22.05.2010 | Arbeits- & Sozialrecht

Novartis muss (Ex-)Arbeitnehmerinnen wegen Diskriminierung 250 Millionen zahlen

Amerikanischen Schadensersatzhöhen sind legendär, jetzt kommen sie in der "alten Welt" an. Es traf die juristisch in letzter Zeit oft ins internationale Blickfeld geratene Schweiz. Auf die geringeren Gehälter der weiblichen Arbeitnehmer, bei uns oft kaum mehr ein echter Aufreger, wurde in USA jetzt mit einem finanziellen Paukenschlag reagiert.

Man darf gespannt sein, ob dieser Donnerschlag sich seismographisch auch in Europas Unternehmen bemerkbar macht..

 

Schadensersatz an ehemalige und gegenwärtige weibliche Angestellte

In New York wurde der Schweizer Pharmakonzern Novartis verurteilt, 250 Millionen Dollar an ehemalige und gegenwärtige weibliche Angestellte zu zahlen. Zwölf ehemalige Novartis-Mitarbeiterinnen hatten eine Klage eingereicht und darin dem dem Konzern vorgeworfen, sie wegen ihres Geschlechts systematisch zu benachteiligen.

  • Novartis habe sie bei Beförderungen übergangen,
  • habe für die gleiche Arbeit nicht den gleichen Lohn bezahlt
  • und Schwangere benachteiligt.

 

Das hat sich gelohnt

Eine neunköpfige Jury in Manhattan hat den Frauen Recht gegeben und die Höhe der Strafe festgelegt. Dieselbe Jury hatte Novartis bereits am Montag in einer Nebenklage für schuldig befunden und zwölf früheren Angestellten rund 3,4 Millionen Dollar zugesprochen.

Der Pharmakonzern hatte am Montag angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen; den Strafentscheid von Mittwoch kommentierte Novartis nicht.

 

Klare Botschaft?

Der Entscheid sende eine klare Botschaft an Novartis und alle anderen Unternehmen in den USA, sagte David Sanford, einer der Anwälte der Frauen, der Wirtschaftsagentur Bloomberg. «Sie können nicht einfach so weitermachen mit den Diskriminierungen, die schon so lange passieren.» Die Frauen gehören zu den insgesamt 14 000 Angestellten des Basler Konzerns in den USA.

 

Folgeklagen in der Pipeline

Der Anwalt bestätigte auch, dass sich der Klage nun rund 6000 weitere Frauen, die bei Novartis arbeiten oder gearbeitet haben, einzeln anschließen und das Pharmaunternehmen auf Schadensersatz verklagen könnten.

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