25.06.2010 | Arbeits- & Sozialrecht

Privatjob trotz Krankheit: Keine fristlose Kündigung

Wird ein krankgeschriebener Mitarbeiter bei einem Privatjob erwischt, darf ihm nicht ohne weiteres gekündigt werden. Ist er nachweisbar krankk und nur stundenweise aktiv gewesen, ist u.U. erst eine Abmahnung erforderlich. Hier hatte der fleißige Kranke auf der Baustelle der Firma seiner Ehefrau gearbeitet.

Nebentätigkeit

Ein Angestellter arbeitete nebenbei als Betriebsleiter in der mit Sanitärhandel und Heizungsbau befassten Firma seiner Ehefrau.

Im Zeitraum vom 23.06. bis 31.07.2008 wurde ihm Arbeitsunfähigkeit attestiert. Er wurde aber nach einem anonymen Anruf beim Arbeitgeber in Arbeitskleidung bei der Ausübung seiner Nebentätigkeit angetroffen.

 

Nicht simuliert, aber Genesung nicht gefördert

Anders als die Vorinstanzen befand das LAG Mainz, dass er wirklich arbeitsunfähig war, denn das akute Stadium einer Polyarthritis ergab sich nicht nur aus Eigenangaben des klagenden Arbeitnehmers, sondern auch aus objektivierbaren Befunden.

Anders als er ausführte, verstieß er aber, obwohl er wohl nur eine Stunde gearbeitet hatte, gegen die ihm angeratene körperliche Schonung zur Förderung der Rekonvaleszenz.

Daher verletzte der Mitarbeiter mit diesem Verhalten seine arbeitsvertraglichen Pflichten.

 

Kündigung ohne vorherige Abmahnung?

Die fristlose Kündigung sei aber grundsätzlich erst zulässig, wenn ihn der Arbeitgeber zuvor vergeblich abgemahnt habe.

Hier sei der Pflichtverstoss nicht so massiv, dass in Anbetracht der langjährigen anstandslosen Mitarbeit eine Kündigung ohne Abmahnung zulässig gewesen wäre.

 

Unverhältnismäßig

Im Gegensatz zum Arbeitsgericht hielt das LAG die Reaktion des Arbeitgebers daher für unangemessen. Zwar sei ein arbeitsunfähiger Mitarbeiter verpflichtet, sich so zu verhalten, dass er bald wieder gesund werde. Das habe der Kläger nicht getan. Gleichwohl sei eine fristlose Kündigung hier unverhältnismäßig.

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