28.06.2011 | Arbeits- & Sozialrecht

Hitze und Arbeitsschutz: Kein Recht auf hitzefrei, aber Fürsorgepflichten des Arbeitgebers

Arbeitnehmer haben kein Recht auf "hitzefrei", der Arbeitgeber hat aber eine Fürsorgepflicht
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Hitzefrei gibt es nur in der Schule. Doch auch der Arbeitgeber muss auf heißes Wetter reagieren. Das ergibt sich aus dem Arbeitsschutz, der Fürsorgepflicht und der Arbeitsstättenverordnung. Besondere Pflichten hat er gegenüber schwangeren Frauen und älteren Mitarbeitern und wenn die Arbeit unter freiem Himmel stattfindet.

Gibt es ein Arbeitsrecht auf Hitzefrei? Eine vorgegebene Außentemperatur, die ein allgemeines Arbeitsrecht auf „hitzefrei“ nach sich zieht, gibt es nicht. Es gelten nur arbeitsplatzbezogene Werte und Fürsorgepflichten.

Was verlangt die Arbeitsstättenverordnung?

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) vom August 2004 fordert für Arbeitsräume gesundheitlich zuträgliche Raumtemperaturen und den Schutz gegen übermäßige Sonneneinstrahlung, eine maximal zulässige Temperatur wird aber nicht genannt. Die diese allgemeine Forderung konkretisierende Arbeitsstättenregel ASR A3.5 Raumtemperatur vom Juni 2010 legt im Punkt 4.2 Abs. 3 fest, dass die Lufttemperatur in Arbeits- und Sozialräumen +26 °C nicht überschreiten soll.

Verschiedene Kommentare zum Arbeitsschutz leiten daraus ab, dass

  • bei einer Effektivtemperatur am Arbeitsplatz von 27 - 29°C eine Arbeitszeit von höchstens 6 Stunden zulässig ist,
  • bei 29 - 31° C höchstens 4 Stunden
  • bei 31 - 35° C dürften nur noch Notfallarbeiten durchgeführt werden.

Im Bergbau werden zusätzliche bezahlte Pausen von 10 Minuten bei Effektivtemperaturen von mehr als 29 - 30°C und von 20 Minuten bei mehr als 30°C eingeräumt.

Was fordert die Fürsorgepflicht?

Auch die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers verlangt, an heißen Tagen keine Gesundheitsschäden bei Mitarbeitern in Kauf zu nehmen. Besondere Rücksicht ist auf schwangere Frauen und ältere Mitarbeiter zu nehmen.

Da die hohen Temperaturen auch die Arbeitsleistung nicht verbessern, sollten Arbeitgeber, auch jenseits der Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung, erwägen, Ventilatoren, Lüfter oder Klimageräte einzusetzen und dafür sorgen, dass den Mitarbeitern genügend Getränke wie Mineralwasser oder Fruchtsäfte zur Verfügung stehen. Praktikabel ist oft die Vereinbarung, an heißen Tagen früher mit der Arbeit zu beginnen, um am Nachmittag die heiß gewordenen Räumlichkeiten früher verlassen und anderweitig Erfrischung suchen zu können.

Was sagt der Betriebsrat bei über 35 Grad?

In Betrieben mit Betriebsrat  besteht nach § 87 Abs. 1 Nr.7 BetrVG ein Mitbestimmungs- und Initiativrecht über Regelungen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie zum Gesundheitsschutz. Der Betriebsrat ist also bei Affenhitze gehalten, entsprechende Initiativvorschläge vorzulegen, indem er etwa verlangt, dass der Arbeitgeber mit ihm eine Betriebsvereinbarung abschließt, in der nähere Fragen bei Hitzrekorden geregelt sind. Er kann dies auch vor die Einigungsstelle bringen.

Kündigen statt zu kochen?

Die absolute ultima ratio schließlich ist die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis wegen der Raumtemperaturen außerordentlich zu kündigen. Nicht ebene naheliegend, aber man sollte dieses Recht zumindest kennen.

Sonderfall: Arbeit unter heißer Sonnes als Gärtner, Bauarbeiter etc.

Gärtner, Bauarbeiter oder Dachdecker sind es gewohnt, bei fast jedem Wetter draußen zu arbeiten. Der Sommer ist eigentlich ihre Zeit. Die Tage sind lang. Das Wetter ist oft trocken und schön. Da kann eine ganze Menge weggearbeitet werden. An langen, heißen Tagen kann man aber auch ganz schön ins Schwitzen kommen. Anders als bei schlechtem Wetter, gibt es auch für sie kein Hitzefrei.

Hilfe gegen Hitze

  • Durch das Arbeitsschutzgesetz hat der Arbeitgeber die Pflicht, eine Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz durchzuführen.
  • Bestehende Gefahren müssen beseitigt oder entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.
  • So muss der Arbeitgeber bei heißem Wetter seinen Arbeitnehmern ausreichend und kostenlos Getränke zur Verfügung stellen.
  • Und zumindest in der Pause müssen sie die Möglichkeit haben, sich an einem schattigen Platz erholen zu können. 

Arbeitszeit verlegen?

Je nach örtlicher Gegebenheit und nach entsprechenden Absprachen, sind auch andere Lösungen sind denkbar.

  • Vorstellbar ist es, die Arbeitszeiten in die frühen Morgenstunden zu verlegen. So etwa Bauarbeiten an einer Autobahn.
  • Nach einer langen Mittagspause kann dann wieder in den etwas kühleren und weniger Sonnenstrahlen intensiven Abendstunden gearbeitet werden. 

Hilfen jenseits des Arbeitsrechts?

Bei großer Hitze leiden vor allem Ältere, Menschen mit Venenerkrankungen oder niederem Blutdruck sowie mit Herz-Kreislaufproblemen. Der Körper stellt die Gefäße in der Haut weit, damit die Wärme abgeleitet werden kann und dadurch steht dem Kreislauf  weniger Blut zur Verfügung um den Blutdruck aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grunde macht er häufig schlapp.

Hoch die Tassen

Das Trinken in großen Mengen, und zwar nicht Hefeweizen sondern Mineralwasser, das Gebot der heißen Stunde ist, ist mittlerweile Allgemeingut. Und sonst?

  • Leichtes Essen schwer verdaulichen üppigen Mahlzeiten vorzuziehen, die den Kreislauf zusätzlich belasten, liegen ebenfalls nahe. 
  • Wichtig ist es auch, Salz- und Mineralstoffe zu ersetzen, die der Körper beim Schwitzen verliert, etwa durch Mineraldrinks.
  • Helle, luftige Kleidung aus Naturfasern vermeiden Hitzestaus im Körper, der außerdem nicht durch schwere körperliche Arbeit oder Sport zusätzlich belastet werden sollte.

Hitze aussperren, Kühlen Den Kreislauf unterstützen

Die Hitze gilt es aus dem Büro auszusperren: Früh morgens lüften (lassen) und tagsüber die Jalousien schließen.

Schnelle Abkühlung bietet kaltes Wasser, dass man über die Innenseite der Handgelenke laufen lässt. Noch besser: ein kaltes Unterarmbad. Durch den Kältereiz werden die Gefäße wenigstens für kurze Zeit enger gestellt - der Kreislauf wird wieder gestärkt.

Den Kreislauf unterstützen

Besonders Frauen leiden oft an Venenschwäche die es bei Hitze schwerer machen das Blut zum Herzen zu pumpen. Sie  sollten lange Sitz- und Stehphasen vermeiden, vielmehr möglichst zwischendurch herumlaufen und – wenn ohne Verletzung ihrer Arbeitspflichten möglich – ab und zu bei Gelegenheit die Beine hochzulegen. High Heels sollten sie meiden, sie sind Gift für geschwollene Beine.

Vgl. zum Thema Fürsorgepflicht auch:

Mobbing Schmerzensgeld

Mobbing: Ursachen, typische Handlungen, Gegenmaßnahmen

Zuweisung sinnloser Tätigkeiten

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsschutz, Arbeitspflicht, Freistellung von der Arbeit, Fürsorgepflicht

Aktuell

Meistgelesen