Betriebliche Gesundheitspol... / 3.1 Absentimus

Unter Absentismus wird bezahlte aber wegen physischer Abwesenheit nicht erbrachte Arbeit verstanden. Absentismus kann zahlreiche Ursachen haben. Absentismus korreliert mit Alter, Geschlecht und Bildungsgrad. Junge fehlen öfter, dafür weniger lang. Bei älteren Menschen, die ihr Arbeitsleben mit physisch stark belastenden Tätigkeiten verbringen, steigt spätestens ab dem 50sten Lebensjahr die Absentismusdauer deutlich an. Daneben spielen auch jahreszeitliche und konjunkturelle Schwankungen sowie der Grad der Behinderungen eine Rolle. Dass psychische Krankheiten in den Absentismus- und Frühberentungsstatistiken zurückliegender Jahre stark zugenommen haben, gibt zu denken.

Wodurch lässt sich das Fehlzeitengeschehen erklären?

  • Als naheliegend erscheint, dass der Gesundheitszustand dabei eine Rolle spielt. Allerdings: Nicht jeder Abwesende ist krank. Und: Fehlzeitenstatistiken der Krankenkassen sind zwar nützlich, erreichen aber nicht die Belastbarkeit epidemiologischer Befunde. In Daten aus einem Dutzend deutscher Unternehmen und über 5.000 Befragten finden sich kaum signifikante Zusammenhänge zwischen Gesundheitszustand und Fehlzeiten der Mitarbeiter, wohl aber zwischen Sozialkapital, Gesundheit und Fehlzeiten.[1]
  • Wie die von Gallup veröffentlichten Daten[2] und eigene Ergebnisse nahelegen, spielt die emotionale Bindung eine zentrale Rolle: an Kollegen, Vorgesetzte, das Unternehmen – im Bereich personenbezogener Dienstleistungen an Schüler, Kranke, Pflegebedürftige, Klienten, Kunden etc. Je geringer die emotionale Bindung, umso größer die Wahrscheinlichkeit, auch bei geringfügigen Anlässen der Arbeit fern zu bleiben.
  • Eine weitere Gruppe wichtiger Ursachen sind berufliche oder private Belastungen, die zu Absentismus führen können oder auch zu "Präsentismus", d. h. zu Demotivation, zu psychischen oder physischen Beeinträchtigungen derer, die regelmäßig ihrer Arbeit nachgehen.
  • Relevante Einflüsse auf den Absentismus gehen zudem vom Unterstützungspotenzial im persönlichen sozialen Umfeld der einzelnen Mitarbeiter aus, z. B. von Familie, Freunden, Verwandten, Nachbarn und ihrer Bereitschaft, "einzuspringen" im Fall eines Hilfebedarfs, z. B. bei der Pflege Älterer oder im Krankheitsfall von Kindern.
 
Wichtig

Risikofaktor Organisation

Emotionale Bindungen an eine Organisation – ihre Ziele und Aufgaben, ihre Kultur und ihre Menschen – sowie die von einer Organisation bewirkten Belastungen ("Risikofaktor Organisation") haben vermutlich den stärksten Einfluss auf das Fehlzeitengeschehen.

Nicht alle Abwesenden sind krank. Aber auch nicht alle Anwesenden sind gesund. Erst die Kenntnis betrieblicher Wirkungsketten befähigt zu verlässlichen Angaben darüber, welche an den Wurzeln eines Problems ansetzende Therapie eine "Heilung" verspricht. Um das Fehlzeitengeschehen besser zu verstehen, muss man sich deshalb näher mit der Qualität von Arbeit und Organisation und deren Wirkung auf die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter befassen. Bloße Anwesenheit ist kein Beitrag zum Organisationserfolg!

[1] Walter/Münch, Die Bedeutung von Fehlzeitenstatistiken für die Unternehmensdiagnostik, in: Badura/Schröder/Vetter (Hrsg.), Fehlzeiten-Report 2008. Betriebliches Gesundheitsmanagement: Kosten und Nutzen, 2009; Krüger, Ursachen von Fehlzeitenunterschieden – Indikatoren für Handlungsbedarf im sozialen System Industriebetrieb in zwei Stahlwerken. Masterarbeit an der Universität Bielefeld, 2012; Schwarting, Zur Relevanz von Fehlzeitenstatistiken im Kontext der betrieblichen Gesundheitsförderung. Eine empirische Analyse zum Zusammenhang von Absentismus und Gesundheitszustand in der Fahrzeugmontage. Masterarbeit an der Universität Bielefeld, 2012.
[2] Rath/Harter, Well Being. The five essential elements, 2010.

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