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"Gescheiter scheitern" hieß es am zweiten Messetag in der Keynote-Arena der Zukunft Personal 2017. Bild: Haufe Online Redaktion

Die Messe Zukunft Personal 2017 geht zu Ende. Lesen Sie, welche Highlights heute noch zu empfehlen sind und was Sie am zweiten Messetag vielleicht verpasst haben.

Wenn es nach einigen Ausstellern der „Zukunft Personal“ geht, sieht die Zukunft des Personals sportlich aus – je nach Wunsch aktiv oder passiv: Vom Massagegurt bis zum Einschlagen auf den Riesengummiball zwecks Stressabbau - auf der Messe kann man alles ausprobieren. Wer als Unternehmen modern sein will, bietet seinen Mitarbeitern keinen Dienstwagen an, sondern das Dienstfahrrad, gerne als E-Bike mit Motorunterstützung und gerne auch mal in der Luxusvariante. Die kostet dann ungefähr so viel wie ein Kleinwagen. Auch bei den Start-ups ist die Gesundheit der Mitarbeiter ein großes Thema, wobei es hier vor allem um den Wert von gesundem Essen geht.

Sattelberger: Wertebasierte Visionen wichtig

Um Werteorientierung ging es im Vortrag von Thomas Sattelberger, Ex-Personalvorstand der Deutschen Telekom. Er warnte am Mittwoch auf der „Zukunft Personal“, dass die digitale Transformation nur mit einer wertefundierten Führung funktioniere. Die digitale Transformation setze eine soziale Transformation voraus. Wenn wir das nicht schaffen würden, bräuchten wir uns um den Rest gar nicht mehr kümmern, sagte Sattelberger. Das aber sei in Deutschland mit dem Fokus auf Ingenieure und Ingenieurskunst schwierig. Eine Patentlösung gebe es nicht, aber es sei jetzt wichtig, aus ideologischen Zwangsjacken auszubrechen, betonte der in München lebende Ex-Manager mit Verve. Wie die Abkehr vom Ingenieursglauben hin zu einer wertebasierten Transformation aussehen kann, schilderte Sattelberger anhand eines Beispiels aus der Schweiz. Dort hätten, als der Durchbruch des neuen Tunnels am St. Gotthard erfolgte, ganze Schulklassen das Ereignis mit Liedern gefeiert. Aus einem einzigen Grund: Mit dem Tunnel verschwindet ein großer Teil des Verkehrs im Berg, sodass die Schönheit der Schweiz erhalten bleibt. Diese Vision sei eine wertebasierte, sagte Thomas Sattelberger und brachte als Gegenbeispiel den neuen Berliner Hauptstadtflughafen, bei dem jede Vision fehle. Wann dieses Projekt fertig werde, stehe in den Sternen.

Sattelberger war wichtig, dass der Transformationsprozess von der Führung eines Unternehmens ausgehe. Allerdings sei die ethische Kapazität menschlichen Verhaltens begrenzt und gerade Menschen, die sich selbst als sehr moralisch einschätzten, würden sich erwiesenermaßen besondere Fehltritte herausnehmen. Zudem seien Anreizsysteme häufig so konstruiert, dass kurzfristige Ziele den moralischen Handlungsspielraum einschränkten. Für sein Publikum hatte Thomas Sattelberger dann noch zwei Empfehlungen für wertebasierte Führung mitgebracht. Weil Innovation und Transformation selten reguliert passierten, brauche es einen ethischen Konsens der Akteure in kleinerem Rahmen. Im Lab, im Team, in der Community müsse man sich über einen gemeinsamen „Code of Conduct“ verständigen. Die zweite Empfehlung setzt in Schule und Hochschule an. Diese seien früher vor allem moralische Institutionen gewesen. Heute gelte es zu überlegen, wie wir unser Bildungssystem in der digitalen Welt auf eine moralische Basis gestellt bekämen. Das sei, gab Sattelberger zu, wahrscheinlich eine „Mondfahraufgabe“, also nur sehr schwer zu bewältigen.

Vorbilder auf der Bühne: Gescheiter scheitern

Für den Fall des Scheiterns hatte sich eine große Menge an Zuhörern in der Keynote-Arena nebenan versammelt, um am hellen Nachmittag eine gemeinsame „Fuck up Night“ oder auch „Epic fail Night“ zu verbringen. So nenne man Veranstaltungen über das Scheitern im angelsächsischen Sprachraum, verriet Stephan Grabmeier von der Haufe-Gruppe. Die tollsten Erfindungen seien nur entstanden, weil das eigentlich angepeilte Ziel nicht erreicht worden sei. Die Mikrowelle zum Beispiel, der Herzschrittmacher oder auch Viagra, was eigentlich ein Mittel gegen Bluthochdruck werden sollte. Zusammen mit Reiner Straub, Herausgeber des Personalmagazins, stellte Grabmeier Menschen vor, die gescheitert sind und daraus gelernt haben. Wobei nicht ganz klar ist, ob „scheitern“ in diesen Fällen tatsächlich der richtige Begriff ist. Schließlich ist die ehemalige Sägewerks-Unternehmerin Andrea Steinhilber heute Professorin an der DHBW Stuttgart. Ex-Beiersdorf- und Amazon-Personalchef Markus Bonsels ist Weingutbetreiber und auf dem besten Weg zum Master in Önologie. Auch Daria Saharova, die mit einem Start-up Strumpfhosen-Abos wollte, investiert inzwischen nach ihrem Scheitern als Partnerin einer Investmentfirma in Start-ups und sieht keineswegs wie jemand aus, der gescheitert ist.

