26.07.2011 | Personalszene

Studie: Welche Stolperfallen Frauen am Aufstieg hindern

Sie machen alles richtig. Dennoch führen die Karrierestrategien der Frauen sie nicht an die Spitze der Unternehmen. Vielmehr wird die moderne Arbeitswelt für sie zur "Falle", so das Ergebnis einer Studie von Soziologen der TU Berlin.

Die Forschungen der TU-Wissenschaftler brachten gleich mehrere Widersprüche zutage: Frauen sind sich der neuen Anforderungen in der wissensbasierten Arbeitswelt absolut bewusst. Selbstdarstellung hat für sie hohe Priorität. Sie wüssten, so Christiane Funken, Professorin für Kommunikations- und Mediensoziologie und Geschlechterforschung, dass sie nicht darauf warten könnten, entdeckt zu werden, und setzten die geforderten Kompetenzen – kommunikativ, kooperativ, konfliktlösungsorientiert und integrativ zu sein – ostentativ ein. Genau diese Strategie aber führe die Frauen geradewegs in eine Falle.

 

Alte Geschlechterklischees werden Frauen zum Verhängnis

Warum? "Indem sie immerzu zeigen, dass sie diese Soft Skills beherrschen, und sie tun dies, weil sie wissen, wie wichtig die Selbstdarstellung im Team ist, um sich für eine Karriere zu profilieren, werden sie zur Repräsentantin ihres Geschlechts. Sie werden von den Vorgesetzten nicht als Individuum, sondern nur noch als Frau wahrgenommen, weil diese Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen früher einmal als typisch Frau galten. Und das hat sich offensichtlich so tief ins Bewusstsein eingeschrieben, dass dies heute immer noch wirkt", so Funken. Das Fatale daran: Den Frauen werden automatisch alte Stereotype zugeschrieben – wie zum Beispiel, sie seien weniger produktiv und flexibel, weil sie sich um Kind und Familie kümmern müssen. Auch wenn dies seit langem wissenschaftlich widerlegt ist, fördert das die Aufstiegschancen nicht wirklich.

 

Frauen setzen zu sehr auf Kooperation

Das zweite Paradoxon, das die TU-Wissenschaftler aufdeckt haben, verbirgt sich in der Projektarbeit. In den Projekten wird in interdisziplinären Teams gearbeitet, deren Mitarbeiter rund um den Globus verteilt und deren soziale wie kulturelle Prägungen höchst unterschiedlich sind. Um ein Problem für das Unternehmen schnell und effizient zu lösen, ist Kooperationsfähigkeit sozusagen oberste Mitarbeiterpflicht. Die Fähigkeit, kooperieren zu können, kollidiert allerdings mit der Anforderung, im Team sichtbar zu werden, um sich für einen Karriereaufstieg zu empfehlen.

Hervorstechen könne nur derjenige, der sich von anderen absetze, erklärt Funken. Das funktioniere aber nicht, indem man kooperiere, sondern man müsse konkurrieren. "Frauen setzen stark auf Kooperation, Männer dagegen ganz selbstverständlich und primär auf Konkurrenz" und erklimmen die oberste Sprosse der Karriereleiter. Obwohl mindestens genauso viele Frauen wie Männer in Projekten arbeiten, seien fast alle Projektleiter Männer.

 

Projektlaufbahnen als "gläserne Decke"

Christiane Funken und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Stoll und Sinje Hörlin haben aber noch einen weiteren Stolperstein ausgemacht. Projektlaufbahnen, die sich in den Unternehmen als neues Aufstiegsmuster etablieren, führen nur bis ins mittlere Management. Möglicherweise richten Männer deshalb ihre Karrierestrategien auch weiterhin am klassischen Aufstieg in der Linienhierarchie aus, um nach ganz oben zu gelangen. Frauen täten dies seltener, sondern schlagen häufiger als Männer die Projektlaufbahnen ein und stoßen damit – so Funken – an eine neue "gläserne Decke".

Aktuell

Meistgelesen