

Eigentor: Fristlose Kündigung wegen Preisreduzierungen beim Personalverkauf

Außerordentliche Kündigung eines gewalttätigen Fußballtrainers

 

Praxishinweis: Außerordentliche Kündigung

Arbeitsverhältnisse können von jedem Vertragsteil aus wichtigem Grund außerordentlich gekündigt werden (§ 626 BGB). Im Unterschied zur ordentlichen Kündigung ist hier keine Kündigungsfrist einzuhalten. Die außerordentliche Kündigung kann jedoch grundsätzlich auch mit einer sog. „sozialen Auslauffrist“ ausgesprochen werden.

Ein „wichtiger Grund“ für den Ausspruch einer außerordentlichen Kündigung liegt dann vor, wenn dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zur vereinbarten Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht zugemutet werden kann.

Der wichtige Grund ist regelmäßig verhaltensbedingt, jedoch nicht zwingend. Die außerordentliche Kündigung ist nur wirksam, wenn sie innerhalb von zwei Wochen nach Kenntnis der Kündigungsgründe erfolgt (§ 626 BGB).

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