04.11.2010 | Personalszene

Aufsichtsräte wollen mehr Frauen in ihren Reihen

Die Mehrheit der deutschen Aufsichtsräte halten eine stärkere Besetzung von Frauen in Aufsichtsräten für positiv. Insbesondere mehr Erfahrung und höhere Professionalität wird erwartet. Rund 25 Prozent sehen keinen Nutzen in einer stärkeren Frauenvertretung in diesen Gremien.

Die von der Regierung eingesetzte Kommission zur guten Unternehmensführung macht sich in ihrem Corporate Governance Kodex für eine Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten stark.  Die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen begrüßen diese Forderung: 57 Prozent der Aufsichtsräte erwarten so ein erweitertes Erfahrungsspektrum im Gremium, 28 Prozent einen höheren Grad der Professionalisierung. 38 Prozent sehen in dem Trend eine Erfüllung regulatorischer Vorgaben und immerhin rund ein Fünftel erwartet keinen spürbaren Nutzen, wenn mehr Frauen in Aufsichtsräten vertreten sind.

Dies sind Ergebnisse einer Befragung von Aufsichtsräten im Rahmen der Kienbaum Kamingespräche 2010. Hierbei wurden insgesamt 179 Aufsichtsräte im Rahmen einer Fachuntersuchung befragt. 58 Unternehmensvertreter aus dem Aufsichtsrat haben teilgenommen, davon 69 Prozent börsennotierte und 59 Prozent DAX-indizierte.

 

Gesetzliche Regelung nicht notwendig 
Um den Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten zu erhöhen, sehen 50 Prozent keine Notwendigkeit für eine gesetzliche Vorgabe. 33 Prozent sprechen sich für eine freiwillige Selbstverpflichtung aus und lediglich fünf Prozent befürworten eine gesetzliche Frauenquote. 85 Prozent sprechen sich allerdings für die grundsätzliche Berücksichtigung mindestens einer Frau im Kontrollgremium aus. Immerhin 13 Prozent befürworten die zwingende Nachbesetzung vakanter Mandate mit einer Frau. Vier Prozent sprechen sich gar für die Abwahl bestehender männlicher Aufsichtsräte aus, um so eine Frauenquote umzusetzen.

 

Potenzial darf nicht verschenkt werden 
  „Die weitere Professionalisierung der Aufsichtsräte ist eine wichtige Zukunftsaufgabe in der deutschen Wirtschaft. Die stärkere Einbeziehung von Frauen ist dabei ein bedeutender Schritt. Bisher verschenken wir nicht nur in der Unternehmenskontrolle, sondern auch in der operativen Unternehmensführung das immense Potenzial weiblicher Führungskräfte. Der Corporate Governance Kodex gibt wie so oft den Takt vor, die demografische Entwicklung wird den Trend verstärken: Von der Kontrolle über die Unternehmensführung bis über alle Managementebenen wird die stärkere Berücksichtigung von Frauen zum Überlebensfaktor in einer globalisierten Wirtschaft. Nur Unternehmen, die über eine nachhaltige und langfristige strategische Personalplanung ihre personellen Ressourcen managen, werden in Zukunft erfolgreich sein“, sagt Jochen Kienbaum, Vorsitzender der Geschäftsführung der Personal- und Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International.

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