Hinzuverdienst / 2 Hinzuverdienstprüfung ab 1.7.2017

Das Hinzuverdienstrecht bei Bezug einer Altersrente bis zum Monat des Erreichens der Regelaltersgrenze und bei Bezug einer Erwerbsminderungsrente wird durch das Flexirentengesetz neu ausgerichtet. Seit 1.7.2017 gibt es eine – in Ost und West einheitliche – kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR. Wird diese Grenze überschritten, erfolgt eine stufenlose Anrechnung des Hinzuverdienstes auf die Rente. Durch diese Anrechnungsregelung wird verhindert, dass ein geringfügiges Überschreiten der Hinzuverdienstgrenze zu einem unverhältnismäßig großen Rentenverlust führt. Zudem werden unterjährige Schwankungen beim Hinzuverdienst durch die jährliche Hinzuverdienstgrenze besser ausgeglichen als nach dem bisherigen Recht. Seit 1.7.2017 gibt es keine Alters-Teilrenten oder in teilweiser Höhe zu leistenden Erwerbsminderungsrenten in Stufen mehr, sondern jeden beliebigen Anteil, der sich aus der Hinzuverdienstberücksichtigung ergibt.

2.1 Altersrenten

2.1.1 Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR – erster Prüfschritt

Zunächst wird der Hinzuverdienst innerhalb eines Kalenderjahres neben der Altersrente betrachtet und geprüft, ob dieser Hinzuverdienst die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR übersteigt. Ist dies nicht der Fall, besteht in dem jeweiligen Kalenderjahr Anspruch auf Altersvollrente. Wird die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR überschritten, ist der übersteigende Betrag festzustellen und – um ihn auf Monatsbasis umzurechnen – durch 12 zu teilen. Von diesem Betrag werden 40 % auf die Vollrente angerechnet. Verbleibt nach der Anrechnung ein Restbetrag, ist dies die stufenlose Teilrente im Kalenderjahr.

2.1.2 Jahresgrenze 6.300 EUR

Es handelt sich bei der Hinzuverdienstgrenze in Höhe von 6.300 EUR um eine Jahresgrenze. Sie gilt auch, wenn

  • eine Altersrente nicht zu Jahresanfang beginnt,
  • Hinzuverdienst erst im Laufe des Kalenderjahres hinzutritt oder
  • Hinzuverdienst nur zum Monat des Erreichens der Regelaltersgrenze zu berücksichtigen ist.
 

Praxis-Beispiel

Zulässiger Hinzuverdienst bei Altersvollrente

Eine vorgezogene Altersrente beginnt am 1.1.2018. Die Regelaltersgrenze wird bereits im Februar 2018 erreicht. Wie hoch ist der zulässige Hinzuverdienst für eine Altersvollrente?

Ergebnis: Im Januar und Februar 2018 können insgesamt 6.300 EUR hinzuverdient werden. Wird diese Hinzuverdienstgrenze nicht überschritten, besteht Anspruch auf die volle Altersrente in beiden Monaten. Dabei spielt es keine Rolle, wie sich der Hinzuverdienst in den beiden Monaten verteilt, z. B.

  • im Januar 2018 mit 300 EUR und im Februar 2018 mit 6.000 EUR,
  • im Januar kein Hinzuverdienst und nur im Februar 6.300 EUR oder
  • in beiden Monaten je 3.150 EUR.

Ab März 2018 – dem Monat nach Erreichen der Regelaltersgrenze – kann unbeschränkt hinzuverdient werden.

Teilrente auch in Monaten ohne Hinzuverdienst

Durch die Kalenderjahresbetrachtung kann auch in den Monaten eine Teilrente zu zahlen sein, in denen kein Hinzuverdienst erzielt wurde.

 

Praxis-Beispiel

Hinzuverdienstprüfung – Jahresbetrachtung

Rentenbeginn nach dem 63. Lebensjahr am 1.1.2018. Die mtl. Bruttorente beträgt 1.000 EUR. Daneben wird bis 31.8.2018 eine Beschäftigung mit einem Verdienst von 1.500 EUR/Monat ausgeübt (für 8 Monate: 12.000 EUR).

Ergebnis: Der Hinzuverdienst im Kalenderjahr 2018 überschreitet die Hinzuverdienstgrenze für die Vollrente um 5.700 EUR (12.000 EUR – 6.300 EUR). Dieser überschießende Betrag ist auf Monatsbasis umzurechnen, indem er durch 12 geteilt wird: Ergebnis 475 EUR. Davon werden 40 % auf die Vollrente angerechnet, d. h. 190 EUR. Das Ergebnis ist eine mtl. Teilrente von 810 EUR (1.000 EUR – 190 EUR). Diese Teilrente ist – da keine Monatsbetrachtung mehr erfolgt – auch für die Monate 9/2018 bis 12/2018 zu zahlen. Anspruch auf Altersvollrente besteht erst ab 1.1.2019, da in diesem Kalenderjahr kein Hinzuverdienst vorliegt.

2.1.3 Hinzuverdienstdeckel – zweiter Prüfschritt

Der Hinzuverdienstdeckel ist nur zu prüfen, sofern die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR überschritten wird und sich eine Altersteilrente ergibt.

 

Hinweis

Berechnung des Hinzuverdienstdeckels

Der Hinzuverdienstdeckel ist ein Monatswert und bestimmt sich individuell, indem die höchsten Entgeltpunkte eines Kalenderjahres – innerhalb eines Betrachtungszeitraums von 15 Kalenderjahren vor Rentenbeginn – mit der monatlichen Bezugsgröße vervielfältigt werden. Für die Berechnung des mtl. Hinzuverdienstdeckels wird nicht nach Ost und West unterschieden. Der Hinzuverdienstdeckel ändert sich zum 1.1. eines jeden Jahres, wenn sich die Bezugsgröße ändert.

2.1.4 Überschreiten des Hinzuverdienstdeckels

Übersteigt die verbliebene mtl. Teilrente nach dem ersten Schritt (40 % Anrechnung) zusammen mit 1/12 des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes den mtl. Hinzuverdienstdeckel, kommt es zu einer weiteren Anrechnung. 1/12 des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes sind auch maßgebend, wenn der Hinzuverdienst neben der Rente nicht während eines gesamten Kalenderjahres (ggf. nur in einem einzelnen Monat) erzielt wird. Der Betrag über dem Deckel wird zu 100 % auf die verbliebene mtl. Teilrente angerechnet.[1]

 

Praxis-Beispiel

Hinzuverdienstdeckel

Rentenbeginn nach dem 63. Lebensjahr am 1.1.2018. Die mtl. Bruttorente betr...

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