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Zukunft Personal 2017: Die Besucher drängen sich im Eingangsbereich. Bild: Zukunft Personal - Peter Porst

Eindrücke vom ersten Messetag und die Highlights des zweiten Tags der Zukunft Personal 2017: Mit den Live-Berichten aus Köln können Sie sich über die HR-Fachmesse auf dem Laufenden halten.

Die „Zukunft Personal“ öffnete am 19. September bei regnerischem Wetter ihre Tore. Wer vom Bahnhof Köln-Deutz den Fußweg zum Messeeingang Süd nahm, war erstaunt über die Großbaustelle, die er überqueren musste. Auf etwa der Hälfte des über fünf Hektar großen Grundstücks hinter dem Deutzer Bahnhof entsteht die neue Zentrale der Zurich-Versicherung. Aber auch ein Einkaufszentrum, Gastronomie und ein Kino sollen in dem Bereich entstehen. Was uns Messebesucher von außerhalb besonders freuen dürfte: Hier wird wahrscheinlich Ende 2018 auch ein schickes und hoffentlich immer noch preisgünstiges „Motel One“ eröffnen.

Zukunft Personal 2017: ganz im Zeichen der Digitalisierung

Die Messe selbst erlebte von 9 Uhr an einen für einen ersten Messetag erstaunlichen Besucheransturm, der bis etwa 16 Uhr anhielt. Wenn der Zuspruch so bleibt, wird der Rekord von 17.000 Messebesuchern zu erreichen sein. Das Wort, mit dem die Besucher wohl am häufigsten Bekanntschaft machten war „Digitalisierung“. Für Messechef Ralf Hocke ist das nachvollziehbar: „HR entwickelt sich zum Treiber der Digitalisierung.“

Das Wort beherrschte zum Beispiel die Pressekonferenz der Messegesellschaft so sehr, dass gefragt wurde, ob die Halle „Weiterbildung“, die am wenigsten mit der Digitalisierung zu tun hat, nicht gleich wegfallen könne, ohne dass es jemandem auffiele. Messemacher Ralf Hocke, Chef von Spring Messe Management, verneinte das mit Nachdruck und wies darauf hin, dass die Digitalisierung ganz neue und intensivere Formen der Weiterbildung sowohl im Internet als auch im Seminarraum ermögliche. Professor Stephan Fischer, Hochschule Pforzheim, der als Gast der Pressekonferenz beiwohnte, machte den Vorschlag, dass die Messe nicht mehr thematisch in Hallen gegliedert sein sollte, sondern dass sich die Besucher doch auch durch eine bunte, zufällige Ansammlung von Ständen bewegen könnten und so sehr viel überraschend Neues lernen würden. Eine Messe als Geflecht von Überraschungen – Fischer sollte sich diese Idee sichern.

Künstliche Intelligenz: niemanden ersetzen, nur assistieren

Eines der Top-Themen der diesjährigen Zukunft Personal ist „Künstliche Intelligenz“ oder „Artificial Intelligence“. Einer kann sich darüber nicht freuen: Es ist ausgerechnet Keynote-Speaker Gary Kildare, ein Schotte in Diensten von IBM Europe. Der „Chief Human Resources Officer“ steht auf der großen Bühne in der voll besetzten Keynote-Arena und hält einen Vortrag, der im Messeprogramm und auf der Folie hinter ihm mit den Worten „Artificial Intelligence & Exponential Change“ angekündigt wird. Kildare allerdings sagt: „Ich bevorzuge die Begriffe Augmented Intelligence oder Cognitive Intelligence.“ Das passe besser zu einer Vision der Zukunft, in der jeder von uns mit einem technischen Assistenten zusammenarbeite, der das Sammeln und Auswerten von großen Datenmengen übernehme. Das gelte für Mediziner wie für Marketingleute. Denn, da ist sich Kildare sicher, Daten seien das neue Gold, für jedes Geschäft. IBMs Goldgräber heißt Watson, der Super-Computer, der versteht, lernt und seine Schlüsse zieht. Allerdings, und das sei wichtig, gehe es dabei aus IBM-Perspektive nicht um private Daten, sondern immer um Daten in einem geschäftlichen Kontext. Watson helfe den Profis in jedem Bereich, besser informiert zu sein.

Watsons Augmented Intelligence mache Mitarbeiter nicht überflüssig, sondern ergänze ihre Fähigkeiten und helfe ihnen, zusätzlich Werte zu generieren. Während die Maschine exzellent darin sei, Daten auszuwerten, sei der Mensch gut darin, Ziele festzulegen und einzuschätzen, welchen Wert die Daten hätten. Für Misstrauen und ethische Bedenken hat Kildare Verständnis: „Erinnern Sie sich noch daran, als Sie zum ersten Mal an einem Geldautomaten Geld abgehoben haben?“ Da habe jeder noch x-mal nachgezählt, heute nicht mehr.

Künstliche Intelligenz in der Weiterbildung

Bevor die Personaler im Publikum langsam müde wurden, kam Kildare noch auf die Aus- und Weiterbildung zu sprechen. Wer künstliche Intelligenz einsetze, um seine Mitarbeiter in Sachen Bildung zu unterstützen, müsse das den Mitarbeitern klar und deutlich sagen. Schließlich würden irgendwann die im Lernprozess gesammelten Daten ausgewertet werden … Bei IBM trägt das entsprechende Pilotprojekt übrigens den niedlichen Namen „Myca“ (von „my Career“) und erscheint als App auf mobilen und anderen Endgeräten. Die App, die mit der Lernplattform verbunden ist, soll die unübersichtlichen Karrierewege bei IBM übersichtlicher machen und den Mitarbeitern beim Lernen helfen. Stichwort lernen: „Künstliche Intelligenz ist allemal besser als natürliche Dummheit“, sagte einmal Hans Matthöfer, ein ehemaliger Bildungsminister.

Digitalisierung locker nutzen

Zu mehr Gelassenheit im Umgang mit den Themen „Digitalisierung“ und „Künstliche Intelligenz“ hat Professor Julian Nida-Rümelin, Philosoph und Staatsminister a.D., in seiner Keynote „Ethik der digitalen Innovation“ aufgerufen. In den USA habe im Zeitraum von 2004 bis 2014 der durchschnittliche Zuwachs an Produktivität bezogen auf alle Produktivitätsfaktoren bei nur 0,4 Prozent pro Jahr gelegen. Für ein Land, das als Vorbild in Sachen Digitalisierung gelte, sei das ein sehr niedriger und geradezu „irritierender“ Wert. Die entsprechenden Zuwächse hätten von 1920 bis 1970 bei 1,9 Prozent pro Jahr gelegen. Für andere Länder, die zum Beispiel mit einem starken verarbeitenden Gewerbe glänzen könnten, gebe es keine Notwendigkeit, sich unkritisch dem Digitalisierungstrend zu unterwerfen.

Auf der anderen Seite warnte Nida-Rümelin auch davor, die Chancen der Digitalisierung zu verschlafen oder sich gar der Angst hinzugeben, die Menschen könnten bald von Computern und Robotern beherrscht werden. Menschliche Intelligenz und Entscheidungskompetenz durch Algorithmen zu ersetzen, ist laut Nida-Rümelin schlicht und ergreifend nicht möglich.

Der Philosoph schlug in seiner Keynote vor, die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht geringzuschätzen, sondern sie zu nutzen. Allerdings müsse dieser Prozess parallel durch ein kritisches Nachdenken begleitet werden, um einen durchaus möglichen „Humanitätsverlust“ zu verhindern. Ein Wahlslogan wie „Digital first – Bedenken second“ (Nida-Rümelin sagte nicht, dass der Slogan von der FDP stammt) sei unter diesem Aspekt nicht sinnvoll. Es müsse permanent darauf geachtet werden, dass die Digitalisierung dem Menschen diene. Noch sei es völlig offen, wie genau Mensch und Maschine in Zukunft zusammenarbeiten würden. Philosophie und Personalwirtschaft sollten sich deshalb ruhig öfter begegnen ...

Über Dave Ulrich hinauswachsen

Die HR-Funktion in modernen Unternehmen sollte nach einer neuen Logik organisiert werden, empfahl Professor Walter Jochmann, Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Consultants International GmbH in seinem Vortrag „Unglaubwürdig und wirkungsschwach? Wie HR aus dem digitalen Dilemma findet.“ Das HR-Dilemma: Einerseits sei da das „Bestandsgeschäft“, das schlank gemanagt werden müsse, und gleichzeitig müsse HR auch noch agile Change-Prozesse begleiten. Kienbaum hat dazu ein eigenes HR-Organisationsmodell entwickelt, das weit über Dave Ulrich („Business Partner“) hinausgeht. Aber ganz gleich wie die neuen Strukturen einer künftigen HR-Abteilung aussehen – für Jochmann ist es am aller Wichtigsten, dass an der Spitze einer HR-Abteilung ein Mensch stehe, der „auf Augenhöhe“ mit dem Top-Management reden könne, weil er über eine umfassenden Berufserfahrung in der Linie verfüge. Außerdem müsse dieser Mensch unbedingt als „intelligent, integer und initiativ“ gelten. Auf Deutsch heißt das wohl: Liebe Psychologinnen und Psychologen, bevor ihr HR-Chef werden wollt, geht erst einmal in den Außendienst.

Der zweite Messetag auf der Zukunft Personal: Veranstaltungstipps

Auch am zweiten Messetag sind zahlreiche Highlights im Programm: HR-Softwarehersteller werben damit, dass sie Unternehmen bei der Umgestaltung der Arbeitswelt helfen können. Wie sich die Anbieter ihren Beitrag zur digitalen Transformation ihrer Kunden vorstellen, erfährt mehr von der Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale Transformation“ um 11 Uhr in Forum 8, Halle 3.2.

HR-Software allein verhilft noch nicht zu einer erfolgreichen digitalen Transformation. Vielmehr braucht es dafür eine wertefundierte Führung. Davon ist der ehemalige Personalvorstand der Deutschen Telekom, Thomas Sattelberger, überzeugt. Er erklärt ab 12 Uhr in Forum 2, Halle 2.1, warum die digitale Transformation „wertelos wertlos“ ist.

Jetzt müssen Sie sich entscheiden, denn um 13 Uhr startet gleich eine ganze Reihe von Vorträgen, die wir Ihnen ans Herz legen möchten. Angefangen mit Erfahrungsberichten zum „Gescheiter Scheitern“ in der Keynote Arena in Halle 2.1. Auch wer auf dieser prominenten Bühne der Zukunft Personal zu sehen und zu hören ist, kann schon mal im Schatten gestanden haben, weil etwas im Leben ganz gehörig schief lief ... und man zum Beispiel sein eigenes Unternehmen liquidieren musste. In Forum 4, Halle 2.2, geht es derweil um „Lernen 4.0“. Christian Friedrich will hier die Frage beantworten, wie sich Wissens- und Kompetenzaufbau nachhaltig in den Berufsalltag integrieren lässt. Ebenfalls um 13 Uhr beschreibt der Autor des „Weiterbildungsblogs“, Jochen Robes, in der Blogger Lounge in Halle 2.1 die Zukunft des Learning & Development. Er bezieht sich dabei nicht auf irgendwelche Theorien, sondern nutzt die Erkenntnisse, die viele hundert Teilnehmer des gerade beendeten Corporate Learning 2025 „MOOCathon“ (eine Steigerungsform eines MOOCs) zusammen erarbeitet haben.

Die Digitalisierung verändert nicht nur das Lernen und Arbeiten, sondern auch das Recruiting. Welche neuen Wege die Talentsuche gehen kann und muss, weiß Barbara Wittmann, Mitglied der Geschäftsführung des Business-Netzwerks LinkedIn, DACH. Ab 15 Uhr berichtet sie in der Keynote-Arena in Halle 2.1 über die Erwartungen von Bewerbern und Konzepte wie Employer Branding, Social Recruiting und das Büro der Zukunft.

„Jeder Jeck is anders“, heißt es auf gut Kölsch, was sich auch mit „Personalarbeit individuell gestalten“ übersetzen lässt. Welche Instrumente man dafür braucht und wie sich die Wünsche von Beschäftigten erfüllen lassen, darüber sprechen ab 15 Uhr unter anderem Vertreter von Unternehmen, der deutschen Rentenversicherung, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Forum 2, Halle 2.1.

Gegen Ende des zweiten Messetages wird es noch einmal spannend. Exklusiv auf der „Zukunft Personal“ wird die Studie „Arbeitsplatz der Zukunft“ vorgestellt, deren Ergebnisse im Detail noch nicht öffentlich sind. Welche Technik nötig ist, damit Mitarbeiter gut zusammenarbeiten können, selbst wenn sie nicht an einem Ort sind, wo Unternehmen die größten Herausforderungen sehen und welche Lösungsansätze es gibt, darüber diskutieren ab 16:30 Uhr Experten in Forum 9, Halle 3.2.

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