28.03.2012 | Personalszene

Studie: Zeitarbeitnehmer verdrängen keine Stammbeschäftigten

Eine von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebene Studie stellt fest, dass der Verdienst von Leiharbeitern bis zu fast 50 Prozent unter dem der Stammbeschäftigten liegt. Aber, so die Botschaft, die Zeitarbeiter verdrängen die Stammbelegschaften nicht. Kurz nach Veröffentlichung der Studie bezweifelten Kritiker allerdings manche Ergebnisse.

Ein Aufbau von Zeitarbeit bei gleichzeitigem Abbau der Stammbelegschaft sei "nur sehr selten zu beobachten", bestätigte die Stiftung in einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Selbst während der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 sei dies nur bei drei Prozent der Kunden von Zeitarbeitsfirmen der Fall gewesen.

Wesentlich häufiger (24 Prozent) ist demnach das Gegenteil: Wurde Zeitarbeit verringert, wuchs die Zahl der Stammkräfte. Denkbar sei daher, dass Zeitarbeit sogar helfe, die Stammbelegschaft zu sichern oder zu erhöhen, heißt es in der Studie.

Nach den Erfahrungen der IG Metall wird die Stammbeschäftigung dagegen zunehmend durch Leiharbeit verdrängt. Laut einer Befragung der Gewerkschaft erfolgen 85 Prozent der Neueinstellungen durch Leiharbeit oder befristete Einstellungen.

 

Leiharbeiter nach drei Monaten wie Stammbeschäftigte entlohnen

Gleiche Arbeit, aber oft nur gut die Hälfte des Lohns: Diese Schieflage bei der Bezahlung von Leiharbeitern ist aus Sicht der Bertelsmann Stiftung auf Dauer nicht hinnehmbar. Die Stiftung schlägt vor, Zeitarbeiter nach drei Monaten wie Stammbeschäftigte zu bezahlen. Nach der Studie würden davon rund 491.000 der etwa 910.000 Leiharbeiter in Deutschland profitieren. Die Kosten wurden auf etwa 410 Millionen Euro geschätzt.

 

Leiharbeiter verdienen bis zur Hälfte weniger

Nach der Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung tragen Zeitarbeiter "die Nachteile und Kosten der Flexibilität". So verdiene eine Leihkraft mit Berufsausbildung in Westdeutschland im Schnitt monatlich brutto 47 Prozent weniger und im Osten 36 Prozent weniger als ein Stammarbeiter mit gleichem Bildungsniveau. Als Grund nennen die Autoren vor allem die generell niedrigeren Zeitarbeitslöhne.

Insgesamt sei die Lohnlücke von 2003 bis 2010 nur bei wenigen Berufsgruppen kleiner geworden, heißt es in der Studie. Lediglich bei Hilfsarbeitern sowie bei Malern und Lackierern hätten sich die Gehälter aufeinander zubewegt - von durchschnittlich 40 Prozent auf 20 bis 30 Prozent im Jahr 2010.

 

Kritik vom Bundesverband der Personaldienstleister

Der Bundesverband der Personaldienstleister (BAP) weist in Bezug auf die Ergebnisse zu den Entgeltdiffernzen allerdings auf Ungereimtheiten hin: So sei in der Studie ausdrücklich die Rede davon, dass "die ausgewiesenen durchschnittlichen Entgelte und Entgeltdifferenzen einfache Mittelwerte darstellen", zitiert der BAP aus der Studie. "Sie berücksichtigen somit nicht alle produktivitäts- und damit entgeltrelevanten Unterschiede zwischen Arbeitskräften in Zeitarbeit und Gesamtwirtschaft, wie etwa Unterschiede in der Berufserfahrung, in den Zeiten vorausgegangener Arbeitslosigkeit oder in der wöchentlichen Stundenarbeitszeit."

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