Minijob: Mehrere geringfügi... / Sozialversicherung

1 Mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen

Werden mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern nebeneinander ausgeübt, sind für die Beurteilung der Versicherungspflicht die Arbeitsentgelte aus den einzelnen Beschäftigungen zusammenzurechnen. Es muss geprüft werden, ob insgesamt die Entgeltgrenze in Höhe von 450 EUR im Monat überschritten wird.

 

Achtung

Keine Zusammenrechnung mit kurzfristigen Beschäftigungen

Eine Zusammenrechnung unterbleibt, wenn eine geringfügig entlohnte Beschäftigung mit einer kurzfristigen Beschäftigung zusammentrifft.

1.1 Geringfügig entlohnte Beschäftigung neben nicht geringfügiger versicherungspflichtiger (Haupt-)Beschäftigung

1.1.1 Eine geringfügige Beschäftigung

Übt ein Arbeitnehmer neben einer nicht geringfügigen versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber eine geringfügig entlohnte Beschäftigung aus, werden diese Beschäftigungen in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung nicht zusammengerechnet. Die geringfügig entlohnte Beschäftigung bleibt versicherungsfrei in der Krankenversicherung. Aus der Krankenversicherungsfreiheit folgt, dass in dieser Beschäftigung auch keine Versicherungspflicht in der Pflegeversicherung besteht. In der Rentenversicherung ist der geringfügig entlohnt Beschäftigte in dieser Beschäftigung je nach Sachverhalt versicherungsfrei, versicherungspflichtig oder von der Versicherungspflicht befreit.

1.1.2 Mehrere geringfügige Beschäftigungen

Sobald ein Arbeitnehmer eine nicht geringfügige versicherungspflichtige (Haupt-)Beschäftigung und mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern ausübt, gilt Folgendes: Die (Haupt-)Beschäftigung und die zeitlich zuerst aufgenommene geringfügig entlohnte Beschäftigung werden – wie im ersten Absatz oben dargestellt – jeweils für sich versicherungsrechtlich beurteilt. Eine zweite oder sogar weitere geringfügig entlohnte Beschäftigungen werden hingegen mit der (Haupt-)Beschäftigung zu den Zweigen der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zusammengerechnet.

Befreiung von der Rentenversicherungspflicht ausgeschlossen

Für die zweite und für weitere geringfügig entlohnte Beschäftigungen neben einer versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigung ist die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht ausgeschlossen. Hier erfolgt die Zusammenrechnung mit der versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigung.

 

Wichtig

Keine Zusammenrechnung in der Arbeitslosenversicherung

In der Arbeitslosenversicherung werden nicht geringfügig versicherungspflichtige (Haupt-)Beschäftigungen und geringfügig entlohnte Beschäftigungen nicht zusammengerechnet.

 

Praxis-Beispiel

Beurteilung verschiedener Beschäftigungsarten

 
Eine Arbeitnehmerin arbeitet seit Jahren regelmäßig 30 Stunden bei einer Tankstelle als Kassiererin gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von 1.300 EUR
(Erst-)Nebenbeschäftigung als Kassiererin ab 1.1. des Jahres beim Kaufmarkt gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von 300 EUR
(Zweit-)Nebenbeschäftigung als Kassiererin ab 1.6. des Jahres in einem Getränkemarkt gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von 160 EUR

Die Arbeitnehmerin hat für die Nebenbeschäftigungen einen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht gestellt.[1]

Ergebnis:

Tankstelle: Die Arbeitnehmerin ist in der Beschäftigung bei der Tankstelle versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, weil das Arbeitsentgelt 450 EUR übersteigt.

Kaufmarkt: Die Arbeitnehmerin ist in dieser geringfügig entlohnten Beschäftigung versicherungsfrei in der Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung und versicherungspflichtig in der Rentenversicherung, weil die Grenze von 450 EUR nicht überschritten wird und die Beschäftigung als erste Nebenbeschäftigung zählt. Von der Rentenversicherungspflicht hat sie sich auf Antrag befreien lassen.

Getränkemarkt: Die Arbeitnehmerin ist ab 1.6. in dieser geringfügig entlohnten Beschäftigung versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, weil die (Haupt-)Beschäftigung und die geringfügig entlohnte (Zweit-)Nebenbeschäftigung zusammengerechnet werden. Eine Befreiung von der Rentenversicherung ist in der (Zweit-)Nebenbeschäftigung ausgeschlossen. In der Arbeitslosenversicherung besteht Versicherungsfreiheit, weil das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung 450 EUR nicht überschreitet und geringfügig entlohnte Beschäftigungen mit versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigungen in der Arbeitslosenversicherung nicht zusammengerechnet werden.

2 Beamte mit geringfügig entlohnten Beschäftigungen

Die Versicherungsfreiheit von Beamten gilt in der Renten- und Arbeitslosenversicherung nur für das eigentliche Beamtenverhältnis. In der Krankenversicherung besteht auch für alle neben dem Beamtenverhältnis ausgeübten Beschäftigungen Versicherungsfreiheit. Aus der Krankenversicherungsfreiheit folgt, dass in der Pflegeversicherung keine Versicherungspflicht besteht.

2.1 Beamte mit einer geringfügig entlohnten Beschäftigung

Übt ein Beamter neben seinem Beamtenverhältnis (versicherungsfreie (Haupt-)Beschäftigung) eine geringfügig entlohnte Beschäftigung aus, ist diese Nebenbeschäftigung in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. In der Pflegeversicherung besteht keine Versicherungspflicht. Eine Zusammenrechnung findet nicht statt, da der Beamte...

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