03.08.2010 | Personalszene

Fachkräftemangel: Wer schließt die Lücke?

Arbeitslose statt Ausländer: Während Wirtschaftsminister Rainer Brüderle auf Zuwanderung setzt, fährt ihm die Arbeitsagentur in die Parade. Firmen sollten besser heimische Talente fördern und einstellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht keinen neuen Handlungsbedarf.

Angesichts des Aufschwungs klagen viele Betriebe über einen Fachkräftemangel. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle forderte deswegen mehr Zuwanderung. Brüderle hatte eine Art Begrüßungsgeld vorgeschlagen, um ausländische Experten nach Deutschland zu locken. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) begrüßte den Vorschlag, die Zuwanderung zu erleichtern. Aktuell fehlten knapp 36 000 Ingenieure. Deutschland müsse auch auf ausländische Experten zurückgreifen, um seine weltweite Führungsposition zu stärken.

 

Bundesagentur: Auf einheimische Talente setzen
Eine stärkere Zuwanderung von Ausländern ist nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) nicht die beste Antwort auf den dramatischen Fachkräftemangel. Staat und Wirtschaft sollten vor allem auf einheimische Bewerber setzen: „Wir können nicht zulassen, dass Menschen in Arbeitslosigkeit sind, nur weil ihre Talente nicht genutzt werden“, sagte BA-Chef Frank Jürgen Weise der «Financial Times Deutschland».

Frank Jürgen Weise sieht die Anwerbung von Fachkräften erst als zweiten Schritt. Zunächst seien die Unternehmen gefragt: «Wer qualifizierte Kräfte haben und halten will, muss etwas bieten. Das können die Unternehmen selbst gestalten, da braucht man nicht nach dem Gesetz zu rufen.»

Auch müsse die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden. Viele qualifizierte Frauen würden nicht arbeiten, weil sie keinen Kita-Platz für ihr Kind hätten. «Das Kinderbetreuungsangebot reicht nicht aus, und die Kommunen haben in der Krise keinen Spielraum», sagte Weise.

 

Kanzlerin lehnt Prämien ab

Die Bundesregierung erklärte, grundsätzlich würden die Regeln für die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte nicht überarbeitet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei dafür, dass bereits bestehende Initiativen weiterverfolgt würden. So muss Deutschland bis 2011 eine EU- Richtlinie für eine neue Bluecard umsetzen. Damit will die EU erreichen, dass ausländische Experten unkompliziert mehrere Jahre in Europa arbeiten können.Auch sollen künftig ausländische Berufs- und Hochschulabschlüsse europaweit anerkannt werden.

In Deutschland war erst Anfang 2009 ein neues Gesetz eingeführt werden, mit dem die Zuwanderung sinnvoller gesteuert werden soll.

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