30.03.2010 | Personalszene

Aufsichtsbehörde rügt Bluttests bei Daimler

Nach Ansicht der Aufsichtbehörde für den Datenschutz in Baden-Württemberg dürfen Jobsuchende nur in Ausnahmefällen um Blutproben gebeten werden. Dem Automobilbauer Daimler wurde deshalb nun aufgegeben, seine Praxis der Gesundheitstests bei Einstellungsverfahren zu ändern. Daimler zieht eine gerichtliche Überprüfung dieser Rüge in Betracht.

Der Stuttgarter Autohersteller hatte Jobsuchenden schon während des Bewerbungsverfahrens Blut abnehmen lassen. Die Daten wurden elektronisch gespeichert. Nachdem diese Praxis bundesweit für Schlagzeilen und Kritik gesorgt hatte, verzichtete Daimler auf einen Teil der Tests. Danach wurden die Tests nur noch vorgenommen, wenn dies für den Arbeitsplatz zwingend notwendig war. Bewerbern für kaufmännische Stellen waren nicht mehr davon betroffen, Anwärter auf Jobs in der Produktion aber weiterhin.

 

Der Vorwurf vom Datenschutz

Nach Auffasung der Aufsichtsbehörde für den Datenschutz Baden-Württemberg verstößt Daimler mit diesen Gesundheitstests gegen den Datenschutz. Vor allem Blut- und Urinuntersuchungen dürften, so die Aufsichtbehörde, nur gemacht werden, um Beschäftigte vor gesundheitlichen Gefahren am Arbeitsplatz zu schützen.

Die Datenschützer hielten Daimler jedoch zugute, dass sich der Autobauer nicht vorsätzlich Daten erschleichen oder potenzielle Mitarbeiter täuschen wollte. Daimler habe die Tests über einen langen Zeitraum hinweg guten Gewissens und in der Überzeugung praktiziert, im Einklang mit dem geltenden Recht zu handeln, erklärte die Behörde in ihrem Abschlussbericht. Auch habe der Daimler-Konzern mit weltweit rund 256.400 Beschäftigten mit dem teilweisen Stopp der Tests bereits erste Schritte in die richtige Richtung beim Umgang mit Gesundheitsdaten von Bewerbern unternommen. Bei dem werkärztlichen Dienst habe aber offensichtlich das Bewusstsein gefehlt, dass bei den medizinischen Untersuchungen auch sensible personenbezogene Daten erhoben wurden.

 

Rechtliche Schritte angekündigt

Daimler reagierte kritisch auf den Bericht der Datenschützer und kündigte rechtliche Schritte an. Die von der Behörde geforderten Nachbesserungen werde der Autobauer im Detail prüfen, erklärte eine Sprecherin. "Wir halten es aber für sehr problematisch, dass die Behörde klar in die ärztlichen Befugnisse eingreift." Daher werde eine gerichtliche Überprüfung nicht ausgeschlossen.

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