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| Psychologie

Wie Sie dieses Jahr Ihre guten Vorsätze auch realisieren

Das Symbol für Glück im neuen Jahr: Aber es braucht mehr als ein Kleeblatt, um die guten Vorsätze auch wirklich umzusetzen.
Bild: Haufe Online Redaktion

"Ich treibe regelmäßig Sport." "Ich nehme mir mehr Zeit für meine Liebsten." "Ich suche mir einen neuen Job." Solche Vorsätze fassen wir oft in der Zeit zwischen den Jahren. Doch kaum sind die Silvesterraketen verglüht, sind die guten Vorsätze fürs neue Jahr zumeist vergessen.

Die Zeit zwischen den Jahren – sie ist für viele Berufstätige neben dem Urlaub die einzige Zeit, in der sie sich entspannt zurücklehnen können. Denn nun geht alles etwas langsamer. Kaum ist die Weihnachtsgans verdaut, lassen denn auch viele Menschen das zurückliegende Jahr Revue passieren: Was habe ich erreicht, was nicht? Was bereitete mir Freude, was Stress? Und ehe sie sich versehen, steigen in ihnen ganz seltsame Fragen empor. Das registriert die Wiener Beraterin Sabine Prohaska immer wieder. Zum Beispiel Fragen wie: "Wofür schufte ich eigentlich tagaus, tagein?" "Bin ich mit meiner Beziehung zufrieden?" "Wer sind meine Freunde?" "Führe ich ein erfülltes Leben?" Gefährliche Fragen! Denn wenn wir auf sie keine befriedigenden Antworten finden, gerät unser inneres Gleichgewicht schnell ins Wanken.

Eine Auszeit nehmen

"Viele Frauen und Männer versuchen deshalb, diese Fragen erst gar nicht in sich aufkommen zu lassen", weiß Julia Voss, Hamburg. Die Managementtrainerin und -beraterin beobachtet bei Bekannten und Geschäftspartnern immer wieder, dass diese ihre freie Zeit wie ihre Arbeitszeit verplanen. Ein Termin jagt den anderen: Nach dem Kaffeetrinken bei den Eltern geht’s noch schnell mit Freunden ins Theater. Außerdem muss der Keller aufgeräumt und das neue Computerprogramm installiert werden. So bleibt auch in der Freizeit keine freie Zeit.

"Dabei werden Auszeiten vom Alltagstress immer wichtiger", betont Voss. Denn ständig wird von uns mehr Eigeninitiative gefordert. Wir sollen uns lebenslang weiterbilden. Wir sollen stärker auf unsere Gesundheit achten. Und unsere Alterssicherung? Auch um sie sollen wir uns kümmern. Ständig werden wir mit neuen An- und Herausforderungen konfrontiert. "Herausforderungen", so Voss, "von denen wir oft noch nicht wissen, wie wir sie bewältigen sollen. Schließlich sind sie neu. Also brauchen wir Zeit, um neue Lösungswege zu entwerfen."

"Immer häufiger geraten wir zudem in Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen", betont Alexander Walz, Geschäftsführer der Personalberatung Conciliat, Stuttgart. Ziehe ich nach Berlin um, weil ich Karriere machen möchte, oder sind mir meine Freunde wichtiger? Spare ich 250 Euro monatlich fürs Alter oder kaufe ich ein neues Auto? Bei all diesen Fragen müssen wir uns entscheiden. "Denn wir reden uns zwar oft ein, alles wäre zugleich möglich, doch faktisch geht dies nicht", betont Walz. "Wer zu etwas Ja sagt, sagt zugleich zu anderen Möglichkeiten Nein."

Eine Lebensvision entwerfen

"Uns bewusst entscheiden, können wir nur, wenn wir wissen, was uns wichtig ist", betont Sabine Prohaska. Sonst fassen wir zwar viele Vorsätze, doch kaum setzt die Alltagshektik wieder ein, sind sie vergessen. Denn unsere Vorsätze sind nicht in einer Lebensvision verankert. "Also werfen wir sie über Bord, sobald sich Widerstände zeigen."

Eine Lebensvision brauchen wir laut Ulrich Dessel von der Mittelstandsberatung Nollens, Dessel & Kollegen, Soyen, auch, "weil die wichtigen Dinge in unserem Leben selten dringend sind. Also schieben wir sie auf die lange Bank." Einige Beispiele. Es ist nie dringend, joggen zu gehen. Es wäre aber gut für unsere Gesundheit. Es ist nie dringend, mit den Kindern zu spielen. Es wäre aber positiv für deren Entwicklung. Es ist nie dringend, mit unserem Partner auszugehen. Es wäre aber wichtig für die Beziehung. Und es ist auch nie dringend, sich zu fragen: Welche Ziele habe ich in meinem Leben? Es wäre aber von Vorteil, um nicht in eine Sinnkrise zu geraten.

"Viele Menschen hegen die Illusion: Wenn ich alles schneller mache, habe ich für alles Zeit", beobachtet Dessel. Die Konsequenz: Sie gehen nicht durchs Leben – sie rasen. Und irgendwann stellen sie resigniert fest: Nun führe ich zwar ein noch ge-füllteres, aber kein er-fülltes Leben.

Ziel: Ein erfülltes Leben führen

Dieses Lebensgefühl plagt immer mehr Menschen. Deshalb füllen die Lebensratgeber immer mehr Regale in den Buchhandlungen. Sie beziehen sich oft auf das Balance-Modell von Nossrath Peseschkian. Ihm zufolge stehen die vier Lebensbereiche "Körper und Gesundheit", "Familie und Kontakt", "Beruf und Leistung" sowie "Sinn und Kultur" in einer Wechselbeziehung. Und wer ein erfülltes Leben führen möchte, muss für die rechte Balance zwischen diesen vier Bereichen sorgen. "Ohne eine Lebensvision gelingt uns dies nicht", ist Alexander Walz überzeugt. Eine solche Vision können wir nicht zwischen Tür und Angel entwickeln. Hierfür müssen wir uns eine Auszeit von der Alltagshektik nehmen. Und welche Zeit eignet sich hierfür besser als die Zeit "zwischen den Jahren"?

"Setzen Sie sich, wenn der Weihnachtsschmaus verdaut ist, hin", rät Sabine Prohaska, "und fragen Sie sich bezogen auf die vier Lebensbereiche: Was ist mir wichtig? Worin zeigt sich für mich ein erfülltes Leben? Und: Was sollte ich 2013 tun, damit ich auf Dauer ein glückliches und erfülltes Leben führe?" Die Antworten und Entschlüsse, die sich hieraus ergeben, sollten Sie schriftlich fixieren. Und noch einen Tipp hat die Beraterin: "Tauschen Sie sich mit Ihrem Partner über Ihre Werte und Ziele aus. Denn nur dann können sie die Kompromisse vereinbaren, die nötig sind, damit beide Partner ein erfülltes Leben führen." Sonst ist die Gefahr groß, dass Sie irgendwann zum Beispiel auf der Karriereleiter zwar ganz oben stehen. Doch auf dem Weg dorthin haben Sie etwas Wichtigeres verloren: Ihren Lebenspartner.

Stefanie Schmahl, freie Journalistin

Psychologie, Freizeit, Karriere, Work-Life-Balance

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