| Arbeits- & Sozialrecht

Arbeitsunfähig durch Hundebiss: Anspruch auf Lohnfortzahlung?

Der Hund ist das einzige Lebewesen auf der Erde, das Sie mehr liebt, als sich selbst. Da ist es Ehrensache, ihm in Not beizustehen. Dafür muss sogar der Arbeitgeber geradestehen: Wer seinen Hund aus einem Hundeverbiss befreit und hierbei selbst verletzt wird, behält seinen Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Der Kläger war seit ca. 2 Jahren bei der Beklagten als Fahrer beschäftigt, als er an seinem Wohnort ein Vereinsfest besuchte. Begleitet wurde er von seinem 8 Jahre alten Hund „Barry“.

 

Achtung: mürrische Dogge im Anmarsch

Barry wurde noch vor dem offiziellen Beginn des Festes von einer frei laufenden Dogge angegriffen. Diese verbiss sich derart in Barry, dass sie diesen schließlich hängend in ihrem Maul trug. Der Kläger griff daraufhin beherzt ein und befreite seinen Hund aus dem Maul der Dogge. Hierbei wurde er jedoch von dieser in die Hand gebissen. Er wurde für einen Monat arbeitsunfähig krank geschrieben.

 

Hund gerettet: Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet?

Der Arbeitgeber verweigerte dem Kläger die Lohnfortzahlung mit der Begründung, dieser habe die Arbeitsunfähigkeit schuldhaft herbei geführt. Das Arbeitsgericht Freiburg, womöglich alles radfahrende Hundehalter, stellte sich hinter den tapferen Hundebesitzer. 

 

Recht auf Hunde-Rettung

Ausgangspunkt der rechtlichen Beurteilung war § 3 Abs. 1 EFZG. Hiernach entfällt der Anspruch des Arbeitnehmers auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, wenn er seine Krankheit schuldhaft herbeigeführt hat.

Schuldhaft handelt nach Auffassung des Arbeitsgerichts ein Arbeitnehmer, der eine Handlung begeht, die vorhersehbar zu einer Gefährdung seiner Gesundheit führt. Wer z.B. einen bekanntermaßen bissigen Hund leichtfertig streichelt, handelt hinsichtlich einer möglichen Bissverletzung schuldhaft.

Anders verhält es sich aber im Falle der Verfolgung berechtigter Interessen. Wer sein Eigentum bzw. seinen Besitz nur dadurch verteidigen kann, dass er gleichzeitig ein gesundheitliches Risiko eingeht, handelt nicht grundsätzlich schuldhaft.

Keine zumutbare Handlungsalternative

Dies gilt besonders dann, wenn eine andere Verhaltensweise in Anbetracht der gefährdeten Rechtsgüter nicht zumutbar erscheint.

In der konkreten Situation schien das Leben von Barry konkret gefährdet.

  • Der Kläger war daher zur Verteidigung seiner eigentumsähnlichen Rechtsposition (§ 90 a BGB) berechtigt.
  • Eine vernünftige Handlungsalternative war nicht erkennbar. Weiteres Zuwarten hätte seine Rechtsstellung weiter gefährdet.
  • Damit war die anschließende Bissverletzung durch die Dogge nicht schuldhaft verursacht.

Der Anspruch des Klägers auf Lohnfortzahlung war nicht entfallen.

(ArbG Freiburg, Urteil v 13.01.2010, 2 Ca 215/09).

Aktuell

Meistgelesen