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Arbeitslosenzahl sinkt - Fachkräftemangel droht

Die Arbeitslosenzahlen sinken, und das scheint auch so zu bleiben. Neben der Politik sehen nun auch Volkswirtschaftler Deutschland auf dem Weg zur Vollbeschäftigung. Das allerdings dürfte den Mangel an Spezialisten verschärfen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zeigte sich besorgt angesichts der neuen Arbeitsmarktzahlen. Die anhaltend gute Entwicklung verstärke das Problem fehlender Spezialisten, erklärte er. Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) äußerte sich ähnlich. Der Bedarf an qualifizierten und hoch qualifizierten Fachkräften sei in einigen Branchen so hoch, "dass er den Jobmotor dahinter zu bremsen droht". Dies sei aber noch kein Flächenphänomen.

 

Drei Branchen leiden schon jetzt unter Fachkräftemangel

Auf diese Feststellung legte auch der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, großen Wert: "Wir kommen zu der Beurteilung, dass es noch keinen flächendeckenden, branchenübergreifenden Fachkräftemangel gibt. Aber es zeigen sich Mangelsituationen in bestimmten Berufsgruppen und bestimmten Regionen." Dazu gehörten Ingenieure und andere Spezialisten in der Elektrobranche, Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure sowie Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich - also Ärzte und Pfleger.

 

Prognose: Weiter sinkende Arbeitslosenzahl

Die Entwicklung könnte sich verschärfen, denn ein Ende des Job-Booms ist trotz der aktuellen Abschwächung nicht in Sicht. "Wir gehen auf Basis der jetzigen Situation davon aus, dass wir absehbar - unter Beachtung aller Risiken, die es gibt - nicht mehr über drei Millionen Arbeitslose kommen", sagte Weise in Nürnberg. Erst mit der traditionellen Winterarbeitslosigkeit im Januar werde die Drei-Millionen-Grenze höchstwahrscheinlich wieder überschritten.

 

IZA: "Wenn wir weniger werden, müssen wir mehr schuften"

Hinzukommt, dass die Zahl erwerbsfähiger Menschen in den kommenden Jahren stark zurückgeht. Hilmar Schneider, Direktor für Arbeitsmarktpolitik vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) schlägt vor, die Arbeitszeit zu erhöhen. "Ab 2013 verlieren wir alle drei Jahre eine Million Menschen im erwerbsfähigen Alter", sagte Schneider dem Nachrichtenmagazin "Focus". Eine verstärkte Zuwanderung sowie die Rente mit 67 würden aber den Mangel an Arbeitskräften nicht auszugleichen. Deshalb müsse auch die Jahresarbeitszeit von aktuell 1419 Stunden pro Erwerbstätigem spürbar erhöht werden: "Im Schnitt müssen wir langfristig 300 Stunden im Jahr mehr arbeiten. Das ist gut eine Stunde mehr am Tag", rechnete der Bonner Experte vor.

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