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03.02.2015 | Serie Fastnacht

Rechtstipps für Büronarren

Serienelemente
Beliebt an Fastnacht: Das Abschneiden der Krawatte.
Bild: Fotograf: Ingo Anstötz ⁄

Wenn die Narren an Fastnacht wieder um die Häuser ziehen, werden nicht nur gerne "Bützchen" verteilt, Krawatten gekürzt und "Gläschen in Ehren…" getrunken. Die fünfte Jahreszeit setzt so manche Verhaltensregel außer Kraft, am Arbeitsplatz aber zählt Besonnenheit.

Vor allem in Köln und Mainz ist an Fasnacht Ausnahmezustand. Das Arbeitsrecht wird aber in der fünften Jahreszeit nicht außer Kraft gesetzt. Hier die wichtigsten Regeln für das Verhalten am Arbeitsplatz in den närrischen Tagen:

Alkohol am Arbeitsplatz

Grundsätzlich besteht kein allgemeines Alkoholverbot, in manchen Betrieben gelten aber Betriebsvereinbarungen, die ein Alkoholverbot vorsehen. Diesen Regelungen ist dann Folge zu leisten. Betriebsvereinbarungen sind die „Gesetze des Betriebs“. Der Arbeitgeber kann aber auch beispielsweise per Direktionsrecht für die Fastnachtstage ein Alkoholverbot aussprechen. Hingegen ist die Anordnung eines  Alkoholtests nicht einseitig durch den Arbeitgeber möglich, gegen seinen Willen muss sich ein Arbeitnehmer keinem Alkoholtest unterziehen.

In jedem Fall gilt für Arbeitnehmer die Verpflichtung, die Sicherheit am Arbeitsplatz nicht durch übermäßigen Alkoholgenuss zu gefährden. Steht dies in Frage und ist ein Arbeitnehmer wegen Alkoholgenusses außer Stande, seine Arbeitsleistung zu erbringen, kann ihn der Arbeitgeber nach Hause schicken. Der Vergütungsanspruch für diese Zeit ist dann ausgeschlossen.  

Sachbeschädigung an Weiberfastnacht?

Im Rheinland ist es Brauch, dass Frauen an Weiberfastnacht Jagd auf Krawatten machen. Die Männer, die an diesem Tag eine tragen, zeigen damit, dass sie mit der Verunstaltung dieses Kleidungsstücks einverstanden sind. Dies gilt aber nur in den Fastnachtshochburgen und was in Köln gilt, ist beispielsweise noch lange nicht in Essen "Gesetz". Dort hat das Amtsgericht Essen vor einiger Zeit einem Krawattenträger Schadenersatz wegen des Kürzens seiner Krawatte durch benannten Brauch zugestanden.  

"Bützchen" und sexuelle Belästigung

In den meisten Fällen wird das „Bützchen“ in Köln vom Empfänger oder der Empfängerin geduldet und sicherlich oft auch gewünscht. Fehlt es aber an dieser Einwilligung, handelt es sich bei der Annäherung um eine sexuelle Belästigung. Eine fristlose Kündigung ist in einem solchen Fall gerechtfertigt, so etwa das Landesarbeitsgericht Hessen in einem Urteil vom 27. August 2013 (10 Sa 32/13).

Alkohol, Sachbeschädigung, Arbeitsrecht, Knigge, Karneval

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