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| Inklusion

Mitarbeiter mit Handicap: nach wie vor unter gesetzlicher Quote beschäftigt

Das Inklusionsbarometer der Aktion Mensch gibt Aufschluss über den Status Quo der Beschäftigung von Menschen mit Handicap.
Bild: Aktion Mensch

Diese Woche findet die Aktionswoche für Menschen mit Behinderung der BA statt. Zum Start hat heute die Aktion Mensch ihr Inklusionsbarometer 2015 veröffentlicht. Demnach beschäftigen deutsche Firmen mehr Mitarbeiter mit Handicap denn je – doch die gesetzliche Beschäftigungsquote bleibt weiter unerreicht.

So hat zwar die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung im Vergleich zum Vorjahr leicht zugelegt: Aktuell haben 4,67 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ein Handicap, während es im Vorjahr nur 4,64 waren. Dies bedeutet zwar einen Rekord: Denn so viele Menschen mit Handicap wie in diesem Jahr waren noch nie in deutschen Unternehmen beschäftigt. Der leichte Zuwachs reicht jedoch nicht, um an die gesetzliche Vorgabe von fünf Prozent heranzureichen, die für Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern gilt.

Weitere 138.000 Menschen sind in Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern beschäftigt, so ein weiteres Ergebnis des diesjährigen Inklusionsbarometers. Die zugrundeliegende Befragung wurde zum dritten Mal von der Förderorganisation Aktion Mensch, die sich unter anderem für Menschen mit Behinderung einsetzt, in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Research Institute (HRI) durchgeführt.

Die Studienautoren befragten dafür Vertreter aus 500 mittelständischen Unternehmen und 802 Mitarbeiter mit Behinderung befragt. Zudem sind Zahlen aus verschiedenen Quellen, unter anderem der Bundesagentur für Arbeit, in die Bewertung eingeflossen.

Bewerber suchen drei Monate länger als nichtbehinderte

Das Inklusionsbarometer offenbart weiterhin Mankos bei der Beschäftigung von Mitarbeitern mit Behinderung, die schon vor deren Einstellung beginnen: So suchen Bewerber mit Behinderung im Durchschnitt gut drei Monate länger (96 Tage) nach einer neuen Beschäftigung als ihre Konkurrenten ohne Handicap. Die Suchzeit ist im Vergleich zum Vorjahr (95 Tage) sogar noch etwas länger geworden,

Zudem ist ihre Arbeitslosenquote mit 13,9 Prozent immer noch doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe ohne Behinderung – auch wenn die Quote im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken ist.

Die Zahl der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung ist hingegen sogar gestiegen – um rund 3.000 auf nun 181.110 Menschen.

Menschen mit geistiger Behinderung haben kaum eine Chance

Immer noch bleiben 36 Prozent aller Arbeitgeber unter der Einstellungsquote für Menschen mit Behinderung von fünf Prozent, im Vorjahr waren es 32 Prozent. Sie zahlen stattdessen die gesetzliche Ausgleichsabgabe. Als Gründe nennen sie räumliche Barrieren und die mangelnde Bekanntheit der staatlichen Förderung.

Während sich eigenen Angaben zufolge immerhin zwei Drittel (67 Prozent) der befragten Unternehmen auf Mitarbeiter mit körperlicher Behinderung einstellen, haben hingegen Menschen mit einer geistigen Behinderung kaum eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Verhalten positives Fazit – aber schlechte Zukunftsprognose

Obwohl, wie die Ergebnisse zeigen, bei der Inklusion offenkundig noch einige deutliche Mängel zu beheben sind, ziehen die Autoren der Studie ein verhalten positives Fazit. Denn im Gesamtergebnis erreicht das Inklusionsbarometer mit 101,2 erstmals einen Wert, der auf eine Verbesserung hinweist. Dieser Wert setzt sich zusammen aus Teilergebnissen zur Inklusionslage und zum Inklusionsklima.

"In vielen Teilbereichen sind Entwicklungen zu erkennen, die zu vorsichtigem Optimismus Anlass geben", sagt Profesoor Bert Rürup, Präsident des HRI. "Dennoch könnten Menschen mit Behinderung noch viel stärker vom Aufschwung am Arbeitsmarkt profitieren", relativiert Armin von Buttlar, Aktion Mensch-Vorstand.

Dass sich beim Thema "Inklusion" in den Unternehmen künftig etwas tut, bleibt zu hoffen. Die Umfrageergebnisse geben allerdings nur bedingt Grund dazu: Denn nur zehn Prozent der Befragten geben an, dass sie in den kommenden zwei Jahren weitere Mitarbeiter mit Behinderung in ihrer Firma einstellen wollen.

Dabei ziehen jene Firmenvertreter, die bereits Erfahrungen mit Mitarbeitern mit Handicap gemacht haben, ein überwiegend positives Fazit: Mehr als drei Viertel dieser Unternehmer (77 Prozent) sehen keine Leistungsunterschiede zwischen den Beschäftigten mit und ohne Behinderung.  

Über die Aktionswoche "Menschen mit Behinderung"

Mit der bundesweiten "Aktionswoche für Menschen mit Behinderung" will die Bundesagentur für Arbeit (BA) für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Handicap am Arbeitsmarkt werben. Dazu führen die BA, die Agenturen für Arbeit und Jobcenter vor Ort in der bundesweiten Aktionswoche vom 30. November bis 4. Dezember 2015 verschiedene Aktionen durch, um das Thema "Inklusion" stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken.

 

Tipp: Mehr zu den Hintergründen von Inklusion in Unternehmen sowie einige Beispiele aus der Praxis, wie Unternehmen behinderte Arbeitsnehmer in den Arbeitsalltag integrieren, lesen Sie im Beitrag "Mitarbeiter mit Handicap" in Ausgabe 12/2015 des Personalmagazins. Hier können Sie die Ausgabe als App herunterladen.

Mehr zum Inklusionsbarometer 2015 finden Sie unter www.aktion-mensch.de.

Weitere Daten zur Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Menschen finden Sie auch auf der Website der BA.

Haufe Online Redaktion

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