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Fidelity-Studie: Arbeitnehmer verschenken Geld bei bAV

Deutsche Arbeitnehmer verschenken Geld bei der betrieblichen Altersvorsorge. Nur vier Prozent nutzen dieses Modell. Das macht eine aktuelle Studie der Fondsgesellschaft Fidelity International deutlich.

Bei den Deutschen herrscht Ratlosigkeit über den optimalen Altersvorsorge-Mix und die zu erwartende Rente. Die jahrelangen Diskussionen und Aufklärungsinitiativen sind an der Bevölkerung vorbeigegangen und haben nicht zu einer besseren Altersvorsorge geführt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Fondsgesellschaft Fidelity International. Die deutschen Erwerbstätigen wissen weder, wie hoch ihre Rente sein wird, noch kennen sie den seit Jahren empfohlenen Dreiklang der Altersvorsorge - gesetzlich, privat und betrieblich. Sie überschätzen die zu erwartende Rente deutlich und verschenken am meisten Geld bei der betrieblichen Altersvorsorge.

 

Nur wenige kennen das "Drei-Säulen-Modell"

Weit über die Hälfte der erwerbstätigen Deutschen (60 Prozent) hat im Zusammenhang mit der Altersvorsorge noch nie vom 3-Säulen-Modell gehört. 70 Prozent der Befragten, die angaben die drei Säulen der Altersvorsorge - gesetzlich, privat und betrieblich - zu kennen, können diese nicht korrekt unterscheiden. Sie sind daher auch nicht in der Lage, diese bestmöglich zu nutzen. "12 Prozent halten die Riester-Rente für die zweite, 7 Prozent sogar für die dritte Säule neben der gesetzlichen Rente. Auch Immobilien wurden hier genannt. Vielen Berufstätigen mangelt es bei der Altersvorsorge offenkundig noch immer an ausreichender Orientierung. Von einer optimalen Nutzung der Angebote sind sie daher weit entfernt", kommentiert Hans-Jürgen Hoffmann, Leiter des Psephos Instituts für Markt-, Politik- und Sozialforschung.

 

Nur vier Prozent nutzen betriebliche Altersversorgung

Dass die Deutschen ihre Altersvorsorge nicht optimal aus den Angeboten aller drei Säulen zusammensetzen, zeigen auch Zahlen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Danach stammen 88 Prozent der Gesamteinkünfte heutiger Rentner in Deutschland aus der gesetzlichen Rentenversicherung und 5 Prozent aus privater Vorsorge. Nur 4 Prozent gehen auf betriebliche Vorsorge zurück. Anders zum Beispiel in den Niederlanden: Dort ist der Dreiklang der Altersvorsorge schon deutlich besser umgesetzt. 58 Prozent der Gesamteinkünfte stammen aus gesetzlicher, 29 Prozent aus betrieblicher und 12 Prozent aus privater Vorsorge.

 

Rentenhöhe: Große Lücke zwischen Erwartung und Realität

Die Deutschen setzen aber nicht nur auf den falschen Altersvorsorge-Mix, sie überschätzen auch fundamental die Höhe ihrer künftigen Rente: Die Fidelity-Studie zeigt, dass 71 Prozent der Befragten nach eigener Auskunft nur ungefähre oder keine Vorstellungen über die voraussichtliche Höhe ihrer gesamten Altersbezüge haben. Vier von fünf Deutschen (81 Prozent) rechnen mit einer Rente in Höhe von 60 Prozent und mehr, über 40 Prozent erwarten sogar 80 bis 100 Prozent ihres Nettolohns. Tatsächlich erreichen die Deutschen bei Rentenbeginn im Schnitt lediglich 56 Prozent ihres letzten Einkommens vor dem Ruhestand. Das hat der Fidelity Real-Index (Renten- und Alterssicherungs-Index), eine statistische Erhebung zur Versorgungslage der Deutschen bei Rentenbeginn, bereits 2007 ergeben.

Bei der betrieblichen Altersvorsorge klaffen Realität und Wahrnehmung noch weiter auseinander: 74 Prozent derjenigen, die eine betriebliche Altersvorsorge haben, sagen, dass diese wichtiger Bestandteil ihrer Vorsorge-Planung sei. Dabei stammen bezogen auf alle Erwerbstätigen gerade einmal 4 Prozent des Gesamteinkommens der Rentner aus der betrieblichen Vorsorge.

 

Anteil der betrieblichen Altersvorsorge versiebenfachen

"Die betriebliche Altersvorsorge ist eine hocheffiziente Form des Vorsorgesparens, weil Anleger ermutigt werden, regelmäßig einzuzahlen, bei Marktschwankungen investiert zu bleiben und ihre Beiträge zu erhöhen, wenn der Spielraum besteht. Zudem profitieren Anleger davon, dass ihr Arbeitgeber Vorsorgeprodukte günstiger einkaufen und damit höhere Renditechancen gewährleisten kann", erklärt Christian Wrede, Sprecher der Geschäftsführung von Fidelity International. Die betriebliche Altersvorsorge sollte daher ein deutlich höheres Gewicht in der Vorsorgeplanung jedes Einzelnen bekommen. "Statt 4 Prozent sollten eher 25 bis 30 Prozent der Gesamtrente aus der betrieblichen Altersvorsorge stammen - in den Niederlanden ist es heute schon ein Drittel." Dafür ist es aus Sicht von Fidelity nötig, die Anreize für die Entgeltumwandlung zu erhöhen. "Der kurzfristige Konsumverzicht muss sich für Arbeitnehmer stärker lohnen. Dafür brauchen sie vor allem betriebliche Vorsorgelösungen, die ausreichend hohe Renditen bieten. Die betriebliche Altersvorsorge darf das eingesetzte Kapital nicht nur erhalten, sie muss darüber hinaus angemessene Erträge sichern", lautet Wredes Plädoyer.

Die Ergebnisse der Studie stammen aus einer repräsentativen Befragung von 1.000 erwerbstätigen Personen zwischen 18 und 55 Jahren in Deutschland. Die Studie wurde vom Psephos Institut für Markt-, Politik- und Sozialforschung GmbH im Auftrag von Fidelity zwischen 2. März und 4. April 2011 durchgeführt.

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