Innere Kündigung / 3 Ursachen für eine innere Kündigung

Eine innere Kündigung kommt nicht plötzlich. Sie verläuft zumeist in kleinen Schritten und ist für die Führungskräfte und Mitarbeiter vielfach nicht spontan erkennbar. Aus ehemals engagierten Mitarbeitern werden nach und nach Mitläufer. Die inneren Emigranten ordnen sich in der Regel in die vorhandene Unternehmensstruktur ein. Sie wollen nicht auffallen, um Konflikte und das Risiko einer formalen Kündigung zu vermeiden.

Ein erster Schritt, um gegen eine innere Kündigung so früh wie möglich vorzubeugen und gegenzusteuern, besteht in dem Versuch, die möglichen Ursachen zu erkennen. Diese sind vielfältig, so dass oft mehrere Ursachen zusammen kommen können. Die wichtigsten außerbetrieblichen Ursachen sind der gesellschaftliche Wandel und der Arbeitsmarkt. Betriebsintern werden Führungsprobleme, die Organisation und das Arbeitsumfeld sowie der Mitarbeiter selbst genannt. Im Gegensatz zu den außerbetrieblichen Ursachen sind die betriebsinternen Ursachen zu einem großen Teil beeinflussbar; sie sind in Übersicht 1 zusammengefasst.

3.1 Gesellschaft und Arbeitsmarkt

Die wesentlichen externen Einflüsse resultieren vor allem aus dem permanenten Wertewandel in der Gesellschaft, der zu geänderten Einstellungen und Erwartungen der Mitarbeiter gegenüber ihrer beruflichen Tätigkeit geführt hat. Anstelle der weitgehend abgesicherten materiellen Bedürfnisse ist das Streben nach mehr Verantwortung und größerer Selbstverwirklichung in der Arbeit getreten. Die zunehmende Demokratisierung und die erweiterten Mitspracherechte in allen Bereichen haben zu selbstbewussteren Mitarbeitern geführt, wodurch sich das Bedürfnis nach Mitwirkung bei der Gestaltung der Arbeitsplätze verstärkt hat. Wenn das Unternehmen und die Führungskräfte hinter diesen Veränderungen zurückbleiben, kann es zu Spannungen und Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern kommen.

Eine weitere externe Ursache kann die jeweilige Situation am Arbeitsmarkt sein. Es kommt zur inneren Kündigung trotz niedriger Fluktuationsrate. Die Fluktuationsrate ist bei schlechter Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich niedriger als in normalen Zeiten oder gar Hochkonjunktur. Abwanderungswillige Mitarbeiter schlucken ihren Ärger oder ihre Enttäuschung hinunter und harren auf Ihrem Arbeitsplatz weiter aus. Damit geht zwar die äußere (formale) Kündigungsrate deutlich zurück, ohne dass dadurch schon etwas über die innere Kündigung ausgesagt wird. Folgende Gründe sprechen aus Sicht des inneren Emigranten trotz vollzogener innerer Kündigung gegen einen Wechsel:

  • das Lebensalter ("mit diesem Alter bin ich nicht mehr gefragt"),
  • eigene Versäumnisse bei der Aktualisierung der persönlichen Qualifikationen,
  • befürchtete Gehaltseinbußen (wegen einer derzeitigen Überbezahlung oder fortgeschrittenem Alter),
  • mangelnde Mobilität (z. B. aus Rücksichtnahme auf die Interessen der Familie oder wegen Hausbesitz),
  • Angst vor Überforderung im neuen Job

3.2 Innere Kündigung als Führungsproblem

Ein Patentrezept gegen die innere Kündigung gibt es nicht. Das darf jedoch nicht davon abhalten, zumindest den Versuch zu unternehmen, den hauptsächlichen Ursachen nachzugehen. Als entscheidender Anlass für die innere Kündigung werden auf allen Stufen der Hierarchie Führungsfehler des unmittelbaren Vorgesetzten angesehen. Schätzungen sprechen von bis zu 50 % der inneren Emigranten, die sich aufgrund von Führungsfehlern innerlich von ihrem Unternehmen verabschiedet haben.

3.3 Organisation und Arbeitsumfeld

Eine zweite wichtige Ursachegruppe liegt bei der Organisation und den Arbeitsbedingungen. Unzufriedenheit mit dem Arbeitsentgelt oder eine Fehleinschätzung der eigenen Person und Fähigkeiten werden besonders häufig als Ursachen genannt.

3.4 Mitarbeiter selbst

Aber auch im Umgang mit den Kollegen und insbesondere bei den inneren Emigranten selbst sowie in ihrem persönlichen Umfeld, gibt es zahlreiche Gründe für eine innere Kündigung. Fehlende Anerkennung und Wertschätzung sowie enttäuschte Erwartungen können zu Resignation und innerer Verabschiedung vom Betriebsgeschehen führen. Besonders bei jüngeren Mitarbeitern kann die Nichterfüllung beruflicher Erwartungen hinzukommen.

 

Gründe für eine innere Kündigung

Führungsfehler

  • Autoritärer Führungsstil
  • Mangelnde Informations- und Kommunikationsbereitschaft der Vorgesetzten
  • Keine regelmäßigen Gespräche mit den Mitarbeitern
  • Es werden Gespräche und Besprechungen abgehalten, deren Ergebnis bereits feststeht (Alibigespräche)
  • Den Mitarbeitern werden wenig Mitsprachemöglichkeiten eingeräumt
  • Fehlendes Vertrauen in die Mitarbeiter
  • Wenig Bereitschaft zur Delegation
  • Zusagen des Vorgesetzten werden nicht eingehalten
  • Willkürliche Eingriffe in den Kompetenzbereich des Mitarbeiters
  • Aufgaben aus dem Verantwortungsbereich des Mitarbeiters werden vom Vorgesetzten selbst bearbeitet
  • Keine Teilnahme der Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen
  • Einseitige Zielvorgaben statt gemeinsamer Zielvereinbarung
  • Öffentliche Kritik
  • Wenig oder gar keine Anerkennung
  • Misstrauenskulturen, die durch übertriebene und willkürliche Kontrollen geprägt sind
  • Keine Zeit für die Mitarbeiter
  • Willkür bei Beförderungen
  • Persönliche Schwächen des Vorgesetzten (z. B. keine Berei...

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