08.04.2011 | Personalszene

BPM-Vorstand Sauer: „HR schwächelt in der Kundenorientierung“

Selbstkritische Töne bei der Podiumsdiskussion des Personalmagazins im Rahmen der Messe Personal Nord in Hamburg. Airbus-Arbeitsdirektor und BPM-Vorsitzender Joachim Sauer beklagte in der Diskussion über die Erkenntnisse der HR-Image-Studie 2011: „Wir verschwenden Ressourcen, sind konfliktscheu und zu wenig kundenorientiert.“

Auslöser für die deutlichen Worte des Airbus-Personalchefs und Vorsitzenden des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) Joachim Sauer war die Studie HR-Image 2011 von FH Koblenz und YouGovPsychonomics. Deren Haupterkenntnisse fassten die Autoren Professor Christoph Beck (FH Koblenz) und Dr. Frauke Bastians (YouGovPsychonomics) zu Beginn der Diskussion zusammen. Sie lauten: Die internen Kunden stellen dem Personalwesen in dieser repräsentativen Arbeitnehmerbefragung überwiegend schlechte Noten aus und urteilen gravierend negativer als die Personaler selbst. Dabei gilt, je größer der Arbeitgeber des befragten Arbeitnehmers, desto schlechter dessen Urteil über das Personalwesen. Und: Führungskräfte urteilen etwas positiver als Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung über das Personalwesen.

Insgesamt zeigt die Studie, dass Personaler mehr Augenmerk darauf richten müssen, dass

  • ihre Services auch den Kundenbedarf treffen,
  • ihre Botschaften die Belegschaft auch erreichen und
  • allen in der Organisation klar ist, wofür das Personalwesen steht.

Die Rolle des „Mitarbeiter-Coachs“ wird vernachlässigt

Besonderen Handlungsbedarf sieht Siegfried Baumeister, Personalleiter beim mittelständischen Autozulieferer Voss Automotive, dabei, die Rolle des „Employee Champion“ (Mitarbeiter-Coach) aufzuwerten: „Was in den USA vornehmste Pflicht von Personalabteilungen ist, wird bei uns weder verstanden noch gelebt: nämlich Ansprechpartner und Betreuer der gesamten Belegschaft zu sein. Das wird bei uns komplett den Betriebsräten und Gewerkschaften überlassen.“

Bekenntnis zu operativen Pflichtaufgaben

Auf den Kunden zu hören und nötigenfalls den eigenen Instrumentenkasten zu entrümpeln und damit anzureichern, was wirklich gebraucht wird, war daher schnell Konsens in der Runde. Sich klar zu den operativen Pflichtaufgaben zu bekennen, war allerdings ein weiterer Appell, den die Runde an ihr Publikum richtete. Denn im öffentlichen Diskurs dominierten zuletzt die so genannten „strategischen People-Themen“.

So mahnte Dr. Frauke Bastians: „Die besten Bewertungen erhalten die Personalabteilungen bei der zuverlässigen Erledigung von administrativen Aufgaben. Wenn dort aber der Wert bei 80 Prozent Zufriedenheit liegt, heißt das immer noch, dass jeder fünfte unzufrieden ist.“ Airbus-Personalchef Sauer sekundierte: „In diesen Prozessen gibt es noch viel Luft, besser zu werden. Da müssten viel stärker Prinzipien des Lean Managements und des Qualitätsmanagements Einzug halten. Oder man muss sich der Frage stellen, ob diese Prozesse bei externen Spezialisten vielleicht besser aufgehoben sind.“

Weitere Podiumsdiskussion in München

Eine weitere Podiumsdiskussion zu den Folgerungen aus der Studie HR-Image 2011 können Interessierte am Mittwoch, 13. April, im M,O,C München verfolgen: 14.45 bis 15.30 Uhr in Praxisforum 4.

Dort diskutieren unter dem Motto „Wie uns die anderen sehen“

  • Studienautor Prof. Dr. Christoph Beck (FH Koblenz)
  • Studienautorin Dr. Frauke Bastians (YouGovPsychonomics)
  • HR Director Sky Deutschland, Nobert Kireth

Aktuell

Meistgelesen