Inklusionspreis 2016: Das sind die Preisträger. Bild: zeichensetzen Medienagentur / Pletz

Beim Thema "Inklusion" gibt es in deutschen Unternehmen noch viel zu tun, bisher beschäftigen nur wenige Mitarbeiter mit Behinderung. Doch es gibt auch einige gute Beispiele. Vier Unternehmen sind für ihre Engagement für Mitarbeiter mit Handicap mit dem "Inklusionspreis 2016" ausgezeichnet worden.

Für den "Inklusionspreis 2016", der am 16. Februar zum fünften Mal vergeben wurde, hatten sich Unternehmen aller Größenordnungen beworben. Vier von ihnen konnten die Jury überzeugen: mit ihrem vorbildlichen unternehmerischen Handeln in der Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Handicap, aber auch in der Weiterbeschäftigung leistungsgewandelter Mitarbeiter – also von Mitarbeitern, die aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen ihre ursprüngliche Tätigkeit nicht mehr weiterführen können.

Verliehen wird der Preis vom Unternehmensforum, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Bundesagentur für Arbeit und der Charta der Vielfalt. Schirmherrin ist Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

Inklusion hat bislang starken Nachholbedarf

Initiativen wie diese tun Not: Denn bislang sind Mitarbeiter mit Handicap in deutschen Unternehmen noch deutlich unterrepräsentiert. Das jährliche Inklusionsbarometer der Aktion Mensch zeigt zwar einen langsamen Anstieg bei der Beschäftigung Behinderter. Dieser Anstieg kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in deutschen Unternehmen im Durchschnitt immer noch nicht die gesetzlich vorgeschrieben Beschäftigungsquote von fünf Prozent erreicht wird. Viele Unternehmen sind eher bereit, Strafen zu zahlen als sich ernsthaft um eine gelingende Integration zu bemühen.

Auch die Weiterbeschäftigung leistungsgewandelter Mitarbeiter bleibt die Ausnahme. Statt Alternativen zu finden, wie diese in weniger belastenden Jobs beschäftigt werden können, schicken die meisten Arbeitgeber sie lieber in Frührente. (Mehr zu den Beschäftigungsmöglichkeiten leistungsgewandelter und älterer Mitarbeiter lesen Sie in Ausgabe 05/2015 des Personalmagazins.)

Inklusionspreis 2016: Die Gewinner im Porträt 

Umso wichtiger ist es also, dass einzelne Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie sich Mitarbeiter mit Handicap und leistungsgewandelte Mitarbeiter erfolgreich in die Arbeitsabläufe integrieren lassen und wie sie ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.

"Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderungen als Potenzial für ihren Betrieb sehen, verbinden wirtschaftliches Handeln und soziale Verantwortung erfolgreich miteinander", lobte Laudatorin Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, die Gewinner bei der Preisverleihung.

Hier erfahren Sie, welche vier Unternehmen mit dem Inklusionspreis 2016 ausgezeichnet wurden und wie die Jury ihre Wahl begründet.

Kategorie "Konzern": Audi

In der Kategorie "Konzern" wurde der Automobilhersteller Audi ausgezeichnet: Das Unternehmen setzt einen besonderen Fokus auf die Weiterbeschäftigung von Menschen mit Leistungswandlung. Um Inklusion nachhaltig zu verankern, legt Audi Wert auf die Schulung von Führungskräften und die Förderung weicher Faktoren wie Wertschätzung und Kommunikation, was die Jury besonders würdigte.

Beim Autobauer Audi hob die Jury die beiden Aspekte Wertschätzung und Kommunikation im Umgang mit behinderten Mitarbeitern hervor. Bild: zeichensetzen Medienagentur / Kathrin Harms

Eine transparente Informationsstruktur und Inklusionsvereinbarungen runden die Strategie des Unternehmens ab, deren Erfolg durch eine wissenschaftliche Evaluation bestätigt wurde: Teams mit einem hohen Anteil an schwerbehinderten Menschen erzeugen mehr Ideen und sind damit auch wirtschaftlich erfolgreicher, so das Ergebnis. (Ein Interview mit Stefan Schütz, Personalleiter Montage bei Audi, zum Thema "Beschäftigung leistungsgewandelter Arbeitnehmer" lesen Sie in Ausgabe 05/2015 des Personalmagazins.)

