18.07.2011 | Personalszene

Öfter abschalten: Ständige Erreichbarkeit kann zum Burnout führen

Arbeitnehmer tun sich und ihrem Unternehmen keinen Gefallen, wenn sie ständig für den Chef und die Kollegen erreichbar bleiben. Selbst im Urlaub fällt es den Deutschen einer aktuellen Studie zufolge schwer abzuschalten. Ein Trend, der auf Dauer ungeahnte Folgen haben kann.

Die ständige Erreichbarkeit kann zulasten der Gesundheit gehen, sagt die Arbeitsmedizinerin Ulrike Roth vom Tüv Rheinland. Das Diensthandy in der Freizeit immer anzulassen, sei oft falsch verstandenes Pflichtbewusstsein. Wer nicht gerade eine Führungsposition innehat, sollte vor allem im Urlaub das Telefon ausschalten. Im Büro sei währenddessen ohnehin eine Vertretung für die wichtigsten Anrufe und Emails zuständig. Alles Übrige dürfe ruhig liegenbleiben.

 

Folgen ständiger Erreichbarkeit

Beschäftigten in Führungspositionen bleibe manchmal zwar nichts anderes übrig, als auch nach Feierabend oder im Urlaub per Telefon oder E-Mail erreichbar zu bleiben. Übertreiben dürften sie es damit aber nicht, warnte Roth. "Es kommt irgendwann zu einer psychischen Erschöpfung, von der man sich nicht so einfach wieder erholt. Der Endpunkt einer solchen Situation kann ein Burnout sein."

 

Dienstliche Anrufe im Urlaub sind keine Seltenheit

Dass der Chef in den Ferien bei Mitarbeitern anruft, ist keine Seltenheit: Für 41 Prozent der Berufstätigen in Deutschland ab 16 Jahren ist es üblich, dass sich Vorgesetzte oder Kollegen im Urlaub mit dienstlichen Fragen oder Bitten melden. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes You Gov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa.

 

Warum Freiräume wichtig sind

Sogar während der Arbeitszeit sei permanente Erreichbarkeit problematisch, so Ulrike Roth. "Auch eine Führungskraft muss sich manchmal Freiräume organisieren. Und wenn es nur ein Schild mit 'Bitte zwei Stunden nicht stören' an der Tür ist." Wenn ständig E-Mails auf dem Bildschirm aufblinken, das Telefon klingelt oder jemand an der Tür klopft, steige die Fehlerquote. Daher empfiehlt die Expertin, nur zweimal am Tag die dienstlichen E-Mails zu checken. "Wer erwartet, dass eine Mail innerhalb von zwei Stunden beantwortet ist? Wer etwas wirklich Wichtiges von mir will, ruft ja wohl an."

Ständige Erreichbarkeit kann auch unhöflich sein: "Es sollte selbstverständlich sein, während eines Meetings das Handy auszuschalten. Dafür gibt es eine Mailbox", erläutert Roth. Das Klingeln störe den Verlauf des Gesprächs und zögere Ergebnisse nur heraus.

Aktuell

Meistgelesen