02.11.2011 | Personalszene

Studie: Frauen fördern den Unternehmenserfolg

Frauen in Aufsichtsräten wirken sich positiv auf die finanziellen Ergebnisse von Aktiengesellschaften aus – zumindest bei den deutschen Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft oder jenen, die ihren Fokus auf Privatkunden legen. Das zeigt eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Göttingen.

Dass sich Frauen in Aufsichtsräten von börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften allgemein positiv auf die Performance des Unternehmens auswirken, lässt sich nach der Studie – statistisch signifikant – zwar nicht belegen. Nachweisen lässt sich dieser Effekt aber bei allen Unternehmen mit gewissen Voraussetzungen feststellen, nämlich bei Firmen, die ihre Produkte und Leistungen vorwiegend an private Kundinnen und Kunden (B2C-Geschäft) verkaufen und/oder bei Unternehmen, deren Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft ist hoch.

Das belegt die Untersuchung „Frauen in Führungspositionen – Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg“ des KIT und der Universität Göttingen. Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil in Aufsichtsräten von 160 börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften und der finanziellen Performance dieser Unternehmen. Der Studie liegen Daten der DAX-Familie (DAX, MDAX, SDAX, TecDAX) aus den Jahren 2002 bis 2010 zugrunde.

 

Hoher Frauenanteilzieht motivierte Mitarbeiterinnen an

Bei Unternehmen mit hohem Frauenanteil an der Belegschaft wirkt sich eine starke weibliche Vertretung im Aufsichtsrat positiv auf die Attraktivität als Arbeitgeber aus. Solche Unternehmen ziehen besonders motivierte, leistungs- und aufstiegsorientierte Mitarbeiterinnen an.

Bei Firmen, deren Fokus auf dem Privatkundengeschäft liegt, gelinge die Kommunikation mit einem diversen Kundensegment – zu dem also Männer und Frauen gehören – am besten mit einem Führungsteam, in dem beide Geschlechter vertreten sind. Professor Hagen Lindstädt spricht sich daher für Vielfalt in den Führungsetagen aus: „Je diverser ein Führungsgremium besetzt ist, umso besser sind die Entscheidungen, die getroffen werden. Auf den richtigen Mix kommt es an.“

 

Frauen in Führungspositionen verbinden Beruf und Familie

Zudem zeigt die Untersuchung, dass das häufig vorherrschende Bild von kinderlosen Frauen in Führungspositionen nicht zutrifft. Wie die Untersuchung der Lebensläufe weiblicher Führungskräfte ergab, sind 70 Prozent der Frauen in deutschen Aufsichtsräten verheiratet, 60 Prozent haben mindestens ein Kind. In den Vorständen sind sogar 91 Prozent verheiratet und 70 Prozent haben ein oder mehrere Kinder.

Die beschriebenen positiven Effekte für den Unternehmenserfolg sind sowohl für die Präsenz wie auch für den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten nachweisbar. Die Studie zeigt jedoch auch, dass sich der Status quo von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten noch nicht entscheidend verbessert hat: So stieg der Anteil der weiblichen Aufsichtsratsmitglieder im Prime Standard der Deutschen Börse von 8,8 Prozent im Jahr 2009 auf 9,1 Prozent im Jahr 2010. Der Anteil an Unternehmen mit weiblichen Aufsichtsräten nahm von 35,4 Prozent 2009 auf 35,9 Prozent 2010 zu.

Nur 7,6 Prozent der Unternehmen haben Frauen im Vorstand. Ende 2010 waren gerade einmal 2,8 Prozent der Vorstandspositionen von Frauen besetzt. 2009 hatte der Anteil 2,5 Prozent betragen.

Die Autoren der Studie halten geeignete Impulse für eine nachhaltige Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen für sinnvoll. Was gesetzliche Regelungen betrifft, plädieren sie dafür, Besonderheiten von Unternehmen und Unterschiede zwischen ihnen zu berücksichtigen.

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