14.06.2011 | Personalszene

Sex und Arbeit (Teil 5): Business-Knigge

Laut einer Studie des Familienministeriums hat sich jede zweite Frau in Deutschland bereits sexuell belästigt gefühlt. Um es gar nicht erst zu unangenehmen Situationen kommen zu lassen, sollten gerade bei der Arbeit bestimmte Umgangsformen eingehalten werden. Welche dies sind, erklärt Knigge-Expertin Christina Tabernig im Interview.

Haufe Online-Redaktion: Welchen allgemeinen Ratschlag können Sie unseren Lesern geben, um eine sexuelle Belästigung zu unterbinden?

Christina Tabernig: Grundsätzlich ist ein respektvoller Umgang im geschäftlichen Miteinander gefragt. Jedoch um Missverständnissen vorzubeugen: Türen aufhalten, in den Mantel helfen oder schwere Akten abnehmen, sind keineswegs mit einer Annäherung zu verwechseln, sondern freundliche Umgangsformen. Jedoch kann dies bereits der falsche Umgangston wieder ändern.

 

Haufe Online-Redaktion: Was meinen Sie damit konkret?

Tabernig: Das fängt bei Zweideutigkeiten an. Darauf sollte man auf jeden Fall verzichten. Tabu sind auch sexistische Sprüche oder Herrenwitze in Anwesenheit von Frauen. Auch ein zu langer Augenkontakt kann auf Dauer unangenehm sein und als sexuelle Belästigung empfunden werden. Unangebracht sind vor allem stierende Blicke auf den Hintern oder den Ausschnitt der Frau.

 

Haufe Online-Redaktion: Apropos Ausschnitt…

Tabernig: Ja, Frauen sollten es vermeiden, sich zu erotisch und aufreizend zu kleiden. Dazu gehören Oberteile mit tiefen Dekolletés ebenso wie zu kurze Röcke, die höchstens eine Handbreit über dem Knie enden, transparente Blusen, schulter- und bauchfreie Kleidung oder sichtbare Unterwäsche. Grundsätzlich sollte man auf Seriosität achten.

 

Haufe Online-Redaktion: Gibt es einen bestimmten Mindestabstand, den man zur anderen Person wahren muss?

Tabernig: Ja. In der Regel beträgt der eine Armlänge. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Wahrung der Distanzzone. Besonders Männern gebe ich den Tipp, ein Gefühl für den richtigen Abstand bei Damen zu entwickeln, wenn Sie die Treppe hoch gehen. So vermeidet man es, dass dies bei der Frau unangenehme Gefühle auslöst. Generell sollte man immer vorher fragen, wenn man sich von hinten nähern möchte, zum Beispiel am Schreibtisch, wenn Sie auf dem Bildschirm etwas zeigen möchten.

 

Haufe Online-Redaktion: Ungefragt jemand zu berühren, ist also ein absolutes „No-go“.

Tabernig: Richtig. Fassen Sie, unabhängig ob Mann oder Frau, Kollegen nicht am Unterarm an und legen Sie auch nicht Ihre Hand auf die Schulter des anderen. Entfernen Sie auch nicht ungefragt Fussel oder Haare beim Kollegen, egal wie gut Ihre Absicht dabei auch ist.

 

Das Interview führte Nicole Schrehardt

 

Christina Tabernig

leitet zusammen mit Anke Quittschau die Imageberatung „Korrekt“, die sich auf Business-Knigge-Seminare spezialisiert hat.

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