| Recruiter Slam 2015

Recruiter kämpfen beim Slam um die Ehre

Beim Recruiter Slam in Stuttgart sind acht Kandidaten angetreten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Es gehört Mut dazu, einen mitreißenden Vortrag über das Leben als Recruiter zu halten und sich dann von knapp 300 Zuschauern live bewerten zu lassen. Beim ersten Recuiter Slam haben das sieben Männer und eine Frau gewagt. Das Publikum war gnädig und kürte einen poetischen Gewinner.

Kampfgeist ist Recruitern nicht fremd. Schließlich kämpfen sie mit den konkurrierenden Unternehmen um die besten Mitarbeiter. Beim Recruiter Slam, der am 9. April stattfand, konnten acht Recruiter ihren Kampfgeist unter Beweis stellen – wenn auch auf eine für alle neue Art und Weise: In maximal zehnminütigen Vorträgen erzählten die Recruiter auf der Bühne von ihrem persönlichen Recruiting-Alltag oder vom Recruiting der Zukunft – wortgewandt, emotional und kompetent sowie teils mit technischer Video- und Audio-Unterstützung per Powerpoint.

Bewerber per Slam vom Unternehmen überzeugen

Das Ziel und die Grundregel: Bewerber sollen einen unterhaltsamen Einblick ins Unternehmen erhalten, ohne dass tatsächliche Werbung für das Unternehmen auf der Bühne stattfindet. Als "schnell, ehrlich und live Recruiting" bezeichneten die Initiatoren, Tobias Meinhold und Michael Witt, das Event.

Sie schafften es, knapp 300 Zuschauer in die Stuttgarter Phönixhalle zu holen. Allerdings war nur ein Bruchteil unter ihnen potenzieller Bewerber. Die meisten waren selbst Recruiter aus Unternehmen der Region, die ihre Kollegen unterstützten. Die Recruiting-Community feierte sich am Abend also selbst – unterhaltsam und mit durchaus kritischen Worten.

Gewinner des Recruiter Slam 2015: Henrik Zaborowski

Am besten gelang dies Henrik Zaborowski, der sich und sein Unternehmen für Recruiting-Coaching mit einer gereimten Botschaft darstellte. Sowohl Reim als auch Inhalte überzeugten das Publikum und die Fachjury aus drei Profis des Poetry Slam, sodass er auch am Ende als Gesamtsieger gekürt wurde. Zaborowski prangerte die Recruiter an, die sich als Superhelden für ihre blendenden Werbebotschaften feiern. Stattdessen sollten Recruiter weniger den Lebenslauf der Kandidaten überinterpretieren und mehr auf den Menschen achten. Er warnte: "Mach ich als Recruiter ein schlechtes Ding, ersetzt mich bald ein Inder – oder Tinder."

Bewerbung der Zukunft: Per Tinder?

Die Dating-App Tinder war in weiteren Beiträgen Thema – so zog Jubin Honarfar vom Veranstaltungssponsor Whatchado in seinem außer Konkurrenz laufenden Beitrag die Parallele zwischen dem "gepimpten" Profil auf der Dating-Plattform und dem übertrieben dargestellten Lebenslauf. Seine Botschaft im sogenannten Opferbeitrag, der als erster des Abends das Publikum anheizen soll: So lange Unternehmen mit hochpolierten Versprechen werben, die sie nicht erfüllen, werden auch Bewerber ihre Fähigkeiten übertrieben vermarkten.  

Robindro Ullah von Voith sorgte mit seinem Vortrag ebenso für viel Applaus. Er führte Gedanken und Einstellungen der Bewerber von 2042 vor: "Es ist lästig Unternehmen nach Unterlagen zu fragen, die sie vergessen haben einzureichen." In 20 Jahren sei jede Woche Recruiting-Slam – schließlich müssten Bewerber die Recruiter und deren Unternehmen gut überprüfen können.

Bewerber sollen  2016 stärker in den Fokus rücken

Die meisten Beiträge beim Recruiter Slam drehten sich also um die eigene Arbeit und die Herausforderungen der Zukunft sowie heutige Schwächen in der Personalbeschaffung. Allein Bernd Schmitz, der als Recruiter bei Bayer den "geilsten Job weltweit" hat, und Ute Neher von der Telekom wendeten sich stärker an die Bewerber, die sie von ihrem Unternehmen überzeugen wollten.

Eine nächste Slam-Runde wird es laut den Initiatoren im kommenden Jahr wohl geben. Dann sollen noch stärker die Bewerber zum Zuhören mobilisiert werden.

Haufe Online Redaktion

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