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Zweite Antwort auf den Fachkräftemangel: Migration erleichtern

Welche Rolle kann die Politik bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels einnehmen? Eine Antwort darauf zeigt die Studie "Global Talent Risk" von der Boston Consulting Group und dem Weltwirtschaftsforum auf: Es bedarf politischer Rahmenbedingungen, die eine globale Mobilität von Talenten fördern. Die Politik muss im Inland und im internationalen Austausch die Regelungen für Einwanderungen und Arbeitserlaubnisse vereinfachen und flexibilisieren.

Lediglich zwei Prozent des europäischen Arbeitsmarkts entfallen auf ausländische Beschäftigte mit einem Universitätsabschluss oder einer vergleichbaren Qualifikation. Zum Vergleich: In den USA sind 4,5 Prozent, in Australien acht Prozent und in Kanada sogar zehn Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter Migranten mit einem Hochschulabschluss. Gründe dafür sind vor allem die restriktive und unübersichtliche Einwanderungspolitik der einzelnen EU-Länder, sowie das Fehlen einer grundsätzlich migrationsfreundlichen Willkommenskultur.

 

Praxisbeispiel 1: Greencard und Punkte-System für Einwanderer

Wollen Staaten mehr ausländische Fachkräfte für sich gewinnen, muss sich dies ändern. Das hat die EU erkannt und erste Schritte eingeleitet. Dazu gehört auch eine Greencard nach amerikanischem Vorbild, mit der Fachkräfte, die ein Jobangebot aus einem EU-Land haben, bis zu vier Jahre mit ihren Familien in die EU einwandern können. Insgesamt werden transparentere, schnellere und flexiblere Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungsverfahren angestrebt.

Das Vereinigte Königreich setzt zum Beispiel auf ein Punkte-basiertes System, das an die Stelle von 80 verschiedenen Genehmigungsformalitäten getreten ist. Je höher die Qualifikation, desto mehr Punkte sammelt man und umso wahrscheinlicher ist es, eine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Außerhalb Europas sind Kanada und Australien Vorbilder bei der Nutzung von Punktesystemen. Der Vorteil besteht vor allem in der strategischen Analyse des Fachkräftebedarfs nach Berufsgruppen und einer erhöhten Objektivität des Auswahlprozesses.         

 

Praxisbeispiel 2: Länderrepräsentanzen im Ausland

Auch die Standortattraktivität im Sinne eines aktiven Länder- oder Regionen-Brandings spielt eine große Rolle. Wird das betroffene Land nicht als attraktives Einwanderungsland wahrgenommen, kommt es nur bei sehr wenigen global flexiblen Talenten in die engere Auswahl als Zielland. Länderrepräsentanzen sind hierbei eine gute Idee, um im Ausland für den heimischen Markt zu werben. Dänemark hat dies bereits eingeführt. So wurde vor kurzem das Zentrum "Arbeiten in Dänemark" in Neu Delhi eröffnet. Interessierte können sich dort vor Ort über Arbeitsmöglichkeiten in Dänemark informieren. Zusätzlich gibt es eine Website, auf der man Informationen darüber erhält, wie man Greencards bekommt, welche Qualifikationen gesucht sind und wie die Visa-Bestimmungen genau geregelt sind.    

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