16.03.2010 | Arbeits- & Sozialrecht

Keine Kündigung wegen ausgiebiger Raucherpausen

„Ich bin dann mal weg „ – in die Raucherpause. Auf ausgiebige Raucherpausen eines Mitarbeiters wollte ein Arbeitgeber mit Kündigung reagieren. Vor Gericht zog er jedoch den Kürzeren, das sah eine Kündigung als unverhältnismäßig an, bot aber einen praktischen „Ausweg“ an.

Ausgiebige Raucherpausen rechtfertigen nicht ohne weiteres die Kündigung eines Mitarbeiters - entschied das LAG Rheinland-Pfalz.

 

Pausen mit blauem Dunst einfach nicht bezahlen

Zwar verletze der Arbeitnehmer dadurch seine arbeitsvertraglichen Pflichten. Gleichwohl könne eine Kündigung unverhältnismäßig sein und es stattdessen genügen, wenn die Pausenzeiten nicht mehr bezahlt würden.

  • Der Arbeitgeber hatte mit seinen Mitarbeitern vereinbart, dass sie in Absprache mit Vorgesetzten kurze Raucherpausen einlegen durften, ohne das Zeiterfassungsgerät bedienen zu müssen.
  • Da der Arbeitnehmer aber mehrmals pro Tag und insgesamt fast zwei Stunden für Raucherpausen die Arbeit unterbrach und auch Abmahnungen keine Wirkung zeigten,
  • kündigte ihm der Arbeitgeber fristlos.

Die Richter sahen diese Reaktion als überzogen an. Das Verhalten des Arbeitnehmers rechtfertige keine ordentliche und erst Recht keine fristlose Kündigung.

 

Praktischer Ausweg – Zeiterfassung

Vielmehr genüge es, wenn der Arbeitgeber anordne, dass der Arbeitnehmer künftig für die Raucherpausen das Zeiterfassungsgerät bedienen müsse. Denn immerhin sei der Arbeitnehmer  schon über 50 Jahre alt und gehöre dem Betrieb seit vielen Jahren an. Daher würde er es schwer haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

(LAG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 21.1.2010, 10 Sa 562/09).

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