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| Digitaler Arbeitsschutz

Slow-Media-Kompetenzen für den digitalen Wandel

Sabria David, Medienforscherin, auf der BAD-Expertentagung
Bild: Haufe Online Redaktion

Mehr Reflektion und weniger Reflex - Unternehmen und Mitarbeiter müssen lernen, den digitalen Wandel zur Steigerung von Gesundheit und Produktivität zu nutzen. Das forderte Medienforscherin Sabria David auf der BAD-Expertentagung.  

Die neue Arbeitswelt bringt Entgrenzung von Ort, Raum und Zeit – doch wo bleibt der Mensch?  Unter dieser Fragestellung lud die BAD GmbH als einer der führenden Dienstleister für Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsvorsorge zur Expertentagung im Europapark Rust ein.

Ständig „An“ statt „Aus“ erfordert neuen Umgang

Die Antwort darauf lieferte Sabria David, Leiterin und Mitgründerin des Slow Media Instituts: „Es gibt nichts Großartigeres und Spannenderes, als den digitalen Wandel“, erklärte sie auf dem Kongress am 1.Dezember. Doch aus Gründen des digitalen Arbeitsschutzes benötige man den Ausbau bestimmter Kompetenzen bei Mitarbeitern und Führungskräften, damit die moderne Technik tatsächlich produktiv und gesundheitsförderlich genutzt werden könne.  Denn der Grundzustand der Technik habe  sich in den letzten dreißig Jahren von „Aus“ auf „An“ verändert. Dementsprechend sei Aufgabe des Nutzers nicht mehr, die Technik einzuschalten oder für deren Betrieb zu sorgen, sondern vielmehr die so ständig verfügbaren Daten zu filtern, zu fokussieren oder auszublenden.

Reflektierte Nutzung der Technologie statt bloßer Reflexe

Ausgangspunkt von Davids Konzept der „Slow Media“ ist die Überlegung, dass die Entwicklung einer Kultur zum Umgang mit disruptiver Technologie und digitaler Transformation der Geschwindigkeit des digitalen Wandels hinterher hinkt. Deshalb, so die Medienforscherin, müsse die notwendige Fortschrittskompetenz, die den konstruktiven Umgang mit dem digitalen Fortschritt erst möglich mache, von Mitarbeitern und Führungskräften erst noch erlernt werden. Nur so könne der Wechsel von einer reflexhaften zu einer reflektierten Nutzung der modernen Technologien gelingen.

Wie  politisch, kulturell und gesellschaftlich angemessene Reaktionen auf die Medienrevolution entwickelt werden können, hat Sabria David mit dem Soziologen Bernd Köhler und dem Marktforscher Jörg Blumtritt im „Slow Media Manifest“ festgehalten.  

Slow-Media-Manifest 

Als notwendige Schritte für mehr digitale Kompetenz von Arbeitnehmern und Führungskräften nennt sie auf der Expertentagung das Erlernen der Folgenden Fähigkeiten im Umgang mit der Digitalisierung:

Bremsen können

Ein guter Filter sein

Kettenreaktion der Technik unterbrechen

Sich vom ständigen Informationsfluss  trennen können

Verpassen lernen

Verantwortung übernehmen

Sich (medial) entziehen können und dürfen

Führungskräfte haben Vorbildfunktion

Prof. Dr. Bernd Siegemund, Vorsitzender  der Geschäftsführung der BAD, unterstützt diesen Ansatz: „Um Belastungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch eine permanente Verfügbarkeit vorzubeugen, muss der eigenverantwortliche Umgang mit den technischen Kommunikationsmitteln vielfach erst gelernt werden“, erklärt er. Führungskräfte nähmen dabei, so Siegemund, durch ihre Vorbildfunktion eine zentrale Rolle ein und müssten durch ihr eigenes Verhalten dazu beitragen, dass der Umgang mit technischen Kommunikationsmitteln angemessen sein und nicht krank mache.

  

Haufe Online Redaktion

Digitalisierung, Betriebliches Gesundheitsmanagement

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