| Arbeits- & Sozialrecht

Kalte Witterung - Anspruch auf Wärme am Arbeitsplatz?

Kälte am Arbeitsplatz wird Arbeitgebern in der Regel nur in sozialer Hinsicht vorgeworfen. Aber für die aktuelle sibirische Kälte können Arbeitgeber nichts. Arbeitsrechtlich denkbar sind aber berechtigte Ansprüche der Arbeitnehmer nach „Wärme“, z. B. durch Heizung oder geeignete Bekleidung.

Anspruch auf Mindesttemperatur

Ein Anspruch auf „Wärme“ ist zwar so nicht gesetzlich ausdrücklich geregelt. Die Lufttemperaturen in Arbeitsräumen müssen jedoch nach Anhang 3.5 Abs. 1 der Arbeitsstättenverordnung und der dazugehörigen Arbeitsstättenrichtlinie gesundheitlich zuträglich sein.

 

Die Regelungen enthalten hierzu feste Temperaturuntergrenzen. Diese Grenzen sind abgestuft und abhängig von der Arbeitsschwere, der Arbeitshaltung und dem konkreten Betriebsraum:

  • In Arbeitsräumen (also am Arbeitsplatz selbst) müssen zwischen mindestens +20°C bei leichten Arbeiten im Sitzen und +17°C bei mittelschweren Arbeiten im Stehen oder Gehen gewährleistet sein. Bei schweren Arbeiten ist dagegen eine Temperatur von +12°C noch ausreichend.
  • In Pausen-, Bereitschafts-, Liege-, Sanitär- und Sanitätsräumen müssen während der Nutzung dieser Räume mindestens +21°C herrschen.
  • In Waschräumen, in denen Duschen oder Badewannen installiert sind, herrscht zwar keine zwingende Temperaturuntergrenze, die Lufttemperatur soll jedoch während der Nutzungsdauer +24 °C betragen.

 

Schutz vor kalten Füßen

Die Arbeitsstättenrichtlinie 6 schützt Arbeitnehmer sogar vor kalten (und heißen) Füßen: Die Oberflächentemperatur des Fußbodens an ständigen Arbeitsplätzen in Arbeitsräumen soll nicht mehr als 3 °C unter und 6 °C über der Lufttemperatur liegen. Schlecht isolierte Fußböden sind also ebenso zu vermeiden wie das „Grillen“ der Mitarbeiter mit Hilfe einer Fußbodenheizung.

 

Anforderungen an die Heizung

Heizungseinrichtungen müssen nach der Arbeitsstättenrichtlinie 6 ganz allgemein so gestaltet und installiert sein, dass durch heiße Oberflächen und unzuträgliche Wärmestrahlung keine Gefährdung entstehen kann.

 

Problemfeld Zugluft

Ein weit verbreitetes betriebliches Problem bei winterlichen Temperaturen ist die Zugluft. Während ein Teil der Beschäftigten die trockene Heizungsluft durch Fensteröffnen ausgleichen möchte, stört einen anderen Teil die damit einhergehende Abkühlung und Luftzirkulation. § 3 Abs. 1 (Anhang 3.6. Abs. 3) der Arbeitsstättenverordnung greift dies auf: In Arbeitsräumen muss unter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein. Hierfür eingesetzte raumlufttechnische Anlagen müssen jederzeit funktionsfähig gehalten werden. Bei Klimaanlagen oder mechanischen Belüftungseinrichtungen (z. B. auch Fenster) ist durch den Arbeitgeber sicherzustellen, dass die Beschäftigten keinem störenden Luftzug ausgesetzt sind.

 

Arbeitsplätze im Freien

Freiluftarbeitsplätze sind durch § 3 Abs. 1 Arbeitsstättenverordnung (Anhang 5.1) in besonderer Weise vor Kälteeinwirkungen zu schützen. Sie sind so zu gestalten, dass sie von den Beschäftigten bei jeder Witterung sicher und ohne Gesundheitsgefährdung erreicht, benutzt und wieder verlassen werden können (z.B. durch Schneeräumen, Streuen). Dazu gehört auch, dass Arbeitsplätze gegen Witterungseinflüsse geschützt sind oder den Beschäftigten geeignete persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Bekleidung) zur Verfügung gestellt werden.

Auf Baustellen müssen sich die Mitarbeiter zudem gegen Witterungseinflüsse geschützt umkleiden, waschen und wärmen können.

 

Fazit: Arbeitgeber sind arbeitsrechtlich gehalten, ihren Arbeitnehmern in Gebäuden Mindesttemperaturen zu gewährleisten und bei Freiluftarbeitsplätzen Schutz vor Kälte zu bieten. Insoweit besteht tatsächlich ein „Recht auf Wärme“ am Arbeitsplatz.

 

 

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