Innere Kündigung

Zusammenfassung

 

Überblick

Innere Kündigung ist der bewusste Verzicht auf Engagement und Eigeninitiative eines Mitarbeiters. Der Mitarbeiter hat sich innerlich vom Unternehmen verabschiedet, behält aber seinen Arbeitsplatz bei. Die mangelnde emotionale Bindung an das Unternehmen kann zu hohen Folgekosten führen. Bewusst oder unbewusst möchten Mitarbeiter, die eine innere Kündigung vollzogen haben, dem Unternehmen schaden. Hauptanlass für die innere Kündigung sind Führungsfehler. Das regelmäßige Mitarbeitergespräch ist das wichtigste Instrument, um rechtzeitig von der Unzufriedenheit der Mitarbeiter zu erfahren und gegensteuern zu können.

1 Innere Kündigung – der stille Rückzug

Die innere Kündigung eines Mitarbeiters bedeutet die innere (emotionale) Verabschiedung vom Unternehmen, unter Beibehaltung des Arbeitsplatzes. Innere Emigranten nehmen ihren Arbeitseinsatz und ihr Engagement bewusst, aber stillschweigend zurück; sie distanzieren sich vom Betriebsgeschehen und verhalten sich weitgehend passiv. Auf eine äußere (formale) Kündigung wird verzichtet, entweder aus Angst vor den mit einem Arbeitsplatzwechsel verbundenen Änderungen oder weil die Betreffenden befürchten, keinen anderen Arbeitsplatz zu finden und sich finanziell nicht verschlechtern möchten.

Wer sich einmal innerlich gegen sein bisheriges Unternehmen entschieden hat, wird kaum mehr große Initiative entwickeln oder Einsatzbereitschaft zeigen. Das Verhalten solcher Mitarbeiter wird eher zu einer weiteren Verschlechterung des Betriebsklimas und einer Demotivation anderer Mitarbeiter führen.

Die innere Kündigung ist ein Problem aller Mitarbeiterkategorien. Schätzungen über das Ausmaß der inneren Kündigung reichen von 20-60 % der Mitarbeiter. Eine Studie der Fachhochschule Rheinland-Pfalz hat ergeben, dass durchschnittlich 24 % der Mitarbeiter sich innerlich vom Unternehmen verabschiedet haben. Noch deutlicher sind die Werte der jährlich durchgeführten Gallup-Studie. Danach haben 15 % der Mitarbeiter keine emotionale Bindung an ihr Unternehmen und verhalten sich destruktiv. Nur 15 % der Beschäftigten verfügen über eine hohe emotionale Bindung und sind bereit, sich engagiert für ihren Arbeitgeber und dessen Ziele einzusetzen. Die Mehrheit der Arbeitnehmer (70 %) weist nur eine geringe emotionale Bindung mehr auf und leistet häufig nur "Dienst nach Vorschrift".

Der Anteil unzufriedener Mitarbeiter nimmt in der Hierarchie von oben nach unten zu. Die häufig anzutreffende Annahme, dass die innere Kündigung vorwiegend ein Problem älterer Mitarbeiter ist, trifft nicht zu. Eine Untersuchung des Münchner Psychologen Lutz von Rosenstiel zeigt, dass die innere Kündigung bei allen Alterskategorien anzutreffen ist, auch bei Berufsanfängern. Bei Hochschulabsolventen hängt die Arbeitszufriedenheit in den ersten Berufsjahren vor allem davon ab, ob der Einzelne an bedeutenden Projekten beteiligt wird, ob er Gelegenheit hat, sich positiv darzustellen und wie gut es gelingt, Kontakte zu wichtigen Personen im Unternehmen aufzubauen. Werden diese Ziele nicht erreicht, kommt es zu Enttäuschungen, zu fortschreitender Resignation und letztendlich zur inneren Kündigung bereits am Anfang des Berufslebens.

2 Es gibt nur Verlierer

Als Folge einer inneren Kündigung gibt es nur Verlierer. An erster Stelle bei den Verlierern steht das Unternehmen, denn die innere Kündigung führt zu hohen Folgekosten und langfristig zu sinkender Produktivität. Es werden Mitarbeiter beschäftigt, die ihre Arbeitsleistung nicht mehr in vollem Umfang erbringen. Es muss mit geringerer Leistungsbereitschaft, höheren Fehlzeiten, mangelnder Innovationskraft oder einer eingeschränkten Kundenorientierung dieser Mitarbeiter rechnen. Nur ein Teil der durch innere Kündigung verursachten Schäden ist quantifizierbar.

Zu den Verlierern zählen auch der Vorgesetzte und das betriebliche Umfeld des inneren Emigranten. Der Vorgesetzte muss mit Mitarbeitern arbeiten, deren Leistungsbereitschaft ständig abnimmt. Fehlende Initiative oder Einsatzbereitschaft werden sich auch auf andere Mitarbeiter auswirken. Es kommt zu einer Verschlechterung des Betriebsklimas und einer Demotivation anderer Mitarbeiter. Die Leistungen im Team werden zurückgehen, wenn einzelne sich nicht mehr engagieren oder Dienst nach Vorschrift machen. Auch Kontakte mit externen Personen (z. B. Kunden, Lieferanten), mit denen sich der innere Emigrant einstmals gut zusammen gearbeitet hat, können beeinträchtigt werden.

Schließlich beschränkt sich der Schaden nicht nur auf das Unternehmen. Ein Mitarbeiter, der sich innerlich verabschiedet hat und seine Arbeitsleistung nur noch lustlos und ohne Interesse erbringt, schadet auch sich selbst. Seine Fähigkeiten und Kenntnisse liegen brach, Erfolgserlebnisse bleiben aus. Unzufriedenheit am Arbeitsplatz wirkt sich massiv auf die gesamte Persönlichkeit aus. Auch die Familie und das soziale Umfeld bleiben nicht verschont, wenn Wut und Enttäuschung dorthin übertragen werden. Die "employability" des Mitarbeiters verschlechtert sich mit jedem Monat des inneren Rückzuges.

3 Ursachen für eine innere Kündigung

Eine innere Kündigung kommt nich...

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