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Telekom-Personalvorstand räumt seinen Posten für eine Frau

Ausgerechnet der Mann, der das Thema "Frauenquote" in Gang gebracht hat, wird durch eine Frau ersetzt. Nach Beschluss des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom wird Personalvorstand Thomas Sattelberger im kommenden Jahr von der früheren baden-württembergischen Bildungsministerin Marion Schick beerbt.

Eigentlich wollte der 62-Jährige seinen Vertrag, der 2012 ausläuft, bei der Telekom verlängern, um unter anderem das Thema "Frauenquote" weiter voranzutreiben. Das scheiterte laut dem "Handelsblatt" jedoch am heftigen Widerstand der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Ohnehin gilt Thomas Sattelberger intern als Chef umstritten, weil er einen regiden Umgangston mit seinen Mitarbeitern pflegen soll. Dennoch sind seine Leistungen als Personalvorstand unbestritten. Nicht ohne Grund kürte das Personalmagazin ihn zu den "40 führenden Köpfen im Personalwesen" (siehe Personalmagazin, Ausgabe 09/2009: Die Personalmanager).  

 

Schwerer Start für Marion Schick

Auch die nun gewählte Nachfolgerin Marion Schick stößt auf wenig Gegenliebe auf der Arbeiternehmerseite des Kontrollgremiums des DAX-Unternehmens. Wie das "Handelsblatt" berichtet, kam es bei der Wahl zum Eklat. Aus Protest gegen ihre Berufung hatte die Arbeitnehmerseite kurzerhand die Aufsichtsratssitzung verlassen. Der Grund: Die Arbeitnehmervertreter befürchteten, dass die CDU-Politikerin zum einen die Interessen der Mitarbeiter nicht ausreichend beachten werde. Zum anderen gäbe es auch Zweifel an Schicks Qualifikation, habe sie doch keine Erfahrung im Management von Unternehmen. Der Aufsichtsrat war aber trotz der fehlenden Mitglieder beschlussfähig, so ein Telekom-Sprecher.

Offiziell wird Marion Schick im Mai 2012 die Nachfolge von Thomas Sattelberger antreten. Vor ihrer Arbeit als Ministerin saß die 52-Jährige im Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, wo sie für Personal und Recht zuständig war. Zwischen 2000 und 2008 war sie die Präsidentin der Hochschule München, wo sie auch als Professorin das Fach Personalmanagement lehrte. Zu Beginn ihrer beruflichen Karriere war Schick für Rodenstock und für den ADAC tätig, unter anderem als Personalentwicklerin und Trainerin für Führungskräfte. Sie hat an der LMU München Wirtschaftspädagogik studiert und an der Universität der Bundeswehr am Lehrstuhl für Berufspädagogik promoviert.

 

Von null auf 40 Prozent Frauenanteil in der Vorstandsetage 

Die Telekom hatte bereits im März 2010 als erstes DAX-Unternehmen eine Frauenquote eingeführt. Bis Ende 2015 sollten demnach 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein. Nun geht alles vielleicht schneller als gedacht. Telekom-Konzernchef René Obermann plant, insgesamt drei der acht Vorstandsposten mit Frauen zu besetzen.

Neben der ehemaligen Bildungsministerin wird die Unternehmensberaterin Claudia Nemat als Europachefin in den Vorstand des Telekommunikationskonzerns einziehen. Die Kandidatin für das Ressort Datenschutz, Recht und Compliance wurde noch nicht offiziell bekanntgegeben.

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