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27.01.2015 | Serie Fastnacht

Knigge-Tipps für stilsichere Büronarren und Fastnachtsmuffel

Serienelemente
Vielen Chefs geht es an Fastnacht an die Krawatte. Wer nicht mitmacht, gilt schnell als Spielverderber.
Bild: Image Source Limited

Dem Chef die Krawatte abschneiden? Polonäse im Büro? Um 11:11 Uhr anstoßen? Was für die einen der Höhepunkt des Jahres ist, finden andere Mitarbeiter eher gruselig. Susanne Helbach-Grosser gibt einige Knigge-Tipps, wie Narren und Fastnachtsmuffel die fünfte Jahreszeit im Büro gemeinsam bewältigen.

In der Zeit zwischen Altweiberfastnacht und Aschermittwoch laufen jecke Mitarbeiter Gefahr, über die Stränge zu schlagen – nicht nur bei Sitzungen und der Straßenfastnacht, sondern auch bei karnevalistischen Aktivitäten im Büro. Doch auch für Fastnachtsmuffel kann das närrische Treiben im Büro ein Risiko darstellen: nämlich, als Spaßbremse wahrgenommen zu werden.

Susanne Helbach-Grosser, Inhaberin von "Takt & Stil", einem Institut für interkulturelle Kommunikation und gesellschaftliche Umgangsformen und Autorin von Etikette-Ratgebern, erklärt anhand einiger Knigge-Tipps, wie die närrischen Tage im Büro nicht zur Belastungsprobe zwischen Narren und Nicht-Narren werden.

An Weiberfastnacht etwa, dem Donnerstag vor Rosenmontag, ist es Brauch, dass Frauen den Männern die Krawatten abschneiden. Deshalb laufen einige Männer den ganzen Tag mit einer selbst abgeschnittenen Krawatte oder mit einer Fliege herum – für Helbach-Grosser eindeutig ein "Spaßkiller". Gänzlich unmöglich findet sie auch sauertöpfisches Gebrumme beim Anblick einer Schere, wie etwa: "Komm mir bloß nicht zu nah!"

Viele Chefs – vor allem im rheinischen Raum – sind auf solche Attacken schon vorbereitet und erscheinen deshalb mit einem Uraltbinder. "Hat sich der Vorgesetzte jedoch fein gemacht für einen Kundentermin", so der Appell der Knigge-Expertin, "dann lässt die Mitarbeiterin tunlichst ihre Hände, beziehungsweise die Schere von ihm!"

"Zwischen Autoritätsverlust und dem Stigma des Stimmungskillers"

Während manche Unternehmen die tollen Tage komplett ignorieren, veranstalten einige sogar eine interne Faschingsparty. Doch wer in solch einem Fall denke, "Da mache ich mir einen schönen Tag und gebe mir die Kante!", für den könne es die folgenschwerste Party des Jahrs werden, warnt Helbach-Grosser. "Sicher sind Betriebsfeste eine gute Gelegenheit, Mitarbeiter und Kollegen zwanglos besser kennen zu lernen. Sie heben das Betriebsklima und motivieren. Doch wer über die Stränge schlägt, hat das ganze Jahr über vergeblich an seinem guten Ruf gearbeitet und macht ihn nun leider zunichte." Wer dagegen seine Grenzen kennt, zeige Kollegen und Vorgesetzten, dass er bei allen Anlässen wirklich vorzeigbar ist. Das gelte genauso für Führungskräfte: "Zwischen Autoritätsverlust durch zu viel Alkohol im Kollegenkreis und dem Stigma des Stimmungskillers liegt die Lösung", so die Etikette-Trainerin.

In welchen Situationen während der tollen Tage sonst noch Vorsicht geboten ist, zeigen weitere Knigge-Tipps von Helbach-Grosser:

  • Im Überschwang den Chef geduzt? Man duzt sich zwar unter Jecken. Im Job ist das kurzzeitige Karnevals-Du jedoch meistens nicht angebracht. Gehen Sie schnell wieder zum Sie über, falls ihr Chef nicht darauf reagiert. Das verhindert weitere Peinlichkeiten. Sollte ein Vorwurf kommen, bitten Sie um Entschuldigung. Begründen Sie aber Ihren Fauxpas nicht mit Alkoholkonsum, sondern mit Ihrer übermütigen Faschingslaune.
  • Im Büro die Musik auf volle Pulle drehen? Kein Problem, wenn Vorgesetzte nichts dagegen haben, sich Kollegen nicht daran stören und Arbeitsabläufe nicht gefährdet sind.
  • Ein Kostüm bei der Arbeit tragen? Das ist regional unterschiedlich, in medizinischen Branchen aus hygienischen Gründen meist nicht erlaubt – aber auch hier gibt es Abweichungen, zum Beispiel in Kinderkrankenhäusern. Falls sich Mitarbeiter kostümieren dürfen, zeigen sie auch hier guten Geschmack und erscheinen nicht unappetitlich oder gar zu sexy.  
  • Einfach zu Hause bleiben, weil man ein Karnevalsmuffel ist? Klar, wer Urlaub nimmt entzieht sich dem (genehmigten) Trubel im Büro. Denn zum Feiern kann man niemanden tragen. Ansonsten besteht kein Anspruch auf Schonung.
  • Mit Gästen aus Übersee unterwegs? Wer seine (ausländischen) Gäste in den Genuss der Straßenumzüge bringen will, sollte sich ein bis zwei Stunden vorher am Straßenrand einfinden. Keine Angst – niemand verdurstet dabei! Mitschunkeln und Tanzen ist besser gegen die Kälte als Schnaps. Immer mal Wasser zwischendurch, sonst trocknet man aus.
  • Termine mit ausländischen Kunden? Ausländische Kunden freuen sich über Pappnasen, neckische Hüte und Neckrüssel. Prunk- und Galasitzungen haben meist eine Kleiderordnung (von kostümiert bis Smoking), die ernsthaft beachtet werden sollte – dann kann es ganz lustig werden.

Knigge, Arbeitsrecht, Karneval

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