14.07.2011 | Personalszene

IAB: In Osteuropa kaum Interesse an Jobs in Deutschland

Der von Kritikern der neuen EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit befürchtete Ansturm osteuropäischer Arbeitskräfte nach Deutschland ist laut Arbeitsmarktforschern vorerst ausgeblieben. Im Mai hätten sich lediglich 10.000 Beschäftigte aus den acht EU-Beitrittsländern um eine Stelle in Deutschland bemüht.

Dies seien lediglich 4.500 mehr als vor einem Jahr, berichtete das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter Berufung auf Zahlen des Bundesamtes für Migration.

"Das sind sehr niedrige Zahlen. Es sieht derzeit nicht so aus, dass mit Menschen aus Osteuropa die Fachkräftelücke geschlossen werden kann", sagt IAB-Migrationsexperte Herbert Brücker. Sollte sich der Zustrom in den kommenden Monaten auf dem gleichen Niveau bewegen, rechnet Brücker allenfalls mit 80.000 bis 100.000 Zuwandern aus Osteuropa.

Wirtschaftsverbände hatten mit einem deutlich stärkeren Zustrom von Männern und Frauen aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakischen Republik, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn gerechnet.

 

Gründe für die geringe Zuwanderung osteuropäischer Fachkräfte

Ursache für den bislang verhaltenen Zuzug aus Osteuropa ist nach Einschätzung des IAB-Arbeitsmarktforschers Timo Baas die späte Öffnung Deutschlands für Fachkräfte aus den EU-Beitrittsländern im Osten. Großbritannien, Irland und Schweden hätten schon im Jahr 2004 Zuwanderung aus Osteuropa und dem Baltikum zugelassen.

Deutlich weniger überrascht zeigt sich Annette Becker, interkulturelle Beraterin bei der ICU Net AG, da sie ohnehin keinen großen Ansturm osteuropäischer Einwanderer erwartet hat. Denn viele Osteuropäer seien sehr heimatverbunden, erklärt sie im Interview mit der Haufe Online-Redaktion. Hinzukommt, dass diejenigen, die bereit wären, für den Job ins Ausland zu gehen, dies bereits getan hätten – gerade die hoch qualifizierten Kräfte. Um dennoch das Potenzial an Fachkräften nutzen zu können, sollten Unternehmen den High Potentials Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten bieten und ein gutes Gehalt, so die Beraterin.

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