Obwohl alle eint, dass sie ihr Scheitern genutzt haben, einen mehr oder weniger komplett neuen Weg einzuschlagen, sind die Lehren individuell. Markus Bonsels etwa betont, wie entscheidend es ist, dass die Kultur des Unternehmens zur Kultur der Führungspersönlichkeit passen muss, die es einstellt. Sein Fehler war, die Kultur seines Ex-Arbeitgebers Beiersdorf vorab nicht gründlich analysiert zu haben. Der anschließende Wechsel als Personalchef für Europa zu Amazon sei vor allem wichtig gewesen für sein Selbstbewusstsein. Daria Saharova hatte für Gründer eines digitalen Businesses den Tipp, nicht zu perfekt sein zu wollen. Wichtiger sei, schnell live zu gehen, aus den Erfahrungen zu lernen und Entscheidungen zu treffen. Andrea Steinhilber führte das familieneigene Sägewerk nach zehn Jahren ihrer Tätigkeit in die Liquidation, weil sie keine Perspektive für das Unternehmen sah und traute sich danach recht schnell wieder in die Öffentlichkeit. Über Scheitern zu reden sei wichtig, um Menschen Mut zu machen. Denn sowohl für das Gründen eines Unternehmens wie für das Scheitern sei Mut im Sinne einer rationalen Betrachtung wichtig. Die Frage, die sich jeder stellen müsse sei: „Welche Konsequenzen bin ich bereit zu tragen?“

Karrieretipps von der Boxweltmeisterin  

Regina Hallmich, mehrfache Boxweltmeisterin, hat folgendes Motto in ihrem Vortrag: „Jedes Ziel ist erreichbar. Die Frage ist nur, wie hoch ist der Preis?“. Was Erfolg im Ring und im Business gemeinsam haben, beschreibt sie anhand ihrer eigenen Erfolgsgeschichte. Kurz gesagt, geht es um harte Arbeit, Disziplin, Durchhaltevermögen, kontinuierliche Leistungsbereitschaft, Nervenstärke und klare Ziele. Wer an sich zweifle, verliere, ist Hallmich überzeugt. Sie sei das beste Beispiel. In 56 Kämpfen ihrer Profikarriere hat sie nur einmal verloren, weil sie aufgrund einer Verletzung unter dem Auge aus dem Kampf genommen wurde. Ausgerechnet bei ihrem ersten Kampf, in Las Vegas. Die Erfahrung war schmerzlich, der Wille, es zu schaffen, hinterher noch größer.

Während Hallmich spricht, läuft im Hintergrund ein Video mit Ausschnitten aus ihren Kämpfen in Dauerschleife. In Slow Motion sieht das Publikum ihren und die Köpfe ihrer Gegnerinnen unter dem Schlag der Boxhandschuhe erzittern und Gesichter zur Fratze werden. Die ganze Härte des Sports wird überdeutlich sichtbar. Daneben steht Hallmich, äußerlich unversehrt, die mit ausformulierten Sätzen eindrucksvoll über ihre Karriere spricht, die vor allem aus harter Arbeit resultierte. Dabei haut sie einen Merksatz nach dem nächsten raus: „Glauben Sie an sich und Ihre Stärken und konzentrieren Sie sich auf Ihr Ziel.“ „Erfolg kommt nicht über Nacht.“ „Man muss sich die richtige Taktik zurechtlegen und im richtigen Augenblick das Richtige tun.“ „Der Kopf ist das A + O. Das beste Training nützt nichts, wenn der Kopf nicht mitspielt.“

Mobiles Arbeiten: 80 Prozent wollen investieren

Das derzeitige Ziel vieler Unternehmen: Flexibleres und mobileres Arbeiten ermöglichen. Insgesamt 80 Prozent von 1.500 befragten deutschen Unternehmen wollen dafür in den kommenden zwölf Monaten in ihre Infrastruktur investieren. Das hat das Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmen Sipgate in Partnerschaft mit dem Umfrageinstitut IDG Research Services herausgefunden und auf dem Trendforum der Messe „Zukunft Personal“ (Halle 3.2) veröffentlicht.

Die Mitarbeiter begrüßen diese Investitionen. Aktuell empfinden 79 Prozent der befragten Mitarbeiter ihren derzeitigen Arbeitsplatz als „noch weit entfernt vom“ oder „nur ansatzweise so“ wie sie sich den Arbeitsplatz der Zukunft vorstellen. Hingegen sehen rund 40 Prozent der befragten Unternehmen ihre Entwicklung zum Arbeitsplatz der Zukunft bereits als relativ weit fortgeschritten. Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen haben eine dedizierte Strategie für neue Arbeits- und Mobilitätskonzepte entwickelt. Die Umfrageergebnisse sind Teil der Studie “Arbeitsplatz der Zukunft”.

Der dritte Tag auf der Messe – Tipps für Vorträge

Am Donnerstag, dem dritten Messetag, wird die Messe noch einmal ihrem Anspruch gerecht, Vorträge auf professionellem Kongressniveau anzubieten. Besonders hervorzuheben sind natürlich die vier Keynote-Vortragenden. Alle vier treten in Halle 2.1 im Forum 1, der sogenannten Keynote-Arena, auf.

Das ist erstens: Dr. Bettina Volkens (ab 9.00 Uhr). Die Digitalisierung wird evolutionsmäßig weiterbringen – davon ist Volkens überzeugt. Das Ausmaß und die Auswirkung der Veränderung seien nur ansatzweise zu erahnen, da sie exponentiell erfolgten. Die Arbeitsdirektorin sieht es als ihre zentrale und vordringlichste Aufgabe an, Menschen mit den neuen, digital geprägten Arbeitsrealitäten in Einklang zu bringen. Ihre Personalerkollegen fordert sie auf, den Menschen in den Mittelpunkt der Digitalisierung zu stellen und eine digitale Kultur fördern. Netzwerke könnten helfen, denn sie erleichterten das Suchen, Experimentieren, Lernen und eine Veränderung (natürlich in Richtung Agilität).

Zum zweiten: Margret Suckale (ab 12.00 Uhr). Das ehemalige Vorstandsmitglied der BASF blickt auf eine über dreißigjährige Führungserfahrung zurück. Ihr Thema: „HR Transformation im Laufe der Jahrzehnte“. Kaum eine Funktion hat in den vergangenen drei Jahrzehnten eine größere Transformation erfahren als Human Resources. Auf dieser Basis stellt sich die Frage, wie sich die HR-Abteilung in Zukunft zu einem noch anerkannteren strategischen Begleiter, Sparringspartner und Vordenker des Managements entwickeln kann.

Zum Dritten: Ranga Yogeshwar (ab 15.00 Uhr). Der TV-Moderator wird mit der Berufsbezeichnung „Wissensvermittler der Nation“ angekündigt. Auf die Frage, ob er eine bestimmte Technik habe, um Wissen weiterzugeben, meinte er kürzlich trocken: „Nein!“. Seine Arbeitsweise besteht offenbar „nur“ darin, dass er sich ganz pedantisch in ein bestimmtes Thema einarbeitet – und dann wartet, bis ihm quasi als Lohn eine populäre Metapher einfällt. Auf der „Zukunft Personal“ spricht Yogeshwar über „Eine Gesellschaft im Umbruch – Wie Innovationen unsere Arbeit beeinflussen“. Allen, die Angst vor der Zukunft und insbesondere vor der Digitalisierung haben, wird er empfehlen, den Fortschritt nicht als Getriebene über sich ergehen zu lassen, sondern die Chancen des Neuen zu erkennen. Wer sich mutig auf das digitalisierte Arbeitsleben vorbereite, der werde überwältigt sein von den neuen „Freiheitsgraden“ der digitalen Kultur. Yogeshwar hat diesem Thema sein neues Buch („Nächste Ausfahrt Zukunft“) gewidmet, das am 5. Oktober bei Kiepenheuer erscheinen wird.

Zum Vierten: Markus Köhler (ab 16.30). Der Leiter Personal und Mitglied der Geschäftsführung bei „Microsoft Deutschland“ spricht zum Thema „Arbeiten der Zukunft: Digitale Arbeitskultur leben!“. Arbeiten, wann und wo man will – das hört sich doch gut an! Dazu muss man nur mit seinem Laptop, Smartphone oder Tablet online sein und schon geht es los. Funktioniert das aber tatsächlich so einfach in der Praxis? Köhler hat die Antwort – es lohnt sich bis 16.30 Uhr am letzten Messetag zu warten.

Ausgezeichnete Weiterbildungskonzepte

Wer Trainings- und Personalentwicklungskonzepte kennen lernen will, die der BDVT (Berufsverband für Training, Beratung und Coaching) am Mittwochabend im Rahmen einer Gala in Köln mit einem Award ausgezeichnet hat, der sollte am Donnerstag im Laufe des Tages in die Halle 2.2 zur „Aktionsfläche Training BDVT“ kommen. Dort kann er am BDVT-Stand die Gewinner erfragen und deren Messestände besuchen. Der Award heißt „Der Europäische Preis für Training, Beratung und Coaching“ und wird seit 1992 vergeben. 

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