Firmenfitness-Mitgliedschaft

Zusammenfassung

 

Begriff

Im Rahmen von Firmenfitness-Mitgliedschaftsmodellen bieten Arbeitgeber ihren Beschäftigten Gesundheitsprogramme an, die eine weitreichende Nutzung von bundesweiten Verbundanlagen umfasst. Die Vertragsgestaltung sieht vor, dass der Arbeitgeber durch den Abschluss einer Firmenfitness-Mitgliedschaft, für ein bestimmtes kalkulatorisch ermitteltes Entgelt, für alle Mitarbeiter das Recht erwirbt, sämtliche Sportstätten der Verbundpartner nutzen zu können. Die Mitarbeiter haben freie Auswahl, in welcher Einrichtung sie trainieren wollen. Praktisch erfolgt die Abwicklung über Mitgliedsausweise, die der Arbeitnehmer unentgeltlich, häufiger aber gegen Entrichtung eines Beitrags (= Eigenanteil) vom Arbeitgeber erhält und vom Arbeitnehmer bei Nutzung der Verbundanlagen vorzulegen ist. Die unentgeltliche oder verbilligte Einräumung von Fitness-Mitgliedschaften durch den Arbeitgeber führt beim Arbeitnehmer zu einem steuer- und beitragspflichtigen geldwerten Vorteil.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Einzelheiten zum steuerlichen Arbeitslohnbegriff regeln § 19 Abs. 1 EStG und § 2 LStDV. Die Bewertung von Sachbezügen bestimmt sich nach § 8 Abs. 2 EStG. Die Voraussetzungen für die Pauschalbesteuerung von Sachzuwendungen an den Arbeitnehmer regelt § 37b EStG; umfassende Erläuterungen und Ergänzungen zu dieser Vorschrift enthält das BMF-Schreiben vom 19.5.2015, IV C 6 - S 2297-b/14/10001, BStBl 2015 I S. 468.

Sozialversicherung: § 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV definiert die vom Arbeitgeber im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses an den Arbeitnehmer geleisteten Zahlungen als sozialversicherungspflichtiges Arbeitsentgelt.

 

Kurzübersicht

 
Entgelt LSt SV
Firmenfitness-Mitgliedschaft (geldwerter Vorteil) pflichtig pflichtig

Entgelt

1 Lohnsteuerpflichtiger geldwerter Vorteil

Die Nutzung von Sportanlagen und Freizeiteinrichtungen aufgrund Firmenfitness-Mitgliedschaften, die der Arbeitgeber in Form von unentgeltlichen oder verbilligten Mitgliedsausweisen seinen Arbeitnehmern ermöglicht, begründet einen lohnsteuer-und beitragspflichtigen geldwerten Vorteil.

Keine Steuerbefreiung für Gesundheitsvorsorge

Steuerlich begünstigt im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung sind ausschließlich therapeutische Maßnahmen, die im Rahmen der gesundheitlichen Primärvorsorge in den Verbundanlagen angeboten werden. Das mit der Firmenfitness-Mitgliedschaft abgeschlossene Leistungspaket enthält neben den von den Krankenkassen qualifizierten Angeboten i. S. d. §§ 20, 20b SGB V zahlreiche Angebote, die nicht unter die Steuerbefreiungsvorschrift des § 3 Nr. 34 EStG fallen, insbesondere Fitnessstudiobeiträge. Die Einweisung in die Gerätenutzung durch Fachkräfte reicht für die Steuerbefreiung nicht aus.

2 Bewertung des geldwerten Vorteils

Die Bewertung des geldwerten Vorteils, der dem Arbeitnehmer durch den Erwerb des Mitgliedsausweises zufließt, bestimmt sich nach dem üblichen Endpreis am Abgabeort, vermindert um einen pauschalen Abschlag von 4 % für übliche Preisnachlässe.[1] Die Bewertung des geldwerten Vorteils aus der Nutzung der Verbundanlagen bestimmt sich demnach nicht nach den Kosten des Arbeitgebers. Maßgebend ist der Endpreise, den der Arbeitnehmer als Privatkunde beim Abschluss eines vergleichbaren Einzelvertrags für sämtliche Dienstleistungen der jeweiligen Dienstleister bzw. Verbundanlagen aufwenden müsste.[2] Der monatliche Durchschnittswert aufgrund der tatsächlichen Inanspruchnahme der angebotenen Einrichtungen ist für die lohnsteuerliche Wertermittlung ohne Bedeutung.

Keine Anwendung der 44-EUR-Freigrenze

Entscheidend ist die objektive Bereicherung des Arbeitnehmers, die der einzelnen Mitgliedschaft zugrunde liegt, unabhängig davon, welche Angebote der Arbeitnehmer nutzt. Diese Beurteilung steht in Übereinstimmung mit der steuerlichen Behandlung von Dauerkarten in der Fußballbundesliga. Der geldwerte Vorteil berechnet sich nicht nach der Anzahl der tatsächlichen, sondern der möglichen Stadionbesuche. Die ermittelten Sachbezüge für den einzelnen Firmenfitness-Mitgliedschaftsausweis (Nutzungsmöglichkeit von Fitnessstudios, Schwimmbädern, Sporteinrichtungen, Freizeitparks u. a.) liegen damit pro Monat deutlich über der Sachbezugsfreigrenze von 44 EUR.[3]

 

Praxis-Tipp

Anrufungsauskunft einholen

Die Ermittlung des geldwerten Vorteils bei Firmenfitness-Mitgliedschaften bereitet aufgrund der Vielseitigkeit des Angebots häufig erhebliche praktische Schwierigkeiten. Da die Finanzämter aber bei der Bewertung des geldwerten Vorteils von Firmenfitness-Mitgliedschaften nicht einheitlich verfahren, sollte der Arbeitgeber eine Anrufungsauskunft einholen. Die Anrufungsauskunft hat haftungsbefreiende Wirkung und vermeidet unliebsame Nachforderungen bei einer späteren Lohnsteuer-Außenprüfung.

3 Lohnzufluss als sonstiger Bezug

Wird dem Arbeitnehmer eine Jahresmitgliedschaft eingeräumt, ist ein daraus resultierender geldwerter Vorteil zum Zeitpunkt der Aushändigung des Mitgliedsausweises für den gesamten Zeitraum seiner Geltungsdauer als sonstiger Bezug zu erfassen.[1]

Zahlungsmodalitäten bei Jahresmitgliedschaften sind unerheblich

Für die Frage des Zuflusses is...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Personal Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Personal Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesene beiträge