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| Demografie Exzellenz Award 2015

Unternehmen mit vorbildlichen Demografie-Konzepten ausgezeichnet

Der diesjährige Demografie Exzellenz Award wurde am 16. November im Barockschloss Ludwigsburg verliehen.
Bild: BDU

Erstmals wurde der Demografie-Exzellenz-Award bundesweit ausgeschrieben. Leuchtturmprojekte der lebensphasenorientierten Personalpolitik wurden jetzt im altehrwürdigen Barockschloss in Ludwigsburg ausgezeichnet.

Der demografische Wandel ist als Megatrend von den meisten anerkannt, gleichwohl haben nur wenige Betriebe bislang konkrete Initiativen gestartet. Hat sich das Thema durch die Einwanderung von hunderttausenden von Flüchtlingen erledigt?

Marion von Wartenberg, die als DGB-Funktionärin den Demografie Award förderte und heute Staatssekretärin im baden-württembergischen Kultusministerium ist, bezeichnete in ihrem Grußwort die Flüchtlinge als große Chance, um die Überalterung der Bevölkerung abzumildern. "Der Altersdurchschnitt der Flüchtlinge, die in Baden-Württemberg ankommen, liegt bei 24 Jahren. 40 Prozent der Flüchtlinge sind Kinder und junge Erwachsene."

Die Integration dieser Menschen in Ausbildung, Bildungs- und Arbeitsmarkt werde eine große Kraftanstrengung, die viele Jahre in Anspruch nehmen werde. Eine Lösung des demografischen Problems sei das nicht. Die Betriebe seien weiterhin gefordert, sich auf den demografischen Wandel vorzubereiten.

Lamentierende Festrede mit Anklage an Manager

Der Festredner des Abends, der Fernsehjournalist Michael Opoczynski, war mit seiner Aufgabe überfordert. Der ehemalige Wiso-Moderator vermochte es nicht, die aktuellen Ereignisse substanziell in einen Festvortrag einzubauen, vielmehr lamentierte er über die Gerentrifizierung, also die Überalterung, der Gesellschaft und sah "am Horizont eine Arbeitswelt heraufziehen, die nicht zu uns passt".

Die Zunahme der Clickworker und der Solo-Selbstständigen sah er als prägend für die Entwicklung am Arbeitsmarkt und klagte die Manager an, die ihrer Verantwortung für die Schaffung von verlässlichen Arbeitsverhältnissen nicht gerecht würden.

Dass wir seit Jahren eine Zunahme an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen haben, die Betriebe über Fachkräftemangel klagen und die 200 anwesenden Personalmanager Gestalter von Zukunftsinitiativen waren – solche Fakten passten nicht in sein Weltbild. So waren es an diesem Abend die beiden Grußwort-Sprecher, Marion von Wartenberg und Werner Spec, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg, die die angemessene Festrede übernommen hatten.

Sieger Großunternehmen: Rewe

Höhepunkt des Abends waren die Preisverleihungen. Die Jury hatte in diesem Jahr bemerkenswerte Projekte ausgewählt. Sieger der Kategorie Großunternehmen ist der Handelskonzern Rewe mit seinem Projekt "Los! – Lebensphasenorientierte Selbsthilfekompetenz". Analog zum Konzept der Ersthelfer wurden bereits 120 Multiplikatoren qualifiziert, die für die Mitarbeiter Ansprechpartner sind, wenn diese Probleme mit der Lebensbewältigung, etwa mit Schulden, haben. Der Arbeitgeber verspricht sich von diesem freiwilligen Angebot, dass sich die Arbeitsleistung der Mitarbeiter verbessert, wenn diese von Problemen entlastet werden.

Der zweite Platz ging an die Sozial Holding der Stadt Mönchengladbach für das Projekt: "Netzwerk pflegend Beschäftigte", der dritte Platz an den Maschinenbauer Trumpf für das Projekt "Fit for Service".

Sieger mittlere Betriebe: Zentrale des Caritasverbands

Sieger der Kategorie "50 bis 500 Mitarbeiter" wurde die Zentrale des Caritasverbands in Freiburg, die mit ihrer seit drei Jahren laufenden Demografieinitiative zwei Zielrichtungen verfolgt: Auf der einen Seite werden für die Mitarbeiter lebensphasenorientierte Angebote der Arbeitszeitgestaltung gemacht, auf der anderen Seite wird das Dienstleistungsangebot bei der Versorgung von Älteren in vorbildlicher Weise weiterentwickelt, beispielsweise auf dem Land in Ostwestfalen.

Der zweite Platz ging an die Dr. Pfleger GmbH in Bamberg für das Projekt "Pfleger Pflege", der dritte Platz an die Volksbank Weinheim eG für das Projekt "Talentwerkstatt".

Sieger kleine Betriebe: Arbeitgeberverband Nordostchemie

Sieger der Kategorie Kleinbetriebe bis 50 Mitarbeiter wurde der Arbeitgeberverband Nordostchemie für das Projekt "Gestaltung Tarifvertrag". Dieser wegweisende Flächentarifvertrag regelt erstmals, dass die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit an eine bestimmte Lebensphase (Erziehungszeiten, Pflegezeiten, Alter) anpassen können. Über einen betrieblichen Fonds, in den 2,5 Prozent der Lohnsume eingezahlt wird, wird die Reduzierung der Arbeitszeiten finanziert.

Der zweite Platz ging an das Familienheim Schwarzwald-Baar-Heuberg für das Projekt: "Mikrolofts", der dritte Platz an das Unternehmer-Netzwerk Xundland in der Region Vils-Rott-Inn für das Projekt: "Gesundheitsregion Xundland".

Über den Preis

Der Demografie Exzellenz Award, der zuvor nur in Baden-Württemberg verliehen worden war, wurde in diesem Jahr erstmals bundesweit vergeben. Im Zuge der ersten bundesweiten Ausschreibung wurde im März dieses Jahres der Verein Demografie Exzellenz e.V. gegründet.

Zwischen 2009 und 2012 hatte ein Team aus Mitgliedern des Forum Baden-Württemberg im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU den Demografie Exzellenz Award organisiert. Seit 2013 kooperieren die Initiatoren des Preises mit dem Demographie Netzwerk DDN.

Weitere Informationen zum Demografie Exzellenz Award 2015 finden Sie unter www.demografie-exzellenz.de.

Auf dem Youtube-Kanal des BDU finden Sie Videos zu den Gewinnern des Demografie Exzellenz Awards: www.youtube.com.

Autor: Reiner Straub, Herausgeber Personalmagazin

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