Mehr über den Gewinner Audi sehen Sie hier in einem Video.

Kategorie "Großes Unternehmen": SRH Waldklinikum Gera

Beim Preisträger in der Kategorie "Großes Unternehmen" liegt die Beschäftigungsquote behinderter Mitarbeiter bei 8,4 Prozent. Das Klinikum mit mehr als 1.700 Beschäftigten hat eine demografiefeste Personalstrategien entwickelt, um Mitarbeiter mit gesundheitlichen Einschränkungen langfristig weiterbeschäftigen zu können.

Die Jury lobte die demografiefeste Personalstrategie des SRH Waldklinikums Gera. Bild: zeichensetzen Medienagentur / Kathrin Harms

Ein Frühwarnsystem und präventive Gesundheitsangebote halten die Fluktuation und das Risiko gesundheitsbedingter Erwerbsunfähigkeit bei Pflegekräften gering. Zudem hat das Waldklinikum auf Outsourcing verzichtet, um Mitarbeiter mit geistiger oder körperlicher Behinderung eine langfristige Beschäftigung zu ermöglichen.  

Mehr über den Gewinner SRH Waldklinikum Gera sehen Sie hier in einem Video.

Kategorie "Kleines Unternehmen": Bohrma Maschinenbau

Der Bohrsystemehersteller aus Fulda ist Gewinner in der Kategorie "Kleines Unternehmen": Mit Unterstützung des regionalen Netzwerkes Perspektiva beschäftigt es fünf Menschen mit Schwerbehinderung – was einer Beschäftigtenquote von 15,2 Prozent entspricht.

Das Team des Bohrsystemeherstellers Bohrma Maschinenbau setzt auf Inklusion im Netzwerk. Bild: zeichensetzen Medienagentur / Kathrin Harms

Eine intensive Einarbeitungsphase der Mitarbeiter mit Lernbehinderung und geistiger Behinderung sowie ihr fähigkeitenorientierter Einsatz fördern die Inklusion. Profitiert haben auch das Betriebsklima und die Motivation der Belegschaft – beides wichtige Bausteine für den wirtschaftlichen Erfolg, argumentiert die Jury.

Mehr über den Gewinner Bohrma sehen Sie hier in einem Video.

Kategorie "Nicht beschäftigungspflichtiges Unternehmen: Tischlerei Stilfabrik

In der Kategorie "Nicht beschäftigungspflichtiges Unternehmen" wurde die Tischlerei aus dem nordrhein-westfälischen Neuss ausgezeichnet. Auf der Suche nach einer Fachkraft, die bei monotonen Arbeitsschritten hochqualifizierte Leistung erbringen kann, wurde Inhaber Piet Hülsmann bei einem Tischlergesellen mit Asperger-Syndrom fündig.

In der Unternehmensphilosophie der Tischlerei Stilfabrik ist Inklusion fest verankert. Bild: zeichensetzen Medienagentur / Kathrin Harms

Die erfolgreiche Beschäftigung und die guten Erfahrungen haben dazu beigetragen, dass Inklusion heute fest in der Unternehmensphilosophie der Stilfabrik verankert ist – und dass der Betrieb heute zudem einem jungen Mann mit schwerer geistiger Behinderung einen passgenau abgestimmten Arbeitsplatz zur Verfügung stellt.

Mehr über den Gewinner Stilfabrik sehen Sie hier in einem Video.

Weitere Informationen zum Inklusionspreis finden Sie unter www.inklusionspreis.de.

Schlagworte zum Thema:  Inklusion, Behinderung

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