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| Personalberatung nach dem Spielerberater-Modell

"Ich investiere Zeit in Menschen"

Torsten Bittlingmaier ist selbstständiger Talententwickler. Er hat "Talent Managers – Advancing Careers" in Darmstadt gegründet.
Bild: Haufe Akademie

Torsten Bittlingmeier hat langjährige Erfahrung als Personalmanager in großen Unternehmen sowie als Geschäftsführer der Haufe Akademie Inhouse. Jetzt macht er sich als Talententwickler selbstständig. Sein Geschäftsmodell hat er sich bei den Spielerberatern im Profifußball abgeschaut.

Haufe Online-Redaktion: Sie hatten mit wachsender Verantwortung in der Personal- und Organisationsentwicklung Angestelltenstationen bei ABB, Linde, MAN, Software AG, Telekom und Haufe erklommen. Hat die Midlife-Crisis Sie mit 51 Jahren in die Selbstständigkeit getrieben?

Torsten Bittlingmaier: Ganz und gar nicht. Ich kann mir jetzt den Luxus leisten, genau an den Themen zu arbeiten, die mir Freude machen, bei denen ich Sinn stiften kann und wo ich genau deshalb gut bin.

Haufe Online-Redaktion: Der Firmenname "Talent Managers" klingt nach klassischer Karriereberatung. Wollen Sie den Sinn bei einzelnen stiften statt in Organisationen?

Bittlingmaier: Mein Modell ähnelt dem eines Spielerberaters beim Fußball. Ich investiere Zeit in Menschen und möchte Talente langfristig begleiten. Deshalb wird ein Interessent für einen niedrigen jährlichen Betrag Mitglied bei Talent Managers und kann sich dann kontinuierlich oder in Abständen, also, wenn er sich verändern möchte, mit mir beraten. Unternehmen, die meine Erfahrung als Organisationsberater für die Nachfolgeplanung und Talententwicklung abrufen möchten, werde ich parallel weiterhin beraten – auch weiter unter der Haufe-Flagge. Aber im Zentrum stehen der Beschäftigte und das Netzwerken zwischen Talenten und Personalmanagern.

Haufe Online-Redaktion: Dem Spielerberater im Profifußball geht es darum, die flinken und geschickten Beine seiner Kunden möglichst teuer zu verkaufen. Die Manager profitieren vom finanziellen Erfolg der Spieler.

Bittlingmaier: Der Jahresbeitrag ist eine Flatrate für die Beratung. Dazu gehört bei Berufsstartern die Überarbeitung des Lebenslaufs für das Xing-Profil oder eine Begleitung der ersten 100 Tage beim Jobeinstieg. Der Fokus liegt auf dem Erkennen und der Entwicklung des Talents. Bei Führungskräften oder gestandenen Experten werden Jobangebote eruiert oder Kontakte zu Headhuntern hergestellt. Die Talentbegleitung geschieht sehr individuell. Auch die Erfolgsbeteiligung bei einem erfolgreichen Wechsel wird individuell vereinbart.

Haufe Online-Redaktion: Was unterscheidet Ihr Konzept von dem der Personalberatungen? Dort kann ich mich als Wechselwilliger in Datenbanken aufnehmen lassen – sogar kostenfrei.

Bittlingmaier: Ich verstehe mich als Ergänzung zu Personalberatern und setze auf kontinuierliche Begleitung. Außerdem sind die Talente meine Auftraggeber und stehen im Zentrum, nicht die personalsuchenden Unternehmen. Es gibt eine zweite Abgrenzung, nämlich die zum Coach und Psychotherapeuten. Wenn die Gespräche über das Netzwerk und die Jobideen hinausgehen, wenn es um persönliche Schwierigkeiten geht, dann empfehle ich Kollegen, die in diesen Themen zu Hause sind.

Haufe Online-Redaktion: Das klingt nicht allzu sehr nach harten Bandagen im Konkurrenzkampf?

Bittlingmaier: Kampf soll es auch nicht sein. Es geht eher um Kooperation mit Fachleuten rund um Personalthemen in der Arbeitswelt. Ich kann mit meiner langen Erfahrung zum einen im operativen Personalmanagement und zum anderen in der Nachwuchsentwicklung und Weiterbildung strategisches und praktisches Talentmanagement anbieten, das Einsteigern und Berufstätigen hilft, ihren Weg zu finden und ihn auch zu gehen. Da kommen dann wieder meine Netzwerke zum Zuge.

Haufe Online-Redaktion: Wer will denn überhaupt wechseln?

Bittlingmaier: Der Arbeitsmarkt dreht sich gerade. Berufstätige, die offen für Veränderung sind und einen Sparingspartner zum Ausloten ihrer Möglichkeiten suchen, sind in meinem Mitgliedernetzwerk gut verankert. Die Branche wechseln, Karriere machen, die digitale Arbeitswelt betreten: Wer Ideen ventilieren will, braucht einen Gesprächspartner, der Kontakte in Firmen hat, aber auch sagen kann, was an Know-how noch fehlt, um in neue Gefilde zu steuern.

Haufe Online-Redaktion: Können Sie schon Beispiele nennen?

Bittlingmaier: Bisher haben sich rund 25 Prozent der Mitglieder beruflich verändert. Zum Beispiel ein Klient, der nach einer langen erfolgreichen Phase aus Asien zurückkam und sich hier etablieren wollte. Da wurden die Metamaschinen für die Jobsuche angeworfen, die Bewerbungsunterlagen maßgeschneidert und vor allem konnte ich Kontakte innerhalb meines Netzwerks knüpfen, das einer nach so langer Abwesenheit nicht hat.

Das Interview führte Ruth Lemmer.


Autor


ist freie Journalistin in Düsseldorf.

Personalberater, Talent Management, Personalentwicklung

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