Mobbing: Die richtige Gegen... / 4 Wer wird gemobbt?

Es gibt grundsätzlich niemanden, der nicht Opfer von Schikanen werden kann. Und es sind keinesfalls nur die schwächeren Persönlichkeiten, die "Versager" und die "Schwachen", wie man es manchmal hören und lesen kann, die vom Mobbing betroffen sind. Oft sind es eher die besseren und stärkeren Mitarbeiter, die von Mobbing betroffen sind. Oft sind es die, die von anderen beneidet werden.

Es gibt jedoch Persönlichkeiten, die eher vom Mobbing betroffen sind als andere. In jedem Betrieb gibt es je nach Anzahl der Mitarbeiter mindestens zwei, meist mehrere Gruppierungen von Mitarbeitern, die sich mögen, stärker zusammen halten und sich gegen andere Gruppierungen abgrenzen. Vom Mobbing betroffen sind oft Personen, die nicht ausgesprochen zu einer dieser Mitarbeitergruppen gehören. D. h., gemobbt wird häufiger jemand, der nicht von einer anerkannten Gruppe von Mitarbeitern geschützt wird.

Auch alle sozialen Außenseiter können leicht zu "Sündenböcken" und "Nestbeschmutzern" gemacht werden. Wer darüber hinaus noch "Angriffsfläche" durch besondere Persönlichkeitsmerkmale bietet, ist besonders gefährdet. Dies können Verhaltensweisen oder persönliche Merkmale sein, die entweder leicht ausgenutzt werden können oder die Neid und Eifersucht bei anderen Mitarbeitern erzeugen.

Folgende Personen sind grundsätzlich eher gefährdet:

  • Ältere Mitarbeiter
  • Frauen
  • Ausländische Mitarbeiter
  • Behinderte Mitarbeiter
  • Zugezogene aus anderen Regionen Deutschlands
  • "Außenseiter"
  • Alle, die nicht zum "festen Kern" der Belegschaft gehören
  • Neue Mitarbeiter
  • Mitarbeiter, die innerhalb des Betriebs beruflich aufgestiegen sind

Grundsätzlich eher gefährdet sind auch Personen mit auffälligen oder besonderen Persönlichkeitsmerkmalen. Dazu zählen beispielsweise:

  • Mitarbeiter, die im persönlichen Umgang nicht so schlagkräftig kontern können
  • Mitarbeiter, über die sich andere Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Gründen lustig machen
  • Mitarbeiter, die auf ihr "modisches Äußeres" etwas weniger Wert legen
  • Mitarbeiter, die ihren "eigenen Kopf" haben

Dazu zählen vor allem auch:

  • Mitarbeiter, die besonders ehrgeizig sind
  • Mitarbeiter, die sich besonders mit ihrer Arbeit identifizieren
  • Mitarbeiter, die besser ausgebildet sind
  • Mitarbeiter, die schneller und besser als andere sind
  • und dazu gehören auch – aus unterschiedlichen Gründen – Zwillinge.
 

Praxis-Beispiel

Unbemerkt zum Opfer werden

Die neue Mitarbeiterin Frau M. sitzt noch immer an ihrem Computer, als die anderen Mitarbeiter schon den ersten Umtrunk hinter sich haben, zu dem der Betriebsleiter anlässlich seines Geburtstags informell eingeladen hatte. Es ist eine ausgelassene Stimmung. Ein Mitarbeiter spricht laut und abfällig über die modernen Politikerinnen, von denen wohl "viele kein Geld mehr für den Friseur" haben, dabei schaut er auffällig und anspielend auf die Bürotür der neuen Mitarbeiterin Frau M. Alle, die das hören, brechen in lautes Gelächter aus. Als Frau M. in den Raum der Feierlichkeiten kommt, ist das Lachen abrupt beendet und sie wird formal sehr freundlich begrüßt.

Was ist passiert? Der Kollege hat sich nicht nur über die neue Mitarbeiterin abfällig lustig gemacht, er hat mit seinen Zuhörern vielleicht auch "die Übereinkunft getroffen", dass man sich über Frau M. auch künftig lustig machen kann, ohne dass jemand widerspricht. Die neue, gut ausgebildete Mitarbeiterin ist damit, ohne ihr Wissen, schon als mögliches Mobbing-Opfer "ausgewählt".

 

Praxis-Tipp

Soziale Kontakte ausbauen

Als vorbeugende Maßnahme gegen Mobbing ist es wichtig, dass sich Mitarbeiter nicht selbst in die soziale Isolation und Abseitsfalle schieben, sondern die sozialen Kontakte zu Kollegen und anderen Mitarbeitern des Betriebs ausreichend pflegen. Es wird nur über den gelästert, der in der "gemütlichen Runde" nicht dabei ist.

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