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Die Künstlersozialversicherung nicht vergessen

Kein buntes Treiben ohne Abgaben an die Künstlersozialkasse.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Anwälte, die selbstständige Künstler wie Fotografen oder Grafiker für ihre Werbegestaltung engagieren, müssen zusätzlich zum Honorar 5,2 Prozent an die Künstlersozialkasse abführen. Wer das vergisst, zahlt später über saftige Bußgelder gleichwohl ordentlich drauf.

Wie Künstlersozialkasse? Viele Anwälte wissen nicht, dass sie bei der Beauftragung von Kreativen für die Erstellung von Briefbögen, Fotos oder den Internetauftritt bei der Künstlersozialkasse abgabepflichtig sind. Wer nicht zahlt, muss mit erheblichen Bußgeldern rechnen, wenn die Deutsche Rentenversicherung im Rahmen einer Betriebsprüfung fündig wird. Für Verstöße gegen die Melde-, Auskunfts- oder Vorlagepflicht sowie für Verstöße gegen die Aufzeichnungspflicht beträgt der Bußgeldrahmen nunmehr einheitlich 50.000 Euro.

Formlose Anfragen möglich

Besser ist es da, sich auf der Internetseite unter www.kuenstlersozialkasse.de entsprechende Meldebögen herunterzuladen. Auch formlos können Anwälte per Mail oder Fax bei der Künstlersozialkasse kostenfrei anfragen, ob eine konkret in Auftrag gegebene  Dienstleistung abgabepflichtig ist oder nicht. Die Künstlersozialkasse gehört zur Unfallversicherung Bund und Bahn und hat ihren Sitz in Wilhelmshaven.

Geringfügigkeitsgrenze schnell verbraucht

Was die Künstlersozialkasse erst einmal als Kunst identifiziert hat, fordert sie bei den Beiträgen hartnäckig ein: Selbst wenn Handwerker Künstler beauftragen, die nicht Mitglied in der Künstlersozialkasse sind, wird die Abgabe fällig. Von dem Grundsatz der Abgabe- und Meldepflicht an die Künstlersozialkasse gibt es aber einige Ausnahmen. So müssen Anwälte keine Abgabe leisten, wenn sie pro Jahr nicht mehr als 450 Euro an Honoraren an freischaffende Künstler zahlen. Dabei zählt der Nettobetrag, Reise- und Bewirtungskosten des Künstlers bleiben ebenfalls außen vor.

Gesellschaftsform entscheidend

Keine Künstlersozialabgabe wird zudem fällig, wenn Anwälte Aufträge an freischaffende Kreative vergeben, die sich als GmbH, AG, e.V. oder öffentliche Körperschaften und Anstalten organisiert haben. Dasselbe gilt für Zahlungen an eine Kommanditgesellschaft (KG), GmbH & Co. KG und OHG. Wer dagegen zum Beispiel einen Auftrag an eine Werbeagentur in der Rechtsform der Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GbR) oder an eine Einzelperson vergibt, muss Künstlersozialbeiträge abführen. „Für Auftraggeber ist es daher günstiger, Kapitalgesellschaften zu beauftragen. Dies führte dazu, dass mancher Einzelunternehmer bzw. manche Personengesellschaft von ihren Auftraggebern dazu gedrängt wurde, ihre Rechtsform zu ändern. Die betroffenen Unternehmen sehen dadurch ihre Existenz bedroht“, heißt es in einem Gutachten von Prof. Dr. Hans-Wolfgang Arndt im Auftrag des Bundes der Steuerzahler. Der ehemalige Jura-Professor kommt darin zu dem Ergebnis, dass die Künstlersozialabgabe in ihrer heutigen Form verfassungswidrig ist, eine Einschätzung, die das Bundessozialgericht bisher nicht teilt.

Schlagworte zum Thema:  Künstlersozialabgabe, Künstlersozialversicherung, Künstlersozialkasse, Bußgeld, Werbung